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St. Petri

TMissbrauch: Bericht enthüllt Versagen der Buxtehuder Kirche bei Vorfällen

Die Kirchengemeinde St. Petri in Buxtehude ringt um die Aufarbeitung von Kindeswohlgefährdungen bei Jugendfreizeitfahrten. Es geht um 30 Jahre.

Die Kirchengemeinde St. Petri in Buxtehude ringt um die Aufarbeitung von Kindeswohlgefährdungen bei Jugendfreizeitfahrten. Es geht um 30 Jahre. Foto: Wisser

Welche Rolle spielte die St. Petri Kirchengemeinde bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bei Ferienfreizeiten? Offenbar keine gute. Die Wortwahl des Mediators macht betroffen.

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Von Karsten Wisser
Dienstag, 20.01.2026, 05:45 Uhr

Buxtehude. Der Skandal erschütterte die evangelische St. Petri Kirchengemeinde in Buxtehude in ihren Grundfesten: Bei Jugendfreizeiten soll Gewalt an der Tagesordnung gewesen sein. Ein zweiköpfiges Leitungsteam steht in der Kritik. Über Jahrzehnte herrschte dort eine Atmosphäre von Druck, Kontrolle und Angst.

Beschämt, kleingemacht und ausgeschlossen

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen fühlten sich beschämt, kleingemacht, ausgeschlossen oder systematisch abgewertet. Das belegt ein von der Kirchengemeinde in Auftrag gegebener Bericht. In den 1980er Jahren kam es wie berichtet zu einem mehrjährigen sexuellen Missbrauch. Die Beschuldigte ist inzwischen verstorben.

Der Jurist und Mediator Wolf-Peter Groß führte die Gespräche mit den Betroffenen und den Verantwortungsträgern des Kirchenskandals in Buxtehude.

Der Jurist und Mediator Wolf-Peter Groß führte die Gespräche mit den Betroffenen und den Verantwortungsträgern des Kirchenskandals in Buxtehude. Foto: Wisser

Ein Bericht des Juristen und Mediators Wolf-Peter Groß beleuchtet die Vorwürfe und die Reaktion von Pfarramt und Kirchenvorstand. Er kommt zu dem Schluss, dass die Gemeinde lange beim Umgang mit den Vorfällen versagt hat. Nach einem positiven Nachruf auf die Verstorbene meldeten sich Betroffene und deren Eltern beim TAGEBLATT.

2020 wurden polizeiliche Ermittlungen eingestellt

Die Fälle wurden Anfang 2024 öffentlich. Doch schon vorher gab es Versuche der Aufarbeitung. 2009 und 2013 beteiligten sich mehrere haupt- und ehrenamtliche Personen an Gesprächen - ohne Ergebnis. 2020 erstattete eine Betroffene erneut Anzeige, doch die Ermittlungen wurden eingestellt.

Groß beschreibt eine Haltung der Relativierung und Normalisierung, des Infragestellens und der Abwehr. „Das Grenzüberschreitende der Vorkommnisse wird kaum gesehen“, so Groß. Besonders ältere Personen verwiesen auf eigene Erziehungsmethoden und machten diese zum Maßstab.

Angst vor Imageschaden steht im Vordergrund

„Eine Distanzierung vom Verhalten der Betreuungspersonen ist kaum erkennbar. Das Geschehen wird in Zweifel gezogen“, so Groß. Das Bedauern über Reputationsschäden in den eigenen Reihen stehe im Vordergrund. Priorität habe das institutionelle Ansehen, nicht die Perspektive der Betroffenen.

„Es überwiegt eine Haltung der Vermeidung und Abwehr statt der Übernahme von Verantwortung“, sagt Groß. Der Bericht basiert auf 30 Interviews mit Betroffenen und Verantwortlichen sowie Dokumenten von 2009 bis 2025.

Beschuldigte beteiligt sich nicht an Aufarbeitung

Das noch lebende Teamleitungsmitglied wollte sich nicht am Bericht beteiligen. Bereits 2013 wies die Person die Vorwürfe zurück, wie ein vertrauliches Protokoll festhält. Die Befragten schätzen die Jugendarbeit des Teams hoch ein. „Geschätzt wird die professionelle, sorgfältige und engagierte Vorbereitung und Durchführung der Freizeiten“, so der Bericht.

2024 reagierte die Kirche besser, aber nicht gut. Der Bericht spricht von zögerlichem Verhalten. Die Kirche zeigte Bedauern, „scheiterte aber mehrfach daran, eine unabhängige Aufarbeitung strukturell abzusichern und konsequent aus der Perspektive der Betroffenen zu gestalten“, so Groß.

Kirchliche Fachstellen sind primär auf sexualisierte Gewalt ausgerichtet. Psychische und physische Gewalt fielen 2024 in eine strukturelle Lücke, was zu einem tiefen Vertrauensverlust der Betroffenen führte.

Zu einer sicheren Gemeinschaft wachsen

„Die St. Petri Kirchengemeinde Buxtehude ist heute besser aufgestellt als in der Vergangenheit“, sagt Wolf-Peter Groß. Sie könne Veränderung und Entwicklung aktiv fördern, Räume für Anerkennung und Dialog öffnen und so zu einer sicheren und sensiblen Gemeinschaft wachsen. Mit dem gemeinsamen Schutzkonzept der Kirchenkreise Buxtehude und Stade von 2024 erfolgte eine Weiterentwicklung des Schutzkonzepts von 2019.

Der Bericht wird den Gemeindemitgliedern am 12. Februar, 19 Uhr, im Gemeindehaus der Kirchengemeinde am Dietrich-Bonhoeffer-Platz 3 vorgestellt. Er ist öffentlich und kann im Kirchenbüro der St.-Petri-Gemeinde (Hansestraße 1) eingesehen werden. Er steht als Download unter www.st-petri-buxtehude.de bereit.

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