Kommunalwahl

TKandidaten im Fragenfeuer junger Wähler: Das wollen sie für Drochtersen

Podiumsdiskussion.

Podiumsdiskussion. Foto: Wertgen

Fünf Kandidaten und eine Kandidatin für den Gemeinderat stehen in der Drochtersen Elbmarschenschule Rede und Antwort. Es geht um den Elbtunnel, Klimaschutz und riesige Lücken im Fahrplan.

Von Grit Klempow und Lars Wertgen 04.07.2026, 06:00 Uhr

Drochtersen. Vor der Kommunalwahl im September und kurz vor den Sommerferien stellen sich Vertreter von sechs Parteien vor 150 Schülerinnen und Schülern der Elbmarschenschule den Fragen des Publikums.

Ein Moderatoren-Team hakt, unterstützt von einem Faktencheck-Team, bei den Positionen der Politiker gezielt nach.

Woher kommt die Motivation zur Kandidatur für den Gemeinderat?

Marlen Riemer (Grüne) will erreichen, dass Frauen in der Politik stärker vertreten sind, Kai Schildt (SPD) setzt auf sozialgerechte Politik und Chancengleichheit.

Cornelius van Lessen (FWG) wirbt für eine ideologisch ungebundene Politik „ohne Kompromisse“, Calvin Bösch (FDP) sieht sich als Bringer frischen Windes.

Hannes Hatecke (CDU) setzt auf solide Finanzen, Sebastian Sieg (AfD) verweist auf die vergangenen Bundestagswahlen als Beleg für den Veränderungswunsch der Bürger.

Cornelius van Lessen (FWG).

Cornelius van Lessen (FWG). Foto: Klempow

Wie steht es um die Gemeinde?

Hatecke warnt davor, alle Projekte gleichzeitig umsetzen zu wollen, mit Blick auf drohende Steuererhöhungen: „Ich lehne es ab, Schulden zu machen, die die nächste Generation zahlen muss.“

Sieg geht weiter und behauptet, die Gemeinde sei in fünf Jahren pleite, wenn nicht gegengesteuert werde - nur Steuererhöhungen könnten das verhindern, was den Standort unattraktiver mache.

Hannes Hatecke (CDU).

Hannes Hatecke (CDU). Foto: Klempow

Van Lessen kontert mit der Frage, ob Sieg wirklich Wähler gewinnen wolle, indem er ihnen Angst mache. Für ihn hat die Bildung der Kinder oberste Priorität, das Hallenbad werde sich locker durchfinanzieren.

Riemer fordert stattdessen eine bessere Anbindung an den Nahverkehr sowie verbesserte Kinderbetreuung.

Die Gemeinde sei erstmals im Defizit, die Überschussrücklagen zeigten aber, dass gut gewirtschaftet worden sei, sagt Kai Schildt: „Auch mit knappen Finanzen können wir etwas realisieren.“

Wie steht es um die Erneuerbaren Energien?

Sieg zweifelt grundsätzlich am Nutzen der Energiewende und sieht sie zum Schaden der Bürger. Hatecke sieht dagegen Potenzial bei Photovoltaik auf gemeindeeigenen Liegenschaften wie Schulen.

Van Lessen geht weiter: Die Gemeinde könne sich „locker allein versorgen“. Riemer erinnert daran, dass fossile Rohstoffe endlich seien, während bei den Alternativen längst genug Stromerzeugung möglich sei. Schildt will Windkraftanlagen weiter fördern und erwartet daraus Gewinne für die Gemeinde.

Marlen Riemer (Grüne).

Marlen Riemer (Grüne). Foto: Klempow

Warum für oder gegen die A20 mit Elbtunnel?

Riemer spricht sich klar gegen die Autobahn aus und plädiert für eine ausgebaute, schnelle Fährverbindung in Wischhafen. Die A20 führe durch Moore, „und wir sehen jetzt schon, wie diese Straßen durchs Moor aussehen.“

Schildt drängt auf zügige Fortschritte bei Tunnel und Autobahnkreuz, „damit die Region wirtschaftlich nicht abgehängt wird“.

Kai Schildt (SPD).

Kai Schildt (SPD). Foto: Klempow

Van Lessen findet, die Autobahn müsse dringend gebaut werden. Er setzt auf die neuen Gewerbegebiete. Für Bösch ist klar: „Bitte gerne eine Autobahn“, Regionen würden davon wirtschaftlich überproportional profitieren.

Hatecke zeigt sich „voll davon überzeugt“, dass der Tunnelbau mehr Lebensqualität und eine bessere Anbindung an das nahe Schleswig-Holstein ermögliche. Sieg spricht sich ebenfalls für die A20 aus und erwartet eine Aufwertung des Wirtschaftsstandortes Stade.

Sebastian Sieg (AfD).

Sebastian Sieg (AfD). Foto: Klempow

Welche Umweltschutzprojekte würden Sie umsetzen?

Bestimmte Projekt nennt kaum einer - schnell fallen die Schlagworte Erneuerbare Energien, Klima- und Naturschutz und Deicherhöhung. Marlen Riemer rückt das Naturschutzprojekt des WWF auf Krautsand in den Blickpunkt.

Calvin Bösch (FDP).

Calvin Bösch (FDP). Foto: Klempow

Wie kann Drochtersen besser an den ÖPNV angeschlossen werden?

Bösch lehnt eine „staatswirtschaftliche“ KVG ab und wünscht sich eine Modellregion für autonome E-Busse und Taxis, umgesetzt mit dem Anbieter Moja.

Er setze auf den Individualverkehr und hält es für wirtschaftlich falsch, bei „geringem Bedarf“ abgelegene Strecken wie Hüll oder Krautsand „permanent mit dem ÖPNV zu befahren“, sagt Sieg.

Van Lessen fordert das Gegenteil: einen großflächigen Ausbau, besonders beim Schulbusverkehr, mit kleineren Bussen und höherer Taktung. ÖPNV sei Daseinsvorsorge.

Schildt sieht den Landkreis in der Pflicht, aber auch Möglichkeiten wie Mitfahrbänke, Mitfahr-Portale oder auch einen Bürgerbus. Riemer macht langfristig großes Potenzial bei autonom fahrendem und On-Demand-Verkehr aus.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel