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TMit 18 Jahren der jüngste Busfahrer der Wesermarsch

Kennet Hoppstock ist der jüngste Busfahrer der Wesermarsch. Für den 18-Jährigen kam nie ein anderer Job infrage.

Kennet Hoppstock ist der jüngste Busfahrer der Wesermarsch. Für den 18-Jährigen kam nie ein anderer Job infrage. Foto: Glückselig

Als Sechsjähriger stand Kennet Hoppstock im Büro des Geschäftsführers der Verkehrsbetriebe und sagte: „Ich möchte gerne Busfahrer werden.“ Nun ist der junge Mann in seinem Traumjob angekommen. Wie ging das?

Von Detlef Glückselig Sonntag, 22.02.2026, 07:55 Uhr

Nordenham. Das passt nicht. Das passt im Leben nicht! Das… Es passt. Sicher steuert Kennet Hoppstock den 280.000 Euro teuren, nagelneuen Linienbus um die enge Kurve, souverän vorbei an den auf der Gegenfahrbahn vor der roten Ampel wartenden Autos. Der 18-Jährige weiß, was er tut. Schließlich ist er in Bussen quasi aufgewachsen.

Kennet Hoppstock absolviert zurzeit bei den Verkehrsbetrieben Wesermarsch (VBW) in Nordenham eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Vom Abschluss ist er zwar noch ein gutes Jahr entfernt. Aber der junge Mann aus Brake darf schon jetzt die großen Linienbusse der VBW steuern. Ein anderer Job ist für ihn nie infrage gekommen. Und jetzt ist er der jüngste Busfahrer der Wesermarsch.

Vor zwölf Jahren stand ein Sechsjähriger im Büro des Geschäftsführers der Verkehrsbetriebe. „Herr Jung, ich möchte gerne Busfahrer werden“, sagt er. Andreas Jung überreichte dem Jungen damals einen Aufnäher mit dem Schriftzug der Verkehrsbetriebe, den seine Mutter auf ein blaues Hemd nähte. Das Hemd existiert noch heute, der Aufnäher ist im Laufe der Jahre abhandengekommen. Aber Kennet Hoppstock - er war der Sechsjährige, der damals ins Büro von Andreas Jung gestiefelt kam - braucht ihn auch nicht mehr. Inzwischen trägt er das VBW-Logo auf seinem Hemdkragen - Dienstkleidung.

Wie der Vater, so der Sohn: Busfahren ist bei Hoppstocks Familiensache

Warum weiß jemand schon als Sechsjähriger, dass er eines Tages Busfahrer werden möchte? Die Frage ist schnell beantwortet: Kennet Hoppstocks Vater Jörg Hoppstock ist seit 2011 Busfahrer in Diensten der Verkehrsbetriebe. Und er hat seinen Sohn bei etlichen Dienstfahrten mitgenommen. So kam der Junior auf den Geschmack - und konnte sich nie vorstellen, etwas anderes zu machen, als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Seinen Pkw-Führerschein hatte Kennet Hoppstock schon in der Tasche, da war er noch nicht mal 18. Er bekam ihn am 19. Februar 2025 ausgehändigt, knapp ein halbes Jahr nach seinem 17. Geburtstag. Privat fährt der Braker einen weißen Opel Corsa, Baujahr 2008. Die Fahrzeuge, mit denen er inzwischen so sicher hantiert, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht, sind mehr als dreimal so lang. „Man gewöhnt sich schnell an die Dimensionen“, sagt Kennet Hoppstock, „irgendwann ist das Routine“.

Busführerschein zusammen mit dem Chef gemacht

Wo andere erst einmal Fahrpraxis sammeln, ging der junge Braker, kaum dass er den regulären Führerschein in der Tasche hatte, gleich noch einmal in die Fahrschule, um seinen Busführerschein zu machen. Seite an Seite mit seinem Chef übrigens. Als Geschäftsführer eines Verkehrsbetriebes muss man nicht notwendigerweise selbst Busse steuern können. Andreas Jung machte den Busführerschein trotzdem - um einspringen zu dürfen, wenn Not am Mann ist, oder auch einfach nur mal auf dem Betriebshof einen der 24 Busse, die die VBW im Bestand hat, umparken zu können.

Kennet Hoppstock im Gespräch mit seinem Chef Andreas Jung. Die beiden haben zusammen den Busführerschein gemacht.

Kennet Hoppstock im Gespräch mit seinem Chef Andreas Jung. Die beiden haben zusammen den Busführerschein gemacht. Foto: Glückselig

Und so kam es, dass der Azubi und der Chef etliche Fahrstunden gemeinsam absolvierten. Wer ist inzwischen der bessere Busfahrer unter den beiden? Andreas Jung zeigt auf Kennet Hoppstock. „Ganz klar, er ist der Bessere.“ Der 18-Jährige hat einfach schon mehr Erfahrung sammeln können, kennt längst alle Routen in Nordenham und Butjadingen wie seine Westentasche und weiß genau, an welchen Stellen man einen größeren Bogen fahren sollte, um die Kurve zu kriegen, ohne ein Verkehrsschild oder eine Straßenlaterne mitzunehmen.

Kennet Hoppstock: Für mich ist das ein Stück Freiheit

Kennet Hoppstock muss als Azubi regelmäßig nach Oldenburg in die Berufsschule. Viel lieber aber sind ihm die Zeiten, in denen er einen Kollegen hinterm Lenkrad vertreten darf oder regulär im Liniendienst eingesetzt ist. Was ist für den 18-Jährigen, der in seinem Traumjob angekommen ist, das Tolle am Busfahren?

„Für mich ist das ein Stück Freiheit“, sagt Kennet Hoppstock, „und mir macht auch der Umgang mit den Menschen Spaß“. Die meisten Fahrgäste seien nett, erzählt er. Aber manchmal ist auch ein Machtwort notwendig - zum Beispiel, wenn Kinder im Schulbus Rabatz machen oder sich Fahrgäste nicht an die Anweisungen des Busfahrers halten wollen.

Als jetzt Schnee und Eis auf den Straßen lagen und es entsprechend glatt war, wollte ein Fahrgast partout Kennet Hoppstocks Aufforderung nicht nachkommen, sich hinzusetzen. Der junge Mann fuhr selbstbewusst rechts ran, stoppte den Bus, kletterte hinter seinem Lenkrad hervor und machte dem Fahrgast eine deutliche Ansage. Den Rest der Fahrt verbrachte der Passagier im Sitzen.

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