TKeine Heizung und kein Wasser: Verzweifelte Mieter in Stade brauchen Hilfe
Heidi Krause lebt seit 23 Jahren in ihrer Wohnung in der Grünendeicher Straße 2. Wasser musste sie zuletzt aus dem Keller in den sechsten Stock schleppen. Foto: Stehr
Heidi Krause und Egon Quednau gehören zu wenigen verbleibenden Mietern eines Hochhauses im Altländer Viertel in Stade. Seit Wochen leben sie dort unter unwürdigen Bedingungen.
Stade. Heidi Krause sitzt mit dicker Jacke im Wohnzimmer ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Grünendeicher Straße. Das Thermometer zeigt 3 Grad Celsius - drinnen wohlgemerkt. Schon seit kurz vor Weihnachten funktioniert ihre Heizung nicht, auch das Wasser ist abgestellt. Betroffen ist der gesamte Wohnblock. Viele Menschen leben hier allerdings nicht mehr.
Noch zehn Mieter leben in dem 40-Parteien-Hochhaus
Heidi Krause ist eine von noch zehn übrig gebliebenen Mietern des 40-Parteien-Hochhauses in der Grünendeicher Straße 2 im Altländer Viertel in Stade. Seit 23 Jahren lebt die 71-Jährige hier, hat sich auf 58 Quadratmetern ihr eigenes kleines Reich liebevoll eingerichtet.

„Wer kann uns helfen?", fragen Egon Quednau und Heidi Krause. Foto: Stehr
„Früher wohnte ich ein Stückchen weiter. Als das Haus abgerissen wurde, bin ich hier gelandet, habe alles selbst renoviert“, sagt die Staderin. Als Fabrikarbeiterin hat sie ihren Lebensunterhalt verdient. Weil ihre Rente nicht reicht, zahlt das Sozialamt ihr die Warmmiete in Höhe von 475 Euro. Warm ist es momentan allerdings nur, wenn Heidi Krause ihren Heizlüfter aufdreht. Zum Duschen geht sie zu einer Bekannten in der Nachbarschaft.
Auch Klingel und Fahrstuhl funktionieren nicht
Heidi Krause ist eigentlich keine, die sich beschwert. Dass die Klingeln an der Eingangstür schon lange defekt sind und es seit zwei Jahren keinen Fahrstuhl mehr gibt, nimmt sie schulterzuckend hin. Viel Besuch von außerhalb bekommt sie ohnehin nicht. Ihre Einkäufe wuchtet sie meist alleine über das Treppenhaus in den sechsten Stock.

Seit zwei Jahren leben die Bewohner in der Grünendeicher Straße 2 schon ohne Fahrstuhl. Foto: Stehr
Dass sie seit Wochen zu Hause friert und weder duschen noch Wäsche waschen kann, sei menschenunwürdig, sagt Heidi Krause. Das sieht auch Egon Quednau so. Der 68-Jährige wohnt seit zehneinhalb Jahren in der Grünendeicher Straße 2. In seiner Zwei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock laufen zwei Heizlüfter auf Hochtouren.

Egon Quednau hat sich zwei Heizlüfter angeschafft, damit er in seiner Wohnung nicht frieren muss. Foto: Stehr
„Strom haben wir zum Glück noch“, sagt der Rentner, der früher als Arbeiter in verschiedenen Jobs tätig war. Auch er erhält nicht genug Rente, um seine Warmmiete aus eigener Tasche bezahlen zu können. Das Sozialamt übernimmt die 663 Euro.
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Zusammen mit Heidi Krause zapft Egon Quednau seit Wochen Wasser von einem Anschluss aus dem Keller ab, um wenigstens die Toilette spülen und sich notdürftig waschen zu können. Warmwasser kommt aus dem Wasserkocher.
Viele Eigentümerwechsel in den vergangenen Jahren
Bis vor einigen Jahren habe es sich noch ganz gut hier leben lassen, sagt Egon Quednau. Doch dann habe es innerhalb von drei oder vier Jahren mehrere Eigentümerwechsel gegeben. Seit Juni 2025 kassiert die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg die Miete in der Grünendeicher Straße 2. Einen Hausmeister gebe es seitdem nicht mehr.

Der Eingang des Hochhauses Grünendeicher Straße 2. Die Klingeln funktionieren nicht. Foto: Stehr
Von heute auf morgen hätten dann plötzlich die Renovierungsarbeiten im Hochhaus begonnen, sagt Egon Quednau. Ohne jegliche Ankündigung. Täglich seien andere Arbeiter im Haus unterwegs, die meisten sprächen kein Deutsch.
„Einige wollten schon in unsere Wohnungen rein und anfangen, die Küche und das Bad rauszureißen. Die habe ich direkt wieder rausgeschmissen und schließe seitdem immer ab“, sagt Heidi Krause.

Von den 40 Parteien in der Grünendeicher Straße 2 sind noch etwa zehn Mieter übrig geblieben. Foto: Stehr
Weder sie noch ihr Nachbar sind grundsätzlich dagegen, dass das Haus renoviert wird. „Der Vermieter muss uns aber doch im Vorwege informieren und uns eine Übergangswohnung anbieten“, sagt Egon Quednau. Die Bauleiterin, die fast täglich vor Ort sei, habe den Mietern noch vor Weihnachten einen Wohncontainer versprochen. Passiert sei seitdem nichts.
„Wir wissen nicht, wo wir hin sollen und wer uns helfen kann“
Auf eigene Faust eine andere – vor allem bezahlbare – Wohnung zu finden, sei nahezu unmöglich. Viele Vermieter schrecken zudem offenbar vor Menschen zurück, die aus dem Altländer Viertel kommen. „Wir wissen nicht, wo wir hin sollen und wer uns helfen kann“, sagt Heidi Krause.
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Egon Quednau hofft, dass ein Anwalt helfen kann. Das Amtsgericht hat ihm einen Antrag auf Beratungshilfe bewilligt. Die unzähligen Anrufe beim Vermieter seien bisher jedenfalls ins Leere gelaufen. Dass der anfangs geschrieben hatte, man hoffe auf ein „gutes, angenehmes Mietverhältnis“, klingt in den Ohren der Mieter wie Hohn.

Die MMK Grundbesitz GbR aus Ahrensburg vermietet die Wohnungen im Hochhaus Grünendeicher Straße 2. Foto: Stehr
Bis auf Weiteres harren Heidi Krause und Egon Quednau nun der Dinge, die da kommen – und sind froh, dass wenigstens der Heizlüfter läuft.
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