TJung, modern und immer öfter weiblich: Das Ende des typischen Jägers
Jägeranwärterin Pia Oldenburg (27) aus Apensen und Jäger Thorben Hornung (35) aus Sittensen. Foto: Laudien
Waschbären und Nutrias sind ein wachsendes Problem. Neue Technologien unterstützen den modernen Jäger. Beim Jäger-Check in Harsefeld zeigt sich ein neues Bild.
Harsefeld. Ein neuer Jäger-Boom: In Deutschland gibt es 467.682 Jägerinnen und Jäger. Vergangenes Jahr machten 42 Prozent mehr Menschen den Jagdschein als noch drei Jahrzehnte zuvor. Allein in Niedersachsen waren es 70.000, teilt der Deutsche Jagdverband (DJV) aktuelle Zahlen mit.
Der 73. Kreisjägertag des Landkreises Stade belegt diesen Trend. Die Harsefelder Festhalle war am Sonnabend mit fast 300 Jägern bis zum letzten Platz besetzt. Auffällig: Das Klischee des typischen Jägers ist überholt - alte Männer und Waffennarren, die Trophäen sammeln, gibt es nur noch selten.
Junge Jägerfamilie aus Kehdingen: Mathias und Jennifer König mit Tochter Jella. Foto: Laudien
„Vor zehn Jahren musste ich mich als Frau noch behaupten“, erzählt Jennifer König aus Kehdingen. „Lass das Mädchen da mal längslaufen, wurde ich anfangs von erfahrenen Jägern belächelt. Doch nach dem Abschuss von vier Hasen zeigten sie schließlich Respekt vor meiner Leistung.“
Jagd als Ausgleich zum Beruf
„Ich bin seit 2019 Jägerin aus Leidenschaft“, sagt Sandra Lemmermann. Was treibt sie an? „Ich liebe die Natur und finde bei der Jagd einen wunderbaren Ausgleich zum meinem Beruf in der Pflege und meinem Ehrenamt als Bürgermeisterin von Kutenholz.“

Jägerfamilie aus Kutenholz: Niklas Seidel, Bürgermeisterin Sandra Lemmermann und Tochter Beke. Foto: Laudien
Ihre 29-jährige Tochter Beke und Schwiegersohn Niklas Seidel (35), Sohn des ehemaligen Försters Martin Seidel im Rüstjer Forst, gehen seit 2024 in Mulsum gemeinsam auf die Jagd und setzen sich etwa bei der Fallenjagd von Raubwildtieren wie Füchsen und Waschbären für das Rebhuhnschutzprojekt ein.
Halali beim Kreisjägertag in Harsefeld
Ute zum Felde ist seit neun Jahren auf der Pirsch und gibt ihr Wissen von der Jagd in ihrer Naturschule weiter. „Kinder haben heute immer weniger Verbundenheit zur Natur“, sagt die 62-Jährige. „Bei den Jägern ist jetzt eine neue Zeit angebrochen. Früher war es eine totale Männerdomäne.“
„Ich musste mich als Frau behaupten“
Julia Seefried geht seit fast 30 Jahren auf die Jagd. „Ich habe mit 16 meinen Jagdschein gemacht“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Jägerschaft des Landkreises Stade und Ehefrau von Landrat Kai Seefried. Tochter Marie Therése (12) möchte ebenfalls mit 16 Jahren den Jagdschein machen. „Die Jagd wurde mir durch meinen Vater und meinen Großvater in die Wiege gelegt. Probleme mit der Akzeptanz als Frau hatte ich nicht. Mich treibt vor allem der Natur- und der Artenschutz an“, begründet Julia Seefried.

Jäger mit ihren ausgebildeten Begleitern (von links): Kristin Krause und Katja Kolbe aus Sachsen mit Hündin Rosine sowie Martin Küchemann aus Wiegersen mit Loki. Foto: Laudien
Die Jägerinnen Katja Kolbe und Kristin Krause aus Sachsen sind zu Besuch in Harsefeld und begrüßen den weiblichen Vormarsch in der Jägerschaft. „Frauen jagen mit mehr Emotionen“, sagen sie.
47 Jagdscheinanwärter
Pia Oldenburg ist Tierarzthelferin und macht momentan ihren Jagdschein. „Mein Vater ist auch Jäger“, sagt die 27-Jährige aus Apensen. Am 18. April hat sie nach neunmonatiger Ausbildung ihre letzte Prüfung.
„Zwei- bis dreimal in der Woche muss ich zum Unterricht nach Griemshorst. Mit den Schießprüfungen bin ich aber schon durch.“ 47 Jagdscheinanwärterinnen und -anwärter nehmen in den kommenden Wochen an den Jägerprüfungen teil - mit ansteigendem Frauenanteil.
Drohnen, Fallenmelder und App
Doch nicht nur die Gleichberechtigung hält Einzug bei den Jägern. Auch moderne Technologien werden immer stärker genutzt. Drohnen für die Rehkitzrettung, Fallenmelder bei der Fangjagd von Raubwild, Apps zur besseren Kommunikation und Social Media kommen zur Anwendung.
Krebsinitiative
T Krebs holt Familienvater: Wie das Leben für Frau und Tochter weitergeht
Der umfangreiche Jahresbericht des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Stade, Jens Hariefeld, zeigte unter anderem, dass invasive Arten wie Nutrias, Waschbären und Marderhunde ein Problem sind und noch dringlicher bejagt werden müssen. 50 Prozent der Fläche im Landkreis Stade seien bereits mit Nutrias besetzt, die Felder und Deiche unterhöhlen und den Küstenschutz gefährden.

Das neue Logo der Jägerschaft wurde beim 73. Kreisjägertag präsentiert. Foto: Laudien
Rabenkrähen nehmen ebenfalls überhand und werden, ebenso wie Kormorane, bejagt. Ins Visier sind sogar Kraniche gerückt. „Noch nie gab es durch die Vogelgrippe so viele tote Kraniche wie im vergangenen Jahr“, so der Vorsitzende.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands, hofft auf eine positve Entscheidung des Bundesrats. Foto: Laudien
Ein großes Thema sei und bleibe der Wolf, betonte Helmut Dammann-Tamke (CDU) in seiner Rede. Der Präsident des Deutschen Jagdverbands setzt auf das Wolfsmanagement, damit der Wolf leichter geschossen werden kann. Der Bundestag hat dazu das Bundesjagdgesetz geändert. Am 27. März muss der Bundesrat abschließend über das Jagen von Wölfen abstimmen. „Wölfe werden lernen, dass der Mensch für sie eine Gefahr ist“, so Dammann.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.