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TNach dem Ende von Quast: Wie steht es um die Zukunft der Harsefelder Marktstraße?

Die Marktstraße in Harsefeld verliert Ende 2026 mit dem bevorstehenden Abschied von Quast einen ihrer Eckpfeiler.

Die Marktstraße in Harsefeld verliert Ende 2026 mit dem bevorstehenden Abschied von Quast einen ihrer Eckpfeiler. Foto: P. Meyer

Mit dem Kaufhaus Quast bricht Ende 2026 einer der Pfeiler der Marktstraße weg. Wie man den Einzelhandel danach stärken kann, beschäftigt Gemeinde und Gewerbetreibende.

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Von Pauline Meyer
Samstag, 31.01.2026, 11:50 Uhr

Harsefeld. Für viele Harsefelder war es die Schocknachricht im vergangenen Jahr: Das Kaufhaus Quast wird Ende 2026 schließen, weil sich kein Nachfolger finden ließ. Was das für die Marktstraße bedeutet, fragen sich nicht nur die ansässigen Gewerbetreibenden.

„Natürlich machen wir uns Gedanken“, sagt Matthias von Hein, Erster Vorsitzender des Sympathischen Harsefeld, ein Zusammenschluss Harsefelder Unternehmen aus den Bereichen Handel, Dienstleistung und Handwerk. Er ist selbst mit dem Geschäft „E. von Hein Optik Uhren Schmuck“ seit Jahren an der Marktstraße ansässig und hat ihre Entwicklung seit Anfang der 2000er miterlebt.

„Es sind seitdem viele Geschäfte weggegangen“, so von Hein. Und das obwohl die Marktstraße, so betont er, durchaus attraktiv für den Einzelhandel sei.

Der Einzelhandel lebt von Synergien

Ein Blick entlang der Straße zeigt, wo der Einzelhandel zu kämpfen hatte: So sind etwa an der Marktstraße nur noch die verblassten Reste des Schriftzuges am ehemaligen Schuhhaus Reese zu erkennen - schon lange steht das Geschäft leer. Im Gebäude neben E. von Hein prangt noch immer der Schriftzug „Bioladen“. Zweimal war dort ein Biofachgeschäft untergebracht - überlebt hat keines. Wenige Häuser weiter sind die Innenseiten der Schaufenster mit Plastik verhüllt. Das Elektronikgeschäft ist umgezogen. Positiv ist: Ein kleines Schild weist hier auf bald neu entstehendes Gewerbe hin.

Dass sich die Geschäfte an der Marktstraße eigentlich gegenseitig gut befruchten, erklärt Matthias von Hein: „Das merken wir gerade bei Veranstaltungen wie unserem Nightshopping. Die Geschäfte profitieren gegenseitig voneinander.“ Mit dem Wegfall von Quast werde sich in der Dynamik natürlich einiges ändern.

Quast wird eine Lücke reißen, die es zu füllen gilt

Die bestehenden Geschäfte erhalten und neue anlocken ist das Ziel des Gewerbevereins. „Toll wäre es, wieder mehr kleine, inhabergeführte Geschäfte in die Marktstraße zu bekommen“, sagt Matthias von Hein. Gerade in den Bereichen Spielwaren und Mode. Denn die Schließung des Kaufhauses Quast wird speziell dort eine Lücke reißen.

Die Marktstraße in Harsefeld ist einer der Anziehungspunkte für Kundinnen und Kunden.

Die Marktstraße in Harsefeld ist einer der Anziehungspunkte für Kundinnen und Kunden. Foto: P. Meyer

Auch für die Gemeinde ist es daher umso wichtiger, Geschäfte zu finden, die diese Lücke schließen. Wie Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück erklärt, sei die Verwaltung dahingehend schon länger im Austausch mit der Wirtschaftsförderung und der IHK Stade. „Uns ist es wichtig, das vielfältige Angebot des Kaufhauses Quast adäquat zu ersetzen“, sagt sie.

Von Schulranzen und Spielzeug bis hin zu Damenmode und Gartenmöbeln finden Kunden hier vieles: Es sei jedoch besonders die Beratung, die viele Kundinnen und Kunden an Quast schätzen, so Ute Kück. Das Feedback, das nach dem Bekanntwerden von Quasts bevorstehendem Abschied auch die Gemeinde ereilte, unterstreiche die Bedeutung, die das Kaufhaus für den Ort hat. Jung bis Alt kaufe hier. „Gerade haben wir einen Brief von zwei Kindern erhalten, die gerne weiterhin bei Quast ihre Spielsachen kaufen wollen“, berichtet Ute Kück. Das Thema beschäftige die Menschen.

Juwel des Fleckens mit Kaufkraft unterstützen

Harsefelds Bürgermeisterin Susanne de Bruijn beschreibt die Marktstraße als „Juwel des Fleckens“. Die Aufenthaltsqualität der Einkaufsstraße habe sich in den vergangenen Jahrzehnten extrem gesteigert. Grund dafür war die städtebauliche Sanierung der Harsefelder Ortsmitte, die Anfang 2004 begann.

Doch auch das Kaufverhalten der Menschen habe sich verändert. „Die Leute schauen vor Ort und kaufen dann im Internet, weil es dort zwei Euro günstiger ist“, so de Bruijn. In Harsefeld sei das bislang aber anders gewesen, da die Leute den Einzelhandel vor Ort unterstützen wollten.

Gemeinsam mit der Gemeinde hofft das Sympathische Harsefeld, den Ort und besonders die Marktstraße besser bewerben zu können. Eine Idee: Pop-Up-Stores. Die könnten den Leerstand im Zentrum zumindest vorübergehend füllen, erklärt Matthias von Hein.

„Vor zwei Jahren haben wir so etwas im Rahmen des Nightshoppings schon einmal ausprobiert“, sagt er. Und das habe toll funktioniert. Jungen Unternehmern könne man so auch die Möglichkeit geben, sich selbstständig zu machen. Die Gemeinde sei offen für die Ideen des Symapthischen Harsefelds, signalisierte Ute Kück im Gespräch mit dem TAGEBLATT.

Kunden anlocken: Einzelhandel braucht den Verkehr

Was der Einzelhandel hingegen gar nicht gebrauchen könne, sei eine Verkehrsberuhigung, erklärt Matthias von Hein. „Das wäre tödlich“, sagt er. „Wir leben von der Frequenz.“ Mit den kostenlosen Parkmöglichkeiten sei die Marktstraße schließlich auch ein attraktives Einkaufsziel für Leute von außerhalb. Und die wolle der Gewerbeverein auch zukünftig nach Harsefeld locken.

Leerstand betrifft auch die Marktstraße in Harsefeld.

Leerstand betrifft auch die Marktstraße in Harsefeld. Foto: P. Meyer

„Es gibt im Ort zwei Wahrnehmungen zu diesem Thema. Die der Geschäfte und die der Bevölkerung“, erklärt Bauamtsleiter Peter Walthart. Und die seien im Rahmen der Verkehrsberuhigung auch ausgiebig diskutiert worden und hätten zur jetzigen Lösung als Kompromiss geführt.

Dass dieses Thema erstmal nicht zu priorisieren sei, macht Susanne de Bruijn klar: „Wenn wir es nicht schaffen, anstelle von Quast etwas Adäquates herzubekommen, brauchen wir darüber gar nicht diskutieren. Dann beruhigt sich die Straße von selbst.“

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