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TNach den Wochen gegen Rassismus in Buxtehude: Was ist davon geblieben?

Aus etwa 3000 Lappen, jeder gestrickt, gehäkelt oder genäht, besteht das Bunte Band der Menschlichkeit am Fleth in Buxtehude.

Aus etwa 3000 Lappen, jeder gestrickt, gehäkelt oder genäht, besteht das Bunte Band der Menschlichkeit am Fleth in Buxtehude. Foto: Sulzyc

Gegen Rassismus. Für Menschlichkeit. Zwei Wochen lang Programm in Buxtehude. Haben die Veranstalter ihre Ziele erreicht? Das sagen sie selbst.

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Von Thomas Sulzyc
Donnerstag, 02.04.2026, 15:50 Uhr

Buxtehude. Lappen in allen Farben baumeln an Leinen über dem Wasser am Fleth. Etwa 3000 sind es, jeder einzelne in Handarbeit entstanden. Buntes Band der Menschlichkeit heißt diese Kunst im öffentlichen Raum. Gespannt hat es die Initiative Omas gegen Rechts während der Internationalen Wochen gegen Rassismus in Buxtehude.

Die Aktionstage sind beendet. Geblieben als sichtbarer Ausdruck ist das Handarbeitsphänomen im alten Hafen. Passanten fotografieren es - oder nutzen es als Kulisse für Selbstporträts. Das Bunte Band der Menschlichkeit beeindruckt.

Die Installation Buntes Band der Menschlichkeit bleibt noch bis Dienstag, 7. April, am Fleth installiert. Dann wird das Handarbeitsphänomen abgehängt.

Die Installation Buntes Band der Menschlichkeit bleibt noch bis Dienstag, 7. April, am Fleth installiert. Dann wird das Handarbeitsphänomen abgehängt. Foto: Omas gegen Rechts

44 Veranstaltungen (eine geplante Podiumsdiskussion fiel aus) innerhalb von zwei Wochen. Gegen Rassismus, für Menschlichkeit. Gemeinsam mit dem Bündnis Buxtehude als Veranstalter hatten Initiativen, Vereine, Kirchengemeinden, Bildungs- und Kultureinrichtungen zu Vorträgen, Ausstellungen, Filmen und Mitmachaktionen eingeladen.

Welche Ziele hatten sich die Anbieter gesteckt? Und haben sie diese erreicht? Das TAGEBLATT fragte einige Veranstalter.

Bunter Block: „Die Mitte der Gesellschaft erreicht“

Der Bunte Block Buxtehude ist eine Initiative, in der sich Menschen für Demokratie und gegen Hass und Hetze engagieren. Eine besondere Rolle bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus kam dem Bunten Block zu, weil er das Veranstaltungsprogramm koordinierte.

Erkan Dündar, Sebastian Lenk und Katrin Hauschildt (von links) vom Bunten Block Buxtehude machen in der Altstadt auf die Internationalen Wochen gegen Rassismus aufmerksam.

Erkan Dündar, Sebastian Lenk und Katrin Hauschildt (von links) vom Bunten Block Buxtehude machen in der Altstadt auf die Internationalen Wochen gegen Rassismus aufmerksam. Foto: Wisser

„Ziel war es, im Vergleich zum Vorjahr die Internationalen Wochen gegen Rassismus deutlich stärker in die Mitte der Gesellschaft zu tragen“, sagt Reiner Sprenger vom Bunten Block.

Ehrenamtliche vom Bündnis Buxtehude verteilten zum Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Modehaus Stackmann Programmhefte an Kundinnen und Kunden.

Ehrenamtliche vom Bündnis Buxtehude verteilten zum Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Modehaus Stackmann Programmhefte an Kundinnen und Kunden. Foto: Sulzyc

Das sei seiner Einschätzung nach gelungen. „Keine Veranstaltung, die ich gesehen habe, war schlecht besucht worden. Das ist ein ganz großes Erfolgserlebnis“, sagt Reiner Sprenger.

Engagement gegen Antisemitismus

Für die Arbeitsgemeinschaft Buxtehude der Deutsch-Israelischen Gesellschaft äußert sich ihr Vorstandsmitglied Ludwig Greven sehr zufrieden mit der Resonanz auf ihre beiden Veranstaltungen.

„Schon als ich Flyer mit der Einladung für unsere Diskussion mit dem zurückgetretenen Hamburger Antisemitismusbeauftragten Stefan Hensel in der Fußgängerzone verteilte, kam ich mit vielen Menschen ins Gespräch“, sagt er. „Die meisten von ihnen begrüßten, dass wir gegen den seit dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 grassierenden Antisemitismus und die ständigen Angriffe auf Jüdinnen und Juden und jüdische Einrichtungen eintreten.“ Nur ein junger Mann habe gesagt: Er selbst hasse Juden.

„Überwältigendes Interesse“: Islamische Gemeinde Buxtehude erfreut

Erstmals und mit starker Beteiligung am Programm nahm die Islamische Gemeinde Buxtehude teil. Sie habe beim gemeinsamen Fastenbrechen Begegnungen ermöglichen wollen, sagt Vorstandsmitglied Erkan Dündar. Und mit ihren Veranstaltungen zu antimuslimischem Rassismus und „Fragen an den Islam“ aufklären wollen.

Mit ihrer Teilnahme habe die Gemeinde zudem das eigene Selbstverständnis als Teil der Stadtgesellschaft stärken wollen. Gemeindemitglieder sollten erfahren, wie viel möglich ist, wenn sie sich öffentlich einbringen.

Deutlicher als erhofft, habe die Islamische Gemeinde ihre Ziele erreicht. „Unsere Veranstaltungen waren sehr gut besucht, das Interesse war überwältigend“, sagt Erkan Dündar. Erfreut sei die Gemeinde über die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Menschenwürde und der evangelischen St.-Paulus-Kirchengemeinde.

Das passiert mit dem Bunten Band

Menschen deutlich machen, was ein politischer Rechtsruck in der Gesellschaft bedeuten könnte - das wollte die Initiative Omas gegen Rechts mit ihrer Teilnahme erreichen. Besonders der Auftritt des Neonazi-Aussteigers Philip Schlaffer an der Integrierten Gesamtschule habe Wirkung bei Schülern hinterlassen, sagt Dorte Stürmer-Bauer von den Omas gegen Rechts.

Andere Gruppen der Omas gegen Rechts in Deutschland beabsichtigen, nach Buxtehuder Vorbild ebenfalls ein Buntes Band für Menschlichkeit zu knüpfen. In Buxtehude wird es am kommenden Dienstag abgehängt. Aus den Lappen werden später Decken und Kissenbezüge genäht - und für einen noch nicht bekannten guten Zweck verkauft.

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