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Gründerstar

TJunge Stader Entrümpler: Mit Vorschlaghammer und Fingerspitzengefühl

Mit dem Vorschlaghammer schlagen Niklas Pontow (rechts) und Meik Mroz gleich den Schrank im Hintergrund ein.

Mit dem Vorschlaghammer schlagen Niklas Pontow (rechts) und Meik Mroz gleich den Schrank im Hintergrund ein. Foto: Stehr

Meik Mroz und Niklas Pontow haben sich auf Entrümplungen, Umzüge und Gebäudereinigung spezialisiert und ihren Traumjob gefunden. Manchmal finden sie dabei Kurioses.

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Von Lena Stehr
Donnerstag, 19.02.2026, 18:50 Uhr

Stade. Meik Mroz und Niklas Pontow wissen nie, was sie erwartet, wenn sie einen neuen Job annehmen. Die beiden 28- und 24-Jährigen haben im vergangenen Jahr ihre eigene Entrümplungs- und Umzugsfirma in Stade gegründet und sich für den Gründerstar beworben. Bei der Preisverleihung gingen sie zwar leer aus, haben dafür aber inzwischen alle Hände voll zu tun und schon einiges erlebt.

Jedes Haus erzählt eine eigene Geschichte

„Jedes Haus erzählt eine eigene Geschichte“, sagt Meik Mroz. Zusammen mit seinem Geschäftspartner steht er gerade im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses in Stade. Ein massiver Holzschrank, Tapeten im 1970er-Jahre-Stil, geschwungene Gardinen vor dem Stubenfenster und ein paar alte Topfpflanzen vermitteln einen kleinen Eindruck von der ehemaligen Bewohnerin.

Niklas Pontow (links) und Meik Mroz haben alle Hände voll zu tun.

Niklas Pontow (links) und Meik Mroz haben alle Hände voll zu tun. Foto: Stehr

Die 80-Jährige ist kürzlich in eine Wohnung gezogen, mit der sie deutlich weniger Arbeit hat und in der sie sich wohlfühlt. Darüber ist die Schwiegertochter froh. Sie sitzt nebenan in der Küche und hat den Jungunternehmern schon Instruktionen gegeben. Alle Schränke müssen raus, oben stehen auch noch ein schweres Bett und einige Möbel. Für Meik Mroz und Niklas Pontow ein schneller Job, weil die Schränke von den Besitzern selbst schon komplett ausgeräumt wurden. Länger als einen Tag brauchen sie hier nicht.

Das ist nicht immer so. „Wir hatten auch schon kleine Messie-Wohnungen, in denen wir mehrere Tage beschäftigt waren. Schocken kann uns nichts mehr“, sagt Niklas Pontow. Er lebt mit seiner Frau in Hamburg. In der Großstadt gehört die städtische Vermieterin SAGA zu den großen Auftraggebern. Ebenso viele Aufträge nehmen die Dienstleister aber auch in Stade an. Hier wohnt Meik Mroz mit seiner Frau. Kennengelernt haben sich die beiden über ihren früheren Job in Hamburg als Maschinenführer.

Ohne Werkzeug wie den Akkuschrauber geht beim Entrümpeln nichts.

Ohne Werkzeug wie den Akkuschrauber geht beim Entrümpeln nichts. Foto: Stehr

Auf Schichtdienst hatten beide irgendwann keine Lust mehr. Zeitgleich kam der entscheidende Impuls von einem Bestatter aus dem Familienkreis. Angehörige brauchten dringend Hilfe bei einer Haushaltsauflösung. „Daraus entstand die Idee, uns selbstständig zu machen und Menschen in sensiblen Situationen zu helfen“, sagt Meik Mroz. Dafür brauchen die Männer Fingerspitzengefühl, müssen aber auch kräftig anpacken.

Dass jeder Auftrag anders ist, gefällt Meik Mroz und Niklas Pontow besonders an ihrem Job.

Dass jeder Auftrag anders ist, gefällt Meik Mroz und Niklas Pontow besonders an ihrem Job. Foto: Stehr

Wie das geht, macht Meik Mroz gerade im Wohnzimmer vor. Mit einem Vorschlaghammer drischt er auf den großen Schrank ein. Später schleppt er zusammen mit Niklas Pontow alles nach draußen in die beiden Transporter der Jungunternehmer. Alles landet noch am selben Tag beim Abfallwirtschaftszentrum in Stade.

Was zu schade für den Müll ist, wird online verkauft

Meik Mroz und Niklas Pontow haben aber auch einen eigenen Ebay-Shop, über den sie online alles verkaufen, was zu schade für den Müll ist. Das kann neben echten Antiquitäten auch mal ein Bügeleisen für 5 Euro sein.

Wenn die beiden einen Auftrag bekommen, gucken sie sich zunächst vor Ort unverbindlich alles an und machen Fotos. Außerdem wird gemessen, wie lang der Weg von der Wohnung zum Auto ist und gecheckt, ob es einen Fahrstuhl gibt. Danach machen die Dienstleister ein Angebot. Pro Arbeitsstunde berechnen Meik Mroz und Niklas Pontow 50 Euro pro Person. Die Entsorgungskosten geben sie ohne Aufschläge an ihre Kunden weiter.

Beim Entrümpeln Waffen und Nazi-Urkunden gefunden

Bei der Arbeit finden die beiden auch mal Kurioses. Zum Beispiel Waffen oder Nazi-Urkunden. „Man weiß nie, was einen erwartet, jeder Job ist einzigartig“, sagt Niklas Pontow. Im Haus der 80-Jährigen gab es zwar keine bösen Überraschungen, dafür aber eine Rarität zu bestaunen.

Beim Ausräumen von Häusern und Wohnungen stoßen Meik Mroz und Niklas Pontow häufig auf allerlei Kuriositäten - wie dieses riesige gestickte Wandbild.

Beim Ausräumen von Häusern und Wohnungen stoßen Meik Mroz und Niklas Pontow häufig auf allerlei Kuriositäten - wie dieses riesige gestickte Wandbild. Foto: Stehr

Ein großes Gobelin-Stickbild auf schwarzem Grund, das zwei edel gekleidete Frauen aus mittelalterlicher Zeit, viele Blumen, Vögel und einen Baum zeigt. Ein echtes Liebhaberstück, das wohl lange Zeit der Hingucker in der guten Stube war. Weil niemand das Bild haben wollte - auch nicht geschenkt - landet es jetzt im Sperrmüll.

Apropos Sperrmüll: Meik Mroz und Niklas Pontow müssen sich sputen, damit die Transporter für den nächsten Auftrag frei werden.

Bald könnten den beiden noch ganz andere Anfragen ins Haus flattern. „Wir wollen uns fortbilden, damit wir auch Wasser- und Schimmelschäden beseitigen können“, sagt Meik Mroz. Außerdem wollen die Männer in einem Desinfektor-Kurs lernen, wie man Räume nach Todesfällen reinigt. „Dann sind wir auch Tatortreiniger“, sagt Niklas Pontow.

www.mp-dienstleister.de

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