TNach schwerer Verletzung bei Hunderettung: Auf dem Weg zurück ins alte Leben?
Tanja Eweleit und Lexa sind ein Herz und eine Seele. Foto: Wertgen
Monatelang hat Tanja Eweleit gehofft. Jetzt sitzt sie mit ihrem Mann im Flugzeug nach Colorado, getragen von der Solidarität aus der Region - und mit der Aussicht auf Heilung.
Oldendorf. Tanja Eweleit kullern die Tränen über die Wangen. Carmen Oellrich und Silke Steffen von der Initiative „Carmens Flohmarkt Team“ zeigen ihr einen Scheck: 3200 Euro, gesammelt auf drei Flohmärkten. Der 37-Jährigen fehlen beinahe die Worte. Sie bringt ein „Danke“ über die Lippen, dann folgt eine lange Umarmung.
Ein Unfall, der alles veränderte
Im März berichtete das TAGEBLATT erstmals über die Oldendorferin. Bei einem Dienstunfall mit ihrer Hündin Lexa hatte sie eine defekte Heckklappe weggedrückt, um das Tier zu schützen, und sich dabei eine kraniozervikale Instabilität zugezogen.
T Oldendorferin schützte ihren Diensthund - seitdem kämpft sie ums Leben
Die Bänder zwischen Schädel und Halswirbeln halten den empfindlichsten Bereich des Körpers nicht mehr richtig, eine Verletzung, die sich in vielen Fällen mit der Zeit verschlimmert. Bereits damals lag Eweleits größte Hoffnung in einer Stammzellbehandlung in den USA.
23.000 Euro: Teure Reise in die USA hat begonnen
Diese Hoffnung ist nun greifbarer geworden, doch der Preis dafür ist hoch. Eweleit ist mit ihrem Mann Dominique bereits auf dem Weg zur Klinik von Spezialist Christopher J. Centeno in Broomfield im US-Bundesstaat Colorado.

Überraschung geglückt: Carmen Oellrich und ihr Team sammelten Spenden in Höhe von 3200 Euro. Foto: Wertgen
Dort wendet er das sogenannte PICL-Verfahren an: eine nicht-chirurgische Behandlung, bei der körpereigene Stammzellen in die gelockerten Bänder des oberen Halsbereichs injiziert werden. Fast drei Wochen dauert der Trip, knapp 24.000 Euro kostet er die Familie.
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Allein die Behandlung schlägt mit etwa 15.000 Euro zu Buche, hinzu kommen Einreiseerlaubnis, Flüge, Hotel und Lebensmittel. „Durch die Weltmeisterschaft und den Independence Day ist alles teurer geworden als ursprünglich gedacht“, sagt Eweleit.
Mit der Zeit schwindet die Erfolgsquote
Eigentlich wollte sie spätestens im April reisen. Bei einer unfallbedingten CCI sind die Heilungschancen innerhalb der ersten 18 Monate nach dem Unfall am höchsten, für Eweleit wäre das im Frühjahr gewesen. Die Erfolgsquote hätte dann bei bis zu 80 Prozent gelegen.
Doch das Geld fehlte, und Centeno beginnt erst mit der Behandlung, wenn eine möglicherweise nötige zweite Behandlung finanziell abgesichert ist. Bricht ein Patient stattdessen vorzeitig ab, kann sich der Zustand sogar verschlechtern, warnt der Mediziner.
Er drängte deshalb auf eine baldige Behandlung: Je länger Eweleit wartet, desto stärker sinken ihre Chancen. Bis zum April hätte möglicherweise eine Behandlung gereicht, jetzt rechnet man eher mit zwei bis vier.
Gute Tage, schlechte Tage, ungewisse Tage
Etwas Zuversicht hat ihr zuletzt der Austausch mit einem Patienten aus Deutschland gegeben, dem Centeno bereits 2019 half. „Ihm geht es deutlich besser“, sagt Eweleit. Sätze wie dieser sind es, die sie durch die vergangenen Wochen tragen.
Es gebe bessere und schlechtere Tage, weil sich die Instabilität im Hals immer wieder anders auswirke, berichtet sie. „Das ist zermürbend, weil man nie weiß, wie der nächste Tag wird.“
Bürokratie ist zweite Belastung
Zermürbend bleibt für die Familie auch der Kampf mit der Bürokratie. Obwohl es sich um einen Dienstunfall handelt, gestaltet sich die Übernahme der Arztrechnungen schwierig. Eweleit hat inzwischen einen dicken Ordner angelegt, in dem sie ihre gesamte Krankengeschichte dokumentiert, nicht nur mit Befunden.

Die Familie dokumentiert mittlerweile alles - mit den bunten Markierungen sind aber nur schlechte Ereignisse gekennzeichnet. Foto: Wertgen
„Was farblich gekennzeichnet ist, sind Widersprüche und Absagen“, sagt sie und zeigt auf viele bunte Markierungen. Die Beihilfe hat bislang nur kleine Teile übernommen. „Das ist einfach nur noch ermüdend.“ Fast 20.000 Euro hat die Familie bislang aus eigener Tasche für Behandlungen in Deutschland aufbringen müssen, die Reisekosten in die USA kommen noch hinzu.

QR-Code zur GoFundMe-Kampagne von Tanja Eweleit. Foto: GoFundMe
Spenden aus der Region machen Behandlung möglich
Das „Danke“ und die innigen Umarmungen gelten an diesem Nachmittag so vielen Menschen: Dass die Reise trotzdem stattfinden kann, verdankt die Familie vor allem der Solidarität aus der Region und darüber hinaus. Die JSG Oldendorf/Himmelpforten sammelte, die Nachbarschaft spendete, eine TAGEBLATT-Leserin meldete sich.
Bei einer GoFundMe-Kampagne sind inzwischen 28.660 Euro zusammengekommen. Auch die beiden Kinder des Paares wollen helfen. Sie hatten die Idee, während der Reise von Deutschland aus zu unterstützen.
Kinder wollen Beitrag leisten
Am 12. Juli betreiben sie deshalb einen eigenen Stand auf dem nächsten Spendenflohmarkt von Carmen Oellerich in Oldendorf und verkaufen dort ihre Spielsachen. Der Erlös des Marktes soll wieder Tanja Eweleit zugutekommen.

„Das Glück beginnt mit einer feuchten Nase und endet mit einem wedelnden Schwanz“, steht auf dem Schild im Hintergrund. Foto: Wertgen
Tanja Eweleit und Lexa sind ein eingespieltes Team. „Freunde“ sagt Eweleit und die Hündin reicht eine Pfote. So einfach diese Geste wirkt, so viel Übung steckte einst darin, die Eweleit heute kaum noch leisten kann.
In den USA wächst nun die Hoffnung, dass beide bald wieder gemeinsam trainieren können, dass Eweleit mit ihren Kindern toben und mit ihnen etwas erleben kann - dass sie wieder leben kann.
GoFundMe-Kampagne der Eweleits
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