T„Jeder Balken hat Geschichte“: Issendorfer Paar belebt alte Schmiede neu
Maria und Christopher Hubbe stecken viel Herzblut in das denkmalgeschützte Fachwerkensemble in Issendorf. Foto: P. Meyer
Christopher und Maria Hubbe haben der alten Schmiede in Issendorf neuen Glanz verliehen. Dank Förderung steht bald der letzte Schritt der Sanierung an.
Issendorf. Es ist ihr ganz persönliches Herzensprojekt: Das wird mit jedem Schritt über das denkmalgeschützte Fachwerkensemble in Issendorf deutlich. Vor fast dreieinhalb Jahren haben Maria und Christopher Hubbe das Haupthaus, das einst als Schule diente, samt ehemaliger Schmiede im Nebengebäude erworben.
Die alte Schmiede wurde von Familie Hubbe in den vergangenen zwei Jahren saniert. Foto: P. Meyer
Mit viel Zeit und Arbeit haben sie dafür gesorgt, dass einem Stück Issendorfer Geschichte neues Leben eingehaucht wurde. Ein letzter Schritt ist jetzt das alte Reetdach des Hauptgebäudes, das dank Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) im kommenden Jahr ersetzt werden kann.
Vorbesitzer haben das Haupthaus 1980 saniert
„Viele Leute schrecken bei Gebäuden mit Denkmalschutz zurück, dabei gibt es Unterstützung“, weiß Christopher Hubbe. Der Airbus-Konstrukteur hatte sich 2022 gemeinsam mit Ehefrau Maria und den zwei Kindern des Projektes angenommen, nachdem es 2019 mit dem Kauf noch nicht geklappt hatte.
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„Wir hatten bereits Eigentum in Horneburg“, erzählt Maria Hubbe. Doch der Platz reichte irgendwann nicht mehr. Gesucht habe das Paar bis in die Wingst, doch eine passende Alternative war nicht dabei. Bis der knapp 3.000 Quadratmeter große Hof in Issendorf erneut inseriert wurde.

Die Issendorfer Schmiede um 1924. Anbauerstelle mit der Schmiedewerkstatt links im Bild. Abgebildet ist die Familie Meyer, rechts der letzte Issendorfer Schmied Johann Meyer. Foto: Sammlung Familie Kröger
Das Haupthaus, das aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt, war bei Kauf in gutem Zustand. Es wurde 1980 von der langjährigen Besitzer-Familie Meyer saniert und damals bereits mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Bis heute pflegen Hubbes Kontakt zu Familie Meyer.
Aus Schmiede wurde Töpferei
Neben dem Garten war es vor allem das Nebengebäude, das für die Hubbes viel Arbeit bedeutete. „Man wird zwangsläufig zum Handwerker“, sagt Christopher Hubbe.
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Als Schmied Johann Meyer 1889 den Hof vom Issendorfer Schulvorstand erwarb, errichtete er die kleine Schmiede, direkt neben dem Haupthaus. Um dem kleinen Gebäude wieder Glanz zu verleihen, hat Familie Hubbe nicht nur den Sockel, das Fachwerk und die Ausfachungen überarbeitet und instandgesetzt. Fenster, Türen und Elektronik wurden erneuert, der alte Fußboden entfernt und neu gemacht.

Hier wird noch regelmäßig geschmiedet. Foto: P. Meyer
„Bewahren ohne Instandsetzung ist nicht möglich“, erklärt Christopher Hubbe. Damit alte Gebäude nicht verfallen, müsse auch etwas daran getan werden. Trotz allem, was neu gemacht werden musste, habe das Paar stets darauf geachtet, dass es sich in das historische Gesamtbild einfügt - von den Fenstern bis zu den Lichtschaltern.
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Alte Werkzeuge wie Amboss oder Standbohrmaschine haben einen besonderen Platz in der alten Schmiede gefunden. Die hat jetzt eine neue Aufgabe bekommen: Maria Hubbe hat sich in einem Bereich ihre kleine Töpferwerkstatt eingerichtet. Im anderen Teil besteht weiterhin die Möglichkeit, zu schmieden. Durch die Umnutzung ließ sich das denkmalgeschützte Gebäude für die Zukunft erhalten.
Vögel und Marder machen sich am Dach zu schaffen
„Wir hoffen auch, dass Beispiele wie diese einen Nachahm-Effekt haben“, sagt Dr. Reinhold Kolck, Ortskurator Stade der DSD. Projekte wie das der Familie Hubbe würden es ermöglichen, einen Fuß in der Vergangenheit zu haben und gleichzeitig Objekte für die Zukunft zu erhalten.

Auch die alten Gerätschaften finden einen neuen Platz in der Schmiede. Foto: P. Meyer
„So kann das Bewusstsein an die nächste Generation weitergegeben werden“, so Kolck. Dank zahlreicher Spenden sowie Erträge der Glücksspirale konnte die Stiftung Christopher und Maria Hubbe 32.500 Euro zur Verfügung stellen.

Dr. Reinhold Kolck von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (links) übergibt die Fördersumme von 32.500 Euro symbolisch an Maria und Christopher Hubbe. Foto: P. Meyer
Das Geld soll in die Erneuerung des Reetdachs des Haupthauses fließen, die mehr als doppelt so viel kosten wird. Das Dach hat in den vergangenen 46 Jahren seinen Dienst getan, ist mit einer Stärke von nur noch etwa zehn Zentimetern - normal sind um die 30 - weitestgehend abgetragen. „Die Vögel bedienen sich gerne für ihre Nester am Reet“, sagt Maria Hubbe. Und auch der Marder hat sich zu schaffen gemacht und für undichte Stellen im Dach gesorgt.

Das Dach des Haupthauses ist mehr als 40 Jahre alt und muss erneuert werden. Foto: P. Meyer
Mit wie viel Leidenschaft Hubbes am Hof werkeln, haben sie der Öffentlichkeit bereits beim Tag des offenen Denkmals 2025 gezeigt. In diesem Jahr findet der bundesweite Tag am Sonntag, 13. September, statt.
Welche geschichtliche Bedeutung die Schmiede für Issendorf hat, ist Hubbes bewusst. „Das Haus hat Ausstrahlung, jeder Balken hat Geschichte“, so Maria Hubbe. „Und wir dürfen es erhalten und pflegen für die Nachwelt.“ Skeptiker im Umfeld habe es zwar gegeben - schließlich kostet so ein geschichtsträchtiges, denkmalgeschütztes Fachwerkensemble viel Zeit, Geld und Mühe.
Doch für Christopher und Maria Hubbe hat es sich gelohnt: Sie haben dem Hof und der alten Schmiede zu neuem Glanz verholfen, sie zu einem Zuhause gemacht - ohne ihre historische Bedeutung zu verlieren.
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