TLupen und Mini-Artisten: Der letzte Flohzirkus Europas in Himmelpforten
Ein Floh dreht das Karussell. Foto: Uli Benz
Robert Birk ist Zirkusdirektor. Genauer: Flohzirkus-Direktor. Seine Artisten zeigen beinah Unglaubliches - sonst auf dem Oktoberfest, jetzt in Himmelpforten.
Himmelpforten. Robert Birk ist vielleicht in ganz Europa der einzige Mensch, der tagelang Flöhe auf dem nackten Arm duldet, ohne angewidert draufzuschlagen. Im Gegenteil - er umsorgt sie nach allen Regeln der Flohdompteurskunst.
Unglaubliches Sprungvermögen
Von seiner Insekten-Garde spricht er mit größtem Wohlwollen. „Ja, mei“, sagt der Zirkusdirektor aus Bayern. Schließlich leisten Flöhe, im Verhältnis zu ihrer Größe, beinah Unglaubliches. Ihre Kraft und ihr Sprungvermögen sind im Tierreich fast unerreicht.
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Flöhe können bis zu 30 Zentimeter hoch und einen halben Meter weit springen. Eine gigantische Leistung bei einer Größe von drei Millimetern. In seinem Flohzirkus setzt Robert Birk nur weibliche Flöhe ein. „Die sind größer und stärker“, sagt er. Und sie sind überhaupt groß genug, um sie anbinden zu können. Ohne geht es nicht. Zirkusflöhe schätzen die künstlerische Freiheit, ins Dunkle zu kommen - ein Hüpfer, und sie sind verschwunden.
Freundschaft führt den Flohzirkusdirektor in den Norden
Wie verschlägt es Birk und seine sprungkräftige Gruppe nach Himmelpforten? „Des is a ganz a nette Gschichte mit dem Himmelpforten“, sagt Birk. Gerade gastiert er in Bochum - und eine Freundschaft führt ihn danach weiter in den Norden nach Burweg und dadurch zum Gastspiel in Himmelpforten.
Am Dienstag, 17. Februar, lässt Direktor Birk seine tierischen Artisten ab 15 Uhr im Heimat- und Schulmuseum auftreten. Der Eintritt ist frei. Davor wird es ab 14 Uhr noch einen Mini-Markt mit Karussell geben, um die Wartezeit zu verkürzen.

Zum ersten Mal im Norden: Der Flohzirkus Birk ist sonst auf dem Oktoberfest anzutreffen. Foto: Flohzirkus Birk
Die Anzahl der Zuschauer vor der Bühne ist begrenzt. Eine Vorstellung dauert etwa 15 Minuten. Kinder sitzen in der ersten Reihe. Die Manege mit Mini-Stadt und Fußballfeld ist nicht größer als ein sehr großer Schuhkarton. Laute Musik und ein großes Spektakel? Nicht im Flohzirkus. Stattdessen gibt es Lupen und Konzentration.
Aufführungen vor Kaiser und Königin
Der Flohzirkus Birk ist nach eigenen Angaben der Letzte seiner Art in Europa. Er gehört zum festen Stamm der Oktoberfest-Schausteller. Ein nostalgischer Wiesn-Klassiker.

Der Flohzirkus auf dem Oktoberfest vor etwa 15 Jahren. Noch immer gehört er zum festen Wiesn-Programm. Foto: Uli Benz
Als Roloff Otava ihn 1843 gründete, entzückten die dressierten Flöhe vom Knecht bis zum Adeligen das Publikum. Otava soll Sondervorstellungen in London bei Queen Victoria, bei Papst Leo XIII. im Vatikan, im Sultanspalast, bei Kaiser Franz Josef und für Wilhelm II. gegeben haben. Seither hat sich am Programm nicht so viel geändert.
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Die Flöhe ziehen eine klitzekleine Kutsche, schießen Bälle ab oder tanzen.
„Flöhe dressiert man - wie alle anderen Tiere auch - mit Zuckerbrot und Peitsche“, sagt Flohdompteur Birk. Er greift zu Pinzette und Lupe, um die Flöhe anzuleinen.

Robert Birk beim Anleinen eines Flohs. Foto: Flohzirkus Birk
„Meine Flöhe bekommen wie Hunde ein Halsband, damit sie nicht abhauen können“, sagt Birk. Er schiebt dabei deren Kopf durch die Fadenschlaufe. Die Flohdamen würden dabei nicht verletzt. Ihr Chininpanzer schütze sie.
Unterschiedliche Flohtalente
Um sie anzutreiben, stupst Birk sie mit der Pinzette an. Für die Kunststücke nutzt er das jeweilige Talent. Einige sind Springer, andere Läufer. Erstere zeigen später Torschüsse, andere starten beim Wagenrennen.

Ein Floh als Torschütze. Foto: Benz Uli

Flöhe gehören gemessen an ihrer Winzigkeit zu den Stärksten im Tierreich. Foto: Benz Uli
Die Belohnung ist simpel. Flöhe lieben die Dunkelheit. Sie müssen auf der hellen Bühne ihre Aufgabe so lange versuchen, bis es klappt. Dann dürfen sie zurück ins Dunkle. „Und irgendwann ist der Floh konditioniert und weiß, wenn er es schnell richtig macht, dann kommt er schnell wieder ins Dunkle“ sagt der Flohhüter.
Plötzlich Flohdompteur
Die Flohdressur hat er von seinen Vorgängern im Minizirkus-Geschäft gelernt. Familie Mathes war seit 1948 mit dem Flohzirkus auf dem Oktoberfest. Birk besuchte den Zirkus 1983 dort zum ersten Mal.
„Flohzirkus? Ich dachte, das ist so was wie Pantomime oder Zauberei.“ Aber als ein Mitarbeiter von Mathes ausfiel, rutschte Birk prompt als Ersatz ins Flohmetier - und führte plötzlich durch die Show. 2005 hat er den Flohzirkus übernommen.

So sind die Flöhe in der Schlaufe angebunden. Foto: Benz Uli
Kaum einer lässt seither Flöhe so nah an sich heran wie Robert Birk. Er setzt sie sich zum Füttern auf den Arm. Dass die Flöhe sich von seinem Blut ernähren, juckt ihn nicht. „Den Einstich selber merkt man eigentlich nicht.“

Fütterungszeit auf Birks Arm: Die Floh-Garde stärkt sich vor dem Auftritt. Foto: Flohzirkus Birk
Die ganze Floh-Garde wird vor Arbeitsbeginn etwa eine Stunde lang gefüttert. „Der Floh kann dann zwei bis drei Stunden arbeiten, danach muss er wieder auf den Arm.“ Tagsüber sitzt damit fast immer irgendwo ein Floh auf Birks Haut, angebunden natürlich, „sonst ist der weg“.
Genehmigung vom Veterinäramt
Kritik von Tierschützern gab und gibt es auch am Flohzirkus. Aber auch Stimmen, die dagegenhalten. Flöhe würden ansonsten doch auch nur zu Tode geklatscht oder mit der Chemiekeule erledigt, sobald sie im Fell von Haustieren auftauchen. Birk hat eine Genehmigung vom Veterinäramt
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Robert Birk ist zu Gast in Burweg - und gibt mit seinem Flohzirkus Vorstellungen im Heimat- und Schulmuseum Himmelpforten. Foto: Floh-Zirkus Birk
Gibt der Flohzirkus ein Gastspiel, bleiben die Flöhe für die Dauer dieses Engagements. „Danach binde ich sie ab“, sagt Birk. Er lässt sie zu Hause frei. „Die Flöhe hüpfen garantiert auf irgendein Viech drauf“ - mit einem gigantischen Sprung ins Dunkle.
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