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Krebsinitiative

TKrebs holt Familienvater: Wie das Leben für Frau und Tochter weitergeht

Die Gründerinnen von „Abend fürs Leben“: Nicky Emeljanov (links) und Annelies Schnoor.

Die Gründerinnen von „Abend fürs Leben“: Nicky Emeljanov (links) und Annelies Schnoor. Foto: P. Meyer

Nach dem Tod ihres Vaters und Ehemanns gründen Nicky Emeljanov und Annelies Schnoor einen Verein, der Spenden für Krebsinitiativen sammelt. Im April ist erste der Benefizabend.

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Von Pauline Meyer
Donnerstag, 12.03.2026, 18:25 Uhr

Harsefeld. Manchmal verändert ein einziger Moment alles. Für die 22-jährige Nicky Emeljanov und ihre Mutter Annelies Schnoor (48) aus Harsefeld war das die Krebsdiagnose ihres Mannes und Vaters - und der Abschied, der gut ein Jahr später folgte. Aus dieser schweren Zeit heraus haben die beiden Frauen Ende 2025 einen Verein gegründet: Abend fürs Leben. Mit ihm wollen sie Menschen zusammenbringen, über Trauer sprechen und gleichzeitig Spenden für verschiedene Krebsinitiativen sammeln.

Der Verein ist noch jung, doch die Idee des Mutter-Tochter-Duos ist klar: Begegnungen schaffen, Abende organisieren, bei denen gelacht, erinnert und auch über schwere Themen gesprochen werden darf. „Jeder hat schon mal jemanden verloren“, sagt Annelies Schnoor. „Aber wir wollen zeigen: Das Leben geht weiter.“

Diagnose Krebs: Familie Schnoor nutzte jeden Moment

Der Anstoß für das Projekt ist ein persönlicher Schicksalsschlag. Im Frühjahr 2024 ging Annelieses Ehemann und Nickys Vater Basti wegen Rückenschmerzen zum Arzt. Zunächst wurde nichts gefunden. Erst später, als die Schmerzen stärker wurden, entdeckte der Hausarzt bei einer Untersuchung Auffälligkeiten im Darm. Kurz darauf folgte der niederschmetternde Befund: Darmkrebs, bereits mit Metastasen in den Knochen. Die Diagnose lautete: unheilbar.

Halten zusammen: Familie Schnoor/Emeljanov zu Lebzeiten von Vater Basti (rechts).

Halten zusammen: Familie Schnoor/Emeljanov zu Lebzeiten von Vater Basti (rechts). Foto: privat

Nach rund 16 Monaten Krankheit starb Bastian Schnoor 2025 im Alter von 48 Jahren. „Wir haben jede Sekunde miteinander genutzt“, erinnert sich Tochter Nicky Emeljanov. Trotz der Krankheit versuchte die Familie in dieser Zeit bewusst, schöne Erinnerungen zu schaffen. Kleine Ausflüge, kurze Reisen, eine Nacht am Meer: Momente, die geblieben sind. Ihr Vater sei jemand gewesen, der trotz allem gelacht habe, sagt Nicky Emeljanov. Einer, der andere mit seiner positiven Art ansteckte.

Diese Haltung ist auch heute noch spürbar. Rund 400 Menschen kamen zur Beerdigung. Ein Zeichen dafür, wie sehr Basti Schnoor im Ort verwurzelt war. Er spielte Volleyball und Tischtennis, kannte viele Menschen und hinterließ Spuren in ihrem Leben. Genau dieses Gefühl möchten Mutter und Tochter nun weitertragen.

Ein schöner Abend: Veranstaltung im April ist erst der Auftakt

„Man kann gegen die Krankheit selbst nichts tun. Aber man kann für Menschen da sein“, erklären Annelies Schnoor und Nicky Emeljanov. Aus diesem Gedanken heraus wollten die beiden etwas schaffen, das verbindet: einen Verein, der Begegnungen möglich macht und gleichzeitig hilft. Rund 40 Mitglieder unterstützen Abend fürs Leben inzwischen.

Und auch die erste große Veranstaltung steht bevor. Am Freitag, 24. April, laden die Organisatorinnen zu einem Benefizabend in die Schützenhalle Harsefeld ein. Bis zu 300 Gäste können teilnehmen, rund 100 Karten sind bereits verkauft. Der Abend soll leicht und lebendig sein. Es wird Livemusik geben, eine Tombola mit Preisen, eine Fotobox, Eis und später eine Tanzfläche. „Die Leute sollen einen schönen Abend haben“, sagt Annelies Schnoor. „Wir wollen nicht einfach nur um Spenden bitten.“

Gäste erwarten Preise vom HSV und Fritz-Kola

Musikalisch begleitet wird der Abend unter anderem von der Stader Sängerin Inga Wehnert. Neben Musik und Unterhaltung gibt es auch Raum für Informationen. Vor Ort stellt sich unter anderem der Wünschewagen Niedersachsen vor, der schwer kranken Menschen letzte Herzenswünsche erfüllt. Auch die Hospizgruppe Harsefeld wird an dem Abend vertreten sein. Die Einnahmen des Abends sollen an beide Institutionen sowie an die Kinderkrebsstiftung gehen. Auch andere Unterstützer haben ihre Hilfe für das Projekt zugesagt. Für die Tombola haben etwa Fritz-Kola sowie die Fußballvereine Borussia Dortmund, Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach Preise gespendet.

Für Nicky Emeljanov und ihre Mutter Annelies Schnoor ist der Abend nur der Auftakt. Der Verein soll künftig weitere Veranstaltungen organisieren, die Trauernden Begegnungen ermöglichen und gleichzeitig Organisationen unterstützen, die sich mit dem Thema Krebs befassen. Ideen gibt es bereits viele: Flohmärkte, Bingoabende oder Lesungen. Besonders in den Wintermonaten möchten sie kleine Lichtblicke schaffen, etwa durch gemeinsame Bastelaktionen oder Adventsveranstaltungen.

Denn über Trauer werde oft zu wenig gesprochen, finden Schnoor und Emeljanov. Viele Menschen wüssten nicht, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen. „Wir wollen zeigen, dass man mit Trauer leben kann“, sagt Annelies Schnoor. Traurig seien sie ohnehin. „Warum also nicht trotzdem auch das Positive sehen?“

Im Alltag arbeiten Mutter und Tochter gemeinsam bei Edeka und auch im Verein sind sie ein eingespieltes Team. Ihre Kraft ziehen sie aus dem Zusammenhalt und der Erinnerung. „Wenn man so lange jemanden begleitet hat, der trotz Schmerzen immer gelacht hat und positiv geblieben ist, dann lernt man dabei viel“, sagt Annelies Schnoor.

Der Benefizabend beginnt am 24. April um 19 Uhr in der Schützenhalle Harsefeld. Karten gibt es weiterhin über die Website des Vereins unter www.abendfuersleben.de.

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