TKritik an Bahnhofsplan in Buxtehude: Acht Millionen Euro könnten verfallen
So soll der neue Bahnhof von der Nordseite aus aussehen. Foto: Bahnstadt/Stadt Buxtehude
Streit um den neuen Bahnhof in Buxtehude: Die Stadtbaurätin warnt vor der Umsetzung des millionenschweren Projekts, während die Politik vor der entscheidenden Ratssitzung ringt.
Buxtehude. Kippt der Plan für einen neuen Bahnhof in Buxtehude? Stadtbaurätin Michaela Springhorn warnt öffentlich vor der Umsetzung der Vereinbarung zwischen Stadt und Deutscher Bahn.
In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses erklärte sie, ihre Abteilung sei personell überfordert. Zudem zweifelt sie an der Zusammenarbeit mit der Bahn. Sie befürchtet, dass die Abstimmung scheitert und die Bahn das versprochene Empfangsgebäude nicht baut.
Damit widersprach sie Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt (parteilos) und der eigenen Verwaltungsvorlage – und das in Anwesenheit von Inga Schlichting, Leiterin Personalbahnhöfe bei DB Infra GO Norddeutschland. Ein solcher Eklat ist in Buxtehudes jüngerer Geschichte beispiellos.
Sollen acht Millionen Euro verfallen?
Die entscheidende Ratssitzung ist am 5. Oktober. Bisher gab es im Stadtentwicklungsausschuss und im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss Mehrheiten für das Projekt. Doch Springhorns Kritik bringt Bewegung in die Politik.
Einige Fraktionen überdenken ihre Haltung, andere bleiben bei ihrer Linie. Clemens Ultsch (Linke) sagt: „Das war ein mutiger Schritt, der mich zum Umdenken gebracht hat.“ Die Expertise der Verwaltung müsse ernst genommen werden. Er werde nun gegen das Projekt stimmen.
Katharina Mewes (BBG/FWG) sieht sich in ihrer Ablehnung bestätigt: „Es war richtig, dass sie diesen Schritt gewagt hat.“ Das Projekt sei zu teuer und lähme die Stadt über Jahre. Die zugesagte Förderung von über acht Millionen Euro durch die NBank würde sie verfallen lassen. „Ich glaube nicht, dass wir den Zeitplan einhalten können. Dann verfällt ohnehin ein Teil des Zuschusses“, so Mewes.
Die AfD will mehr Barrierefreiheit am Bahnhof
Auch die AfD-Fraktion zeigt sich eher skeptisch. Fraktionsvorsitzende Anke Lindszus sagt, die Aussagen der Stadtbaurätin hätten sie nachdenklich gemacht. Sie fordert, dass die Bürgermeisterin erneut mit der Bahn verhandelt, um doch noch einen Durchstich von der Südseite des Bahnhofs zu erreichen - auch um die Barrierefreiheit zu verbessern. Lindszus kritisiert ebenfalls die Kosten und das Risiko für die Stadt.

Stadtbaurätin Michaela Springhorn (links) ist in Sachen Bahnhof anderer Meinung als Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt. Foto: Wisser
Die CDU ringt weiter mit dem Thema. Bisher enthielten sich ihre Abgeordneten bei Abstimmungen. „Eine Abstellmöglichkeit für ein Fahrrad soll 15.000 Euro kosten – das ist zu teuer“, sagt Fraktionschef Olaf Riesterer. Dennoch gebe es Befürworter in der Fraktion. „Wir werden die Entscheidung freigeben“, kündigt Riesterer an. Es wird also keinen Fraktionszwang geben.
Überraschend zurückhaltend zeigen sich die Grünen, obwohl das Projekt zur Mobilitätswende beitragen könnte. „Wir müssen noch einmal prüfen, ob wir eine Verbindung zur Südseite umsetzen können“, sagt Fraktionssprecherin Bente Rosebrock. Diese Verbindung war ursprünglich geplant, verschwand jedoch im Laufe der jahrelangen Planungen – unbemerkt von der Politik. Es ist daher möglich, dass nicht alle Grünen-Abgeordneten am 5. Oktober mit Ja stimmen.
FDP und SPD wollen den neuen Buxtehuder Bahnhof
Klarer positioniert sich die FDP. „Wir stehen weiterhin hinter dem neuen Bahnhof. Das ist eine große Chance für Buxtehude“, sagt Fraktionschef Sven-Michael Hübner.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sven-Michael Hübner. Foto: Wisser
Er erinnert an die Tausenden Pendler, die den Bahnhof täglich nutzen.
T Historische Chance für Buxtehude: Neuer Bahnhof und Fahrradparkhaus
Uneingeschränkt für das Projekt bleibt die SPD, die gemeinsam mit der CDU die größte Fraktion stellt. „Wir kennen die Risiken. Die Verwaltung hat uns stets transparent informiert“, sagt SPD-Fraktionschef Nick Freudenthal. Die Förderung und die Investition der Deutschen Bahn von fast 20 Millionen Euro dürfe man nicht ungenutzt lassen.
So soll der neue Bahnhof in Buxtehude aussehen
Das ist geplant: Die Stadt will ein Fahrradparkhaus mit 750 Stellplätzen bauen und den Bahnhofsvorplatz neu gestalten. Dafür wird das historische Bahnhofsgebäude abgerissen. Nach Fertigstellung des Parkhauses plant die DB ein Empfangsgebäude nahe der Bahnhofstraße. Dafür müssen das Türmchen mit Kiosk und Imbiss sowie die jetzige Fahrradabstellanlage weichen.
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Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro. Die Stadt trägt knapp 11 Millionen Euro für das Fahrradparkhaus. Die NBank fördert es mit über 8 Millionen Euro. Der städtische Anteil für das Parkhaus beträgt 2,7 Millionen Euro. Es muss bis Ende 2030 fertig sein. Das verlangt die NBank. Die Deutsche Bahn investiert 17,7 Millionen Euro.

So soll der neue Bahnhof von der Nordseite aus aussehen. Foto: Bahnstadt/Stadt Buxtehude

Stadtbaurätin Michaela Springhorn. Foto: Wisser
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