TNachfrage-Dämpfer fürs Wohnen im Tiny House an der Nordseeküste
Die taubenblaue Fassade der drei kleinen Steinhäuser erweckt nur den Anschein einer Gebäudehülle aus Holz. Tatsächlich handelt es sich um ein Kunststoff-Zement-Gemisch. Foto: Leuschner
Christina Bleier hat an der Nordseeküste zusammen mit einem Bauunternehmer neben ihrem eigenen „Wohnwagon“ drei Tiny-Häuser für Mieter gebaut. Doch nicht alles verläuft nach Plan.
Landkreis Cuxhaven. Die Baustelle ist nahezu Geschichte. Wege und Autostellplätze sind gepflastert. Die drei Steinhäuser haben eine hübsche hellblaue Fassade erhalten, die an dänische oder schwedische Holzhäuser erinnert. Und vor dem einzigen echten, für autarkes Leben gebautem Holzhäuschen in Christina Bleiers Minihaus-Siedlung gibt es zwei kleine Rundbeete, in deren Mitte ein Blauregengehölz steht.
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Auch eine Hecke zur Kreisstraße, die ein paar Meter weiter, am Nordseedeich in Cappel-Neufeld, endet, ist bereits angelegt. Und in Kürze soll auf den unbebauten Flächen Rasen gedeihen. „Es wird“, sagt Bleier und lächelt, während sie Möbel und Kartons in eines der Tiny Häuser trägt.
Aus Liebe zu Tiny-Häusern und zur Nordseeküste
Etwa drei Jahre sind es her, dass Christina Bleier begonnen hat, ihren Traum vom Leben auf kleinem Raum zu verwirklichen. Die Augsburgerin, die die norddeutsche Küste liebt und das Cuxland bereits von mehreren Urlaubsaufenthalten kennt, lernt einen Bauunternehmer aus Bremerhaven kennen und erzählt ihm von ihrem Wunsch nach einem Grundstück, auf dem sie ein Tiny-Haus für sich und ihre Familie errichten kann.

Das private Tiny Haus von Christina Bleier hebt sich von den übrigen Tinyhäusern in Form und Gestaltung deutlich ab. Foto: Leuschner
Der Bremerhavener findet in Cappel-Neufeld ein Grundstück mit Baurecht, das sich für Bleiers Pläne eignet. Weil es nicht nur ihrem eigenen, vom österreichischen Tiny-Haus-Hersteller „Wohnwagon“ produziertem Haus Platz bietet, entwickelt die 52-Jährige zusammen mit dem Bauunternehmer drei weitere Stein auf Stein gebaute Häuschen für das Areal, das inzwischen ihr gehört.
45 Quadratmeter groß und Stein auf Stein gebaut
Wie ihr eigenes Feriendomizil sind die drei Steinhäuser 45 Quadratmeter groß und stehen auf einem jeweils 350 Quadratmeter großen Teilgrundstück. Sie sind ans öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen und werden über eine spezielle Klimaanlage beheizt.

In dem gut 20 Quadratmeter großen Koch-Ess- und Wohnbereich findet auch eine Einbauküche inklusive Kücheninsel Platz. Foto: Bleier
Jedes Haus verfügt über einen offenen Küchen-Wohn-Bereich, ein Schlafzimmer, Duschbad, Technikraum, Flur sowie eine überdachte Terrasse. Über eine Leiter gelangt man auf eine kleine Empore, die Raum für einen zusätzlichen Schlafplatz und Staufläche unter dem Pultdach bietet.

Das Schlafzimmer: Gegenüber vom Bett hinter der Tür ist Platz für einen Kleiderschrank oder ein offenes Schranksystem. Foto: Leuschner
Christina Bleier möchte bezahlbaren Wohnraum für Menschen anbieten, die sich verkleinern wollen. Im vergangenen Jahr vermietete sie zwei der drei Steinhäuser fest. Für das Dritte habe sie trotz intensiver Bemühungen keine Mieter gefunden.
Zwei Minihäuser sind fest vermietet, eins wird Ferienhaus
Ein Interessent sei trotz bereits unterschriebenen Mietvertrages wieder abgesprungen. Eine andere Bewerberin habe sich am Tag ihres geplanten Einzugs umentschieden. Christina Bleier wirkt enttäuscht: „Dann kann der Bedarf nach Mietwohnraum wohl doch nicht so groß sein.“ Sie denkt um und plant nun, das dritte Minihaus als Ferienhaus für bis zu drei Personen und Hund zu vermieten.
Sie nutzt die Osterferien, um die 45 Quadratmeter mit viel Liebe und Geschmack einzurichten. Moderne Möbel kombiniert sie mit ausgewählten Vintagestücken im dänischen Stil der 1970er-Jahre, die aus ihrem Elternhaus stammen. Selbst für eine kleine Kücheninsel mit Waschmaschine ist in dem gut 20 Quadratmeter großen Wohn-Ess-Zimmer mit Küche Platz.

Jedes Tiny Haus von Christina Bleier verfügt über eine eigene überdachte Terrasse - hier die Terrasse des Hauses, das in Kürze an Feriengäste vermietet werden soll. Foto: Leuschner
Es ist ihr wichtig, dass die Gäste sich wohl und „wie zu Hause“ fühlen. Die Bilder an den Wänden hat die Fotografin selbst in der Region aufgenommen. In einer Kommode gibt es Gesellschaftsspiele und auf der Terrasse steht neben einer Sitzgruppe ein Grill für gemütliche Abende im Freien.
Christina Bleier ist in Hessen aufgewachsen. Doch ein Teil ihrer Familie stammt aus Norddeutschland. Von ihnen habe sie als junges Mädchen eine Aussteuertruhe bekommen. „Im Deckel sind die Vornamen der Frauen verewigt, die diese Aussteuertruhe besessen haben.“ Auch ihr Vorname sei eingraviert worden. Außen auf der Truhe steht „Mien leefe Deern“. Genau so heißt jetzt auch Bleiers Ferienhäuschen, das sie ab Mai vermieten will.
Fotografin träumt weiter von autarkem Leben in Cappel-Neufeld
Sie schließt nicht aus, das Haus zu einem späteren Zeitpunkt fest zu vermieten. Aber fürs Erste habe sie die Struktur geschaffen, um es als Ferienhaus anzubieten. „Das werde ich nicht innerhalb eines Jahres wieder über Bord werfen.“

Maritim: In der Wohnküche gibt es neben einer komplett verglasten Front auch ein Bullaugenfenster. Foto: Leuschner
Auch Christina Bleier nutzt ihr Häuschen am Rande der winzigen Tinyhaus-Siedlung aktuell als Urlaubsdomizil. Doch die Idee, es irgendwann dauerhaft zu bewohnen und ihr eigenes Gemüse anzubauen, geht der freiberuflichen Fotografin nach wie vor nicht aus dem Kopf.
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