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T„Mode ist emotional“: So trotzen Stader Einzelhändler dem Trend

„Wenn die Kundinnen glücklich aus dem Geschäft gehen, spornt mich das an", sagt Gesa Ciolek-Köhler vom Modehaus Sander.

„Wenn die Kundinnen glücklich aus dem Geschäft gehen, spornt mich das an", sagt Gesa Ciolek-Köhler vom Modehaus Sander. Foto: privat

Dem stationären Handel droht der Exitus, warnt der BTE Handelsverband. In der Stader Innenstadt zeigen sich zwei alteingesessene Händler dagegen wenig besorgt. Warum?

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Von Lena Stehr
Freitag, 20.02.2026, 17:30 Uhr

Stade. Dienstagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Eine Mitarbeiterin des Modehauses Peters schließt das Geschäft auf, die erste Kundin wartet bereits vor der Tür. Mit einem Lächeln wird sie in Empfang genommen.

Menschen wünschen sich ein Einkaufserlebnis

„Auf diese persönliche Ansprache kommt es an. Mode ist emotional. Und bei uns bedienen kompetente Mitarbeiter die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden mithilfe eines großen Sortiments. Das kann kein Onlinehändler“, sagt Geschäftsinhaber Uli Lennartz. Zu ihm kommen die Menschen, weil sie sich ein Einkaufserlebnis wünschen, sich austauschen und gut fühlen möchten - und weil sie sich Empfehlungen wünschen, ist Lennartz überzeugt. Für sein Modehaus spricht er von einer „auffallend guten Entwicklung“.

„Es gibt Möglichkeiten, gegen den Onlinehandel zu bestehen", sagt Uli Lennartz vom Modehaus Peters.

„Es gibt Möglichkeiten, gegen den Onlinehandel zu bestehen", sagt Uli Lennartz vom Modehaus Peters. Foto: Stehr

Der Trend geht allerdings in eine andere Richtung. Der Verkauf von Mode und Accessoires hat sich stark ins Internet verlagert. Mehr als 40 Prozent der Umsätze entfallen auf den Onlinehandel. Der Präsident des Handelsverbands Textil Schuhe und Lederwaren (BTE) spricht deshalb von einer dramatischen Lage und warnt auch angesichts sparsamer Kunden und der zunehmenden Konkurrenz durch asiatische Händler vor einem Exitus der Modebranche.

Zahl der Bekleidungshändler schrumpft kontinuierlich

Die Zahl der Bekleidungshändler schrumpft kontinuierlich. 2010 gab es bundesweit noch knapp 22.900 Unternehmen, 2025 waren es nur noch gut 12.000. Auch in Stade schlossen viele Modegeschäfte, darunter zum Beispiel Bardenhagen, Wilhelmi und Leffers. Im vergangenen Jahr waren es das Modehaus Brokelmann in der Hökerstraße und das Männergeschäft von Sander Moden in der Sattelmacherstraße.

Seit 1911 gibt es das Modehaus Peters an der Sattelmacherstraße/Ecke Pferdemarkt.

Seit 1911 gibt es das Modehaus Peters an der Sattelmacherstraße/Ecke Pferdemarkt. Foto: Stehr

„Wenn ein Händler weggeht, ist das immer ein Verlust für alle, Vielfalt ist wichtig in der Innenstadt“, sagt Uli Lennartz. Sein Modehaus Peters gibt es bereits seit 1911 in Stade. Eugen Peters, der Großvater von Uli Lennartz, eröffnete das Geschäft damals mit seiner Frau und seinem Bruder Wilhelm in dem Eckhaus, das von Eugen und Wilhelm Peters‘ Vater selbst gebaut wurde.

Früher war das Sortiment deutlich größer, es wurden sogar noch Betten befüllt. Seit 2018 gibt es im Modehaus Peters keine Kinderabteilung mehr, die Wäscheabteilung wurde 2023 aufgegeben. Vor allem das Wäschegeschäft sei extrem beratungsintensiv gewesen - bei zu geringen Umsätzen, sagt Uli Lennartz. In der Kinderabteilung hätten zum Schluss hauptsächlich Großeltern eingekauft. Die jungen Mütter shoppen wohl lieber bei den großen Filialisten.

Die Zielgruppe sind 50- bis 70-jährige Kunden

„Wir haben uns deshalb auf Männer- und Frauenmode spezialisiert und fokussieren uns auf 50- bis 70-Jährige“, sagt der Modehaus-Chef. Er setzt zudem auf Kooperationen mit regionalen Anbietern wie der Nordik-Brennerei, hat eine Kaffee- und Leseecke ins Geschäft integriert und kürzlich erstmals eine Lesung veranstaltet, um Menschen ins Geschäft zu holen.

Der Erfolg hänge aber auch von den Touristen ab, sagt Uli Lennartz. In der Urlaubssaison habe er teilweise 50 bis 60 Prozent auswärtige Kunden im Geschäft, vor allem Wohnmobilisten vom Schiffertor. Klar, dass ihn die steigenden Touristenzahlen und die Tourismusstrategie 2030 von Stade Marketing freuen.

Ohne die vielen Besucherinnen und Besucher hätte es wohl auch Gesa Ciolek-Köhler vom Damenmodehaus Sander deutlich schwerer. Sie hat das 150 Jahre alte Traditionsgeschäft in der Hökerstraße mit eigenem Schneideratelier vor 40 Jahren von ihren Eltern übernommen. Damals hat sie den Eingang auf die Ecke Richtung Cosmae-Kirche verlegen lassen. Das verleite mehr Menschen dazu, einen Blick hineinzuwerfen, ist sie überzeugt.

Inhabergeführte Geschäfte kommen bei Touristen an

Inhabergeführte Geschäfte strahlen häufig eine besondere Atmosphäre aus. „Viele, die aus anderen Städten zu uns kommen, kennen solche Läden gar nicht mehr und wissen unseren Service besonders zu schätzen“, sagt die gelernte Schneiderin und Bekleidungsingenieurin.

Das Modehaus Sander ist seit 150 Jahren in Stade ansässig. In der Filiale in der Hökerstraße gibt es ausschließlich Damenmode. Die Filiale für Herrenmode in der Sattelmacherstraße hat Ende 2025 geschlossen.

Das Modehaus Sander ist seit 150 Jahren in Stade ansässig. In der Filiale in der Hökerstraße gibt es ausschließlich Damenmode. Die Filiale für Herrenmode in der Sattelmacherstraße hat Ende 2025 geschlossen. Foto: Stehr

Auch sie setzt bewusst auf die Klientel der über 50-Jährigen, also die, die häufig als Touristen in die Region reisen. Junge Menschen führen wohl eher nach Hamburg zum Shoppen, vermutet sie. Dafür fänden die Frauen, die zu ihr kommen, mehr als nur eine neue Hose, sagt Gesa Ciolek-Köhler. Das Team begegne allen Kundinnen mit Wertschätzung und Achtsamkeit und lege großen Wert darauf, dass jede Frau mit einem guten Gefühl den Laden wieder verlässt. Damit trifft sie offensichtlich einen Nerv in einer schnelllebigen Zeit.

Im Gegensatz zu anderen Einzelhändlern verzichten sowohl Gesa Ciolek-Köhler als auch Uli Lennartz auf einen Onlineshop, nutzen aber soziale Medien wie Whatsapp oder Instagram, um Werbung zu machen. Das Modehaus Peters hat eine eigene App.

Damit Geschäfte wie ihre nicht verschwinden, müssten mehr junge Leute für eine Ausbildung im Einzelhandel begeistert werden, sagt Uli Lennartz. Häufig fehle auch ein Nachfolger. „Viele haben Angst, sich selbstständig zu machen“, ergänzt Gesa Ciolek-Köhler. Dabei sei der Job - abgesehen von teils lästigen bürokratischen Verpflichtungen - menschlich absolut bereichernd, sagt sie und eilt kurz darauf zu einer Kundin. Die sucht eine neue Bluse für den Frühling.

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