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Katastrophenschutz

TNach dem Blackout in Berlin: Ist der Kreis Stade für so etwas gewappnet?

In Berlin-Zehlendorf blieben die Straßen lange dunkel und Heizungen fielen aus.

In Berlin-Zehlendorf blieben die Straßen lange dunkel und Heizungen fielen aus. Foto: Elisa Schu/dpa

Mitten im Winter hat Berlin gerade den längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte erlebt. Wie sorgt der Kreis Stade für solche Fälle vor? Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Infrastruktur und Katastrophenschutz.

Von Anping Richter und Björn Vasel Samstag, 10.01.2026, 19:30 Uhr

Landkreis. Es war eine Lage, die es in der Hauptstadt so noch nicht gegeben hat: Fünf Tage lang waren im Südwesten von Berlin rund 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen nach einem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke ohne Strom.

In vielen Fällen fiel auch die Heizung aus, Tausende mussten frieren. Vor dem Hintergrund dieses Szenarios lohnt sich ein Blick auf den Landkreis Stade.

Wer ist bei einem großflächigen Stromausfall für den Katastrophenschutz verantwortlich?

Der Landkreis Stade mit Landrat Kai Seefried an der Spitze. Er stellt einen Katastrophenschutzplan und dazu gehörende Sonderpläne auf. Nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 wurde für Blackout-Szenarios ein detailliertes Konzept abgestimmt. Es wird laufend fortgeschrieben.

Eine Spezialeinheit für den Ernstfall: Die Feuerwehrleute vom Fachzug Energie und Technik der Kreisfeuerwehr mit einem Notstromaggregat.

Eine Spezialeinheit für den Ernstfall: Die Feuerwehrleute vom Fachzug Energie und Technik der Kreisfeuerwehr mit einem Notstromaggregat. Foto: Energiezug

Im Ernstfall kommt im Katastrophenschutzzentrum Ottenbeck ein Stab zusammen, der das Krisenmanagement übernimmt. Es geht darum, Einsatzkräfte zusammenzuziehen, bestimmte Einrichtungen als Notunterkünfte für die Bevölkerung herzurichten und den Notstrombetrieb der kritischen Infrastruktur zu gewährleisten. Die Feuerwehren vor Ort verfügen in der Regel über eigene Notstromaggregate.

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens kann sich übrigens nicht vorstellen, dass es in Niedersachsen zu einem Szenario wie in Berlin kommen könnte. Bei ihrem Besuch des IHK-Neujahrsempfangs in Stade am Mittwoch sagte sie: „Ich würde behaupten, dass wir hier ganz anders aufgestellt sind und so etwas bei uns nicht passieren könnte.“ Das Land wolle jetzt aber eine Kampagne starten, um in der Bevölkerung das Bewusstsein für die Bedeutung von Vorsorge und Selbstvorsorge zu schärfen.

Wer wäre im Ernstfall an vorderster Front im Einsatz?

Ob großflächiger Stromausfall (Blackout) nach Schneekatastrophe, Hackerangriff oder Terroranschlag, Sturmflut oder Verteidigungsfall: Seit 2025 gibt es eine 65-köpfige Spezialeinheit der Kreisfeuerwehr, die sich speziell darauf vorbereitet hat. Dieser sogenannte Fachzug Energie und Technik soll sicherstellen, dass Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst arbeiten und kommunizieren können. Ein Schwerpunkt ist es, Funkmasten in Betrieb zu halten und das Katastrophenschutzzentrum, die Elbe Kliniken und die Dialysezentren in Stade und Buxtehude mit mobilen Notstromaggregaten zu versorgen.

Die Spezialeinheit verfügt auch über eine mobile Tankstelle, zwei Transporter, zwei Gerätewagen Logistik, zwei Wechsellader für containergroße Mini-Kraftwerke sowie über Lichtmasten- und Elektrotechnik. Zudem hat sie knapp 40 Stromaggregate und Speziallöscher für Akku-Brände.

Kooperation mit Spezialkräften von THW und DRK

Zugführer Jens Westphal und sein Stellvertreter Dennis Buck, beide Elektrotechnik-Meister, sagen: „Wir sind sehr gut aufgestellt.“ Im Ernstfall, zum Beispiel bei Feuer im Umspannwerk oder in Stromverteilern, wird die Spezialeinheit alarmiert. Vier Fachleute können zur Beratung und Unterstützung der Einsatzleitungen angefordert werden und mit Spezialkräften von THW und DRK kooperieren. Im Einsatz wären auch die örtlichen Feuerwehren, von denen es 92 im Kreis Stade gibt, mit insgesamt 4200 freiwilligen Feuerwehrleuten.

Wie sind die Grundversorger vorbereitet und wie beugen sie vor?

Das Schneechaos im Winter 1978/1979 und der Vorfall im Münsterland im Jahr 2005, wo Hochspannungsleitungen unter gefrorener Schneelast zusammenbrachen, waren für die Grundversorger wichtige Lektionen. 250.000 Menschen waren tagelang ohne Strom, es war der größte Stromausfall in der Bundesrepublik.

„Das rund 80.000 Kilometer lange Mittelspannungsnetz von EWE Netz im Nordwesten Niedersachsens ist zu 100 Prozent erdverkabelt und besonders eng vermascht – das bietet bereits einen hohen Schutz gegen äußere Einflüsse“, teilt Pressesprecher Christian Bartsch mit.

Das Netz hat natürlich trotzdem oberirdische Bestandteile. Die Stader Stadtwerke haben ihre Umspannwerke mit Alarmsystemen gesichert. „Früher haben wir gerne sehr transparent und öffentlich informiert, heute überdenken wir angesichts der gezielten Angriffe auf kritische Infrastruktur vieles, auch unsere Wasserwerksführungen“, sagt René Back, technischer Betriebsleiter bei den Buxtehuder Stadtwerken.

Wie die EWE und die Stader Stadtwerke sagt aber auch er: Gegen gezielte Angriffe wie in Berlin kann es keinen hundertprozentigen Schutz geben. Das gilt auch für Hackerangriffe, sagt der Stader Stadtwerke-Chef Christoph Born: „Wir machen viel. Trotzdem: Es ist nicht die Frage ob, sondern die Frage, wann es passiert - das gilt für alle Versorger.“

Alle Grundversorger haben ein Informationssicherheits-Managementsystem. Dienstleister von außen prüfen die Sicherheit regelmäßig ab. „Wir haben unsere Standorte einer Risikobewertung unterzogen“, erklärt Christian Brandt, bei den Buxtehuder Stadtwerken zuständig für Stromversorgung und Telekommunikation. In den Anlagen sei dafür gesorgt, dass das System auch beim Ausfall einer Komponente funktionieren kann (sogenanntes n-1 Prinzip).

Die Buxtehuder Stadtwerke haben Notstrom, so dass die Wasserversorgung nach einem Stromausfall zunächst einmal weiter funktionieren würde. Auch die Stadtwerke Stade haben Backup-Systeme, damit Wasser- und Erdgasversorgung im Notfall weiter laufen. Im Katastrophenstab des Landkreises sind die Grundversorger vertreten und haben dort verschiedene Szenarios durchgespielt - vom Blackout bis zu Problemen mit der Energie- und Wasserversorgung.

Wo können Betroffene ortsnah Hilfe finden?

Die Feuerwehren vor Ort verfügen in der Regel über eigene Notstromaggregate und stehen in Kontakt mit der Katastrophenschutzbehörde. Nach dem Konzept der „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ soll die selbst organisierte Schadensbewältigung in der Gemeinschaft vor Ort gefördert werden, wobei die Feuerwehren eine wichtige Rolle spielen.

Schnelle Einrichtung provisorischer Wärmestuben

So gibt es beispielsweise Pläne für die schnelle Einrichtung provisorischer Wärmestuben und Notunterkünfte - unter anderem in Dorfgemeinschaftshäusern, Sporthallen und Gerätehäusern. Die Liste wird aus Sicherheitsgründen, aus Angst vor Sabotage, geheim gehalten. Im Ernstfall gibt es Radio- und Lautsprecherdurchsagen, Aushänge sind vorbereitet, so Kreissprecher Daniel Beneke.

Ein wichtiger Baustein: Selbstvorsorge

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat eine Broschüre mit Hinweisen zum richtigen Verhalten im Katastrophenfall sowie praktischen Tipps und Checklisten zur Selbstvorsorge veröffentlicht, die der Landkreis Stade bereits an alle Haushalte verteilen lassen hat. Auf der Internetseite www.landkreis-stade.de/vorsorge gibt es weitere Informationen. Warnmeldungen und andere Informationen staatlicher Stellen sind überlebenswichtig. Das BBK empfiehlt deshalb, ein solar- oder batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio vorzuhalten.

Energiezug der Kreisfeuerwehr bei der Übung.

Energiezug der Kreisfeuerwehr bei der Übung. Foto: Kreisfeuerwehr

Auch haltbares Essen und Trinken, idealerweise für zehn Tage, sollte bevorratet werden. Zu rechnen ist mit etwa zwei Liter Flüssigkeit pro Person und Tag und 2200 kcal pro Person und Tag. Haustiere nicht vergessen (Nahrung, Einstreu). Auch Taschenlampe, Kerzen, Feuerzeug und eine alternative Kochgelegenheit wie ein Campingkocher werden empfohlen, ebenso eine kleine Hausapotheke. Eine detaillierte Checkliste findet sich unter www.bbk.bund.de

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