TKarls Freizeitpark: Die nächste Attraktion verzögert sich
30 Meter Länge, 40 Tonnen schwer: Eine Straßenbahn, wie sie hier bei Karls in Rövershagen installiert wird, kommt im kommenden Jahr auch nach Loxstedt. Foto: Karls
30 Meter lang, fast 40 Tonnen schwer: Eine Straßenbahn ist eben kein Spielzeugauto. Das bekommt jetzt auch Karls-Chef Robert Dahl zu spüren.
Loxstedt/Rostock. Eigentlich sollte der 1. November am Karls-Standort in Loxstedt eine neue Attraktion hervorbringen: Eine Eis(en)bahn, wie es bislang seitens des Unternehmens hieß. Doch daraus wird vorerst nichts. Wie Karls-Geschäftsführer Robert Dahl der Nordsee-Zeitung sagt, ist der Termin auf den 1. November 2027 verschoben. Noch ein Jahr warten. Der Geschäftsmann ist überzeugt, dass sich dies lohnen wird.
Schlittschuhbahn bleibt nicht so wie sie ist
Bereits zum ersten Geburtstag des Standorts im Mai hatte Dahl angekündigt, ein Eisbahn- beziehungsweise Eisenbahn-Depot zu errichten, das mit der Schlittschuhbahn verbunden wird. Will heißen: Wer seine Kufen schnürt, gleitet künftig nicht nur über das Eis, sondern direkt durch eine ehemals im Betrieb befindliche Straßenbahn hindurch. Eine überdachte Halle und der Charme alter Schienenfahrzeuge sollen eine Kulisse ergeben, wie sie laut Dahl nicht alle Tage zu finden ist.
Die Idee entstand seinen Worten zufolge im vergangenen Winter. Ein leitender Techniker aus dem Team habe ihm berichtet, dass zehn Fahrzeuge der Rostocker Straßenbahn AG zum Verkauf stehen. Dahls Antwort, die er wiederholt: „Wollen wir haben!“

Hat gut lachen: Robert Dahl freut sich, dass die Straßenbahn aus Rostock nach Rövershagen kommt. Und bald auch aufs Karls-Gelände nach Loxstedt. Foto: Karls
Nicht allein, weil die Vehikel seiner Meinung nach gut zu Karls passen. Ihn begeistert auch der Upcycling-Gedanke: Dinge, die bereits ein langes Leben hinter sich haben, sollen nicht verschrottet werden, sondern eine neue Bestimmung geschenkt bekommen. Zwischendurch sei auch ein Straßenbahnhotel im Gespräch gewesen, doch durchgesetzt habe sich das Depot-Konzept.
Rövershagen ist erster Standort, dann kommt Loxstedt
Der Kauf sei dabei der einfachste Teil gewesen, sagt Dahl. Weitaus schwieriger und teurer habe sich die Anlieferung der Straßenbahnen gestaltet. Nicht in Loxstedt, wo der Bau erst im kommenden Jahr beginnt, wohl aber in Rövershagen. Es ist der erste Standort, dem die Fahrzeuge zugeführt wurden.
Bei einer Länge von ungefähr 30 Metern und einem Gewicht von geschätzt 40 Tonnen pro Bahn, macht der Firmen-Chef auf die Hürden aufmerksam: „Sie kamen in der Nacht mit Spezialtransportern angeliefert. Teilweise sind dafür sogar Verkehrsschilder und Ampeln abgebaut worden.“

Die Straßenbahn ist kürzlich mit einem Lkw von Rostock nach Rövershagen gebracht worden. In Sichtweite der riesige Turm „Karlossos“. In Loxstedt käme der Transport indes am „Pipi-Kaka-Land“ vorbei. Foto: Karls
Zudem habe man am Standort zunächst verkehrstaugliche Straßenbahnschienen verlegt, auf denen die Wagen anschließend abgesetzt werden konnten. „Ein gewaltiger Aufwand, aber auch ein tolles Abenteuer.“ Noch anspruchsvoller als der Transport war die technische Aufgabe. Im Zentrum habe die Frage gestanden, wie eine Eislaufbahn so zu bauen ist, dass Gäste hier durch eine Straßenbahn hindurchfahren können.
„Da steckt viel mehr Tüftelei dahinter, als wir zunächst angenommen hatten“, sagt Dahl. Dies sei auch der Grund dafür, weshalb Karls die Eröffnung um ein Jahr verschoben hat. Ziel sei, dass das Konzept nicht nur auf dem Papier, sondern auch zuverlässig im Alltag funktioniert.
T Nach Besucherrekord: Neue Attraktion soll in Karls Erlebnisdorf bleiben
Dahl will nostalgische Gefühle entfachen
Der Blick richtet sich nun auf Rövershagen. Am Standort nahe Rostock soll in wenigen Wochen das erste Eis(en)bahn-Depot eröffnen. Es ist die Blaupause für die weiteren Standorte und dient als Vorbild für Loxstedt, aber auch für Döbeln in Sachsen und Elstal bei Berlin.
So sagt es Dahl, der ausdrücklich alle adressiert: Kinder, Erwachsene, Familien, Paare und Großeltern. „Angesprochen ist jeder, der gerne Schlittschuh läuft, ebenso wie alle, die einfach Lust auf ein außergewöhnliches Erlebnis haben.“ Es sei die Kombination aus „nostalgischer Straßenbahn, gemütlicher Scheune und Eislaufbahn“, die eine besondere Atmosphäre schaffe.
Die Eis(en)bahn-Depots sind gleichwohl keine reinen Winterattraktionen. Im Sommer verwandelt Karls die überdachte Eisfläche in eine Fahrfläche für Bumper Cars, also elektrisch betriebene Fahrzeuge im Stile von Autoscootern. Gegeneinanderstoßen ist hier klar gewünscht.
Dahl betont, dass es diese Attraktion bereits seit Kurzem am Standort Oberhausen gibt: „Dort ist die Sache unvorstellbar beliebt“, dürfte dies in Loxstedt wohl kaum anders sein. Für die Straßenbahn selbst fehle allerdings noch eine Idee für die warme Jahreszeit.
Karls expandiert in die USA
Von dem Freizeitpark soll es einen weiteren Ableger geben. Den ersten in den USA. Laut Dahl ist vorgesehen, mit den Bauarbeiten im Frühjahr 2028 fertig zu sein. Unweit der kalifornischen Metropole Los Angeles, wo im Sommer desselben Jahres Sportler bei den Olympischen Spielen um Goldmedaillen kämpfen, entsteht ein neuer Vergnügungspark.
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