T„Langweilig wird mir nie“: Aus dem Alltag eines Stader Parkwächters
Thomas Schulz ist seit 2013 Parkwächter in Stade. Neben ihm gibt es noch drei andere Parkwächter, die für die Parkhäuser Wallstraße, Am Sande und am Bahnhof zuständig sind. Foto: Stehr
Wer glaubt, dass Parkwächter nur auf Bildschirme starren, wird von Thomas Schulz eines Besseren belehrt. Sein Job ist abwechslungsreich, aber auch einsam - vor allem abends.
Stade. 21 Uhr in Stade. Das Parkhaus in der Wallstraße ist noch eine Stunde lang geöffnet. Die Schicht von Parkwächter Thomas Schulz neigt sich dem Ende entgegen. Von insgesamt 537 Plätzen sind noch 37 belegt, darunter viele Dauerparker, die ihr Auto über Nacht im Parkhaus stehen lassen. Wird es heute noch Ärger geben oder bleibt es ruhig, bis um 22 Uhr das große Tor herunterfährt?
Schichtdienst von kurz vor sechs bis kurz nach 22 Uhr
Thomas Schulz ist einer von vier Parkwächtern, die im Auftrag der Stader Versorgungs- und Bädergesellschaft (SVBG) für das Parkhaus in der Wallstraße, die Parkpalette am Bahnhof und die Tiefgarage Am Sande zuständig sind. Sie arbeiten werktags im Schichtdienst von 5.45 bis 22.15 Uhr und helfen bei Problemen mit den Kassenautomaten, sorgen für Verkehrssicherheit und Sauberkeit und stellen Dauerkarten aus. Klingt langweilig?
„Langweilig wird mir nie, weil immer was zu tun ist“, sagt der 61-Jährige. Momentan ist es allerdings vergleichsweise ruhig. Wie meistens um diese Zeit - die Lieblingszeit von Thomas Schulz, wenn meistens nur noch ein paar bürokratische Arbeiten zu erledigen sind.
Der Parkwächter sitzt entspannt in seinem Büro mit Blick auf die zwei Ein- und Ausfahrten. Auf zwei von vier Bildschirmen kann er beobachten, was auf den 14 Parkebenen passiert. Auf dem Schreibtisch neben ihm steht eine kleine Flasche Cola. Die gönnt er sich manchmal abends. Zu seinem kleinen Reich gehören auch eine schmale Küche und ein größerer WC-Raum.

Parkwächter Thomas Schulz kann von seinem Platz im Büro genau sehen, was auf den insgesamt 14 Ebenen passiert. Foto: Stehr
Gerade ist es 21.15 Uhr. Zwei Frauen stehen an einem der sechs Automaten und unterhalten sich, während die eine ihr Ticket bezahlt. Im Hintergrund warten zwei Männer mit Koffern an einem Auto. Kurz darauf fährt die Gruppe an Thomas Schulz vorbei nach draußen.
T Parkdecks gesperrt: Das wird an der Parkpalette am Stader Bahnhof gemacht
Der Parkhauswächter trägt eine neongelbe Jacke, damit er gut zu erkennen ist. Und bequeme Schuhe. Die braucht er, weil er pro Schicht um die 25 Kilometer zurücklegt, er wechselt auch zwischen den Parkhäusern. „Wer glaubt, dass wir nur auf Bildschirme starren, irrt gewaltig“, sagt Schulz.

Im sogenannten „Gatter“ steht ein Schrank mit wichtigen Arbeitsutensilien. Unter anderem werden hier Müllgreifer und Putztücher gelagert. Foto: Stehr
Er und seine Kollegen halten die Parkhäuser sauber. Mit Kehrmaschinen, Müllpickern, Putzlappen, Schaufel und Besen arbeiten sie sich tagsüber von oben nach unten vor. Wenn in der Stadt gefeiert wird, zum Beispiel beim Altstadtfest, liege am meisten Müll herum. Dann bleiben auch die Parkhäuser - und die Parkwächter - bis in die Nacht auf.

Thomas Schulz reinigt regelmäßig den Ticketautomaten an der Einfahrt. Foto: Stehr
Sauber halten müssen Thomas Schulz und seine Kollegen auch die Ticketautomaten. Die werden alle zwei bis drei Wochen aufgeschraubt und von Schmutz befreit. Die Rolle mit 4500 Tickets muss öfter gewechselt werden - ungefähr alle fünf Tage. Das macht 900 Tickets, die täglich gezogen werden.
Aggressives Verhalten nimmt zu
Inzwischen ist es 21.30 Uhr. Ein Mann und ein Jugendlicher zahlen am Automaten neben dem Parkwächterbüro. Fast zeitgleich öffnet sich die Ausfahrtsschranke für ein jüngeres Pärchen mit auswärtigem Kennzeichen. Auf der Rückbank liegen große Koffer. Beide winken fröhlich in Richtung Parkwächterbüro. Die Menschen seien aber nicht immer nett zu ihm, sagt Thomas Schulz.

Das Parkwächterbüro. Hier verbringt Thomas Schulz die Zeit zwischen seinen Rundgängen. Es gibt dort auch eine kleine Küche und eine Toilette. Foto: Stehr
Aggressives Verhalten und Beschimpfungen gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Besonders schlimm sei es zu den Stoßzeiten morgens gegen 10 Uhr oder an den Markttagen mittwochs und samstags. Dann muss Thomas Schulz oft bei Hupkonzerten den Verkehr regeln.

Gegen 21 Uhr stehen noch 37 Fahrzeuge im Parkhaus an der Wallstraße, die meisten sind Dauerparker und stehen auf den Privatparkplätzen. Foto: Stehr
„Viele kommen mit dem Parkhaus nicht klar, weil es Gegenverkehr gibt. Wir haben hier Großstadtniveau“, sagt der Parkwächter. Täglich komme es zu brenzligen Situationen, manchmal auch zu kleinen Unfällen. Die Polizei wertet dann die Bänder der Videoüberwachung aus.
Auch das Einparken falle manchen schwer. Wenn er darauf hinweise, dass bitte nicht zwei Plätze blockiert werden sollen, seien nicht alle einsichtig. „Einige bedanken sich aber auch bei mir, wenn ich ihnen helfe“, sagt Thomas Schulz.
Ein früherer Job hat ihn krank gemacht
Er macht den Job seit 2013. Gelernt hat er Einzelhandelskaufmann, erzählt er. Später sei er selbstständig mit einem Transport- und Kurierunternehmen gewesen und arbeitete bei einer Abschleppfirma. Über eine Personalvermittlungsfirma bekam er danach einen Job, in dem er im Akkord und auch nachts arbeiten musste.

Thomas Schulz hat Feierabend und schaltet die Rufumleitung aus. Foto: Stehr
„Die Arbeit hat mich krank gemacht, seitdem bin ich fast komplett gehörlos“, sagt Thomas Schulz. Deshalb sei es schwer gewesen, überhaupt wieder einen Job zu finden. Bevor er Parkwächter wurde, habe er mehr als 550 Initiativbewerbungen geschrieben.

Dieses Kettcar hat eine Sonderparkgenehmigung im Parkhaus Wallstraße. Eigentlich dürfen hier nämlich nur Fahrräder stehen. Weil die Fahrradständer so gut angenommen werden, soll es bald noch mehr geben. Foto: Stehr
Seine Arbeit gefällt ihm - obwohl der Job auch tagsüber oft einsam sei. Schließlich gibt es keine Kollegen, mit denen sich Schulz während seiner Schicht mal eben auf einen Klönschnack treffen kann.
Ärger mit Autoposern und E-Rollerfahrern
Um 21.35 Uhr fährt noch eine junge Frau ins Parkhaus. Sie hat keine Dauerparkkarte, sondern zieht ein Ticket. Das bedeutet: Wenn sie es nicht bis 22 Uhr wieder herausschafft, muss sie 30 Euro Extra-Gebühr bezahlen. Eingeschlossen werde aber niemand, versichert Schulz. Das Tor fährt auch nach 22 Uhr noch hoch. An den Automaten gibt es zudem Notrufknöpfe.

Thomas Schulz legt bei der Arbeit täglich bis zu 25 Kilometer zurück, sagt er. Kurz vor Feierabend muss er noch vier Türen abschließen. Foto: Stehr
Den Notruf, bzw. die Polizei muss auch Thomas Schulz manchmal rufen. Zum Beispiel, wenn Jugendliche in den Treppenhäusern herumlungern, Autoposer durchs Parkhaus brettern oder E-Rollerfahrer im Affenzahn von Ebene zu Ebene sausen. „Meistens reicht es aber, wenn ich eine Ansage mache, ich kenne meine Pappenheimer“, sagt der Parkwächter.
Wenn man vom Teufel spricht. Drei Jugendliche stehen um 21.45 Uhr in der Nähe eines Automaten, verschwinden aber schnell wieder. Kurz darauf verlässt die junge Frau mit ihrem Auto das Parkhaus. Gerade noch rechtzeitig. Bezahlen musste sie nichts. Die ersten 15 Minuten sind kostenlos. Der Tagessatz beträgt fünf Euro.

Um 22.15 Uhr endet die Schicht von Parkwächter Thomas Schulz. Er schließt dann alle Parkhaus-Türen ab - und kontrolliert gerne nochmal doppelt, ob wirklich alles dicht ist. Foto: Stehr
Pünktlich um 22 Uhr rollt das Gittertor automatisch herunter, um sechs Uhr wieder hoch. Wenn die Technik versagt, lässt es sich manuell per Kurbel bedienen. „Das ist anstrengend und dauert 20 Minuten“, sagt Thomas Schulz.

Thomas Schulz kennt Stades Parkhäuser wie seine Westentasche. Er selbst fährt allerdings ungern Auto, sondern nimmt lieber das Fahrrad. Während der Arbeit stellt er es im „Gatter“ ab. Foto: Stehr
Er ist froh, dass es heute keine Zwischenfälle gab und macht sich auf den Weg, um die Türen auf der Pferdemarktseite des Parkhauses abzuschließen. Er kontrolliert immer doppelt. Das sei so seine Art. Dauerparker kommen über einen Code weiterhin rein.

Feierabend: um 22 Uhr fährt das Parkhaustor automatisch runter. Nur noch Dauerparker kommen jetzt rein. Thomas Schulz holt nun sein Rad und schließt danach die letzte Tür ab.
Dann holt Thomas Schulz sein Fahrrad. Auto fahre er ungern, weil die Leute im Verkehr immer hektischer werden, sagt er, während er noch zwei Türen an der Wallstraße abschließt. Um 22.15 Uhr radelt der Parkwächter in den Feierabend.
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