TNeue Raubfischart auf dem Vormarsch: Wie gefährlich ist der Wolgazander?
Dieses Foto zeigt einen im Mittellandkanal gefangenen Wolgazander. Auffällig ist sein markantes Streifenmuster, das bis zum Bauch reicht. Foto: Emmrich/AVN
Der Anglerverband Niedersachsen weist darauf hin, dass sich die aus Osteuropa stammende Fischart in Norddeutschland ausbreitet. So bewerten Experten die Situation.
Wie der Name vermuten lässt, liegt der ursprüngliche Verbreitungsschwerpunkt des Wolgazanders im Osten Europas. Seine Heimat reicht in etwa vom Ural, über das Schwarze Meer bis nach Ungarn und die Donau aufwärts bis Österreich. Doch mittlerweile breitet sich die Zanderart auch in Norddeutschland aus, wie der Anglerverband Niedersachsen in einer aktuellen Pressemitteilung berichtet.
Was unterscheidet den Wolgazander vom hier heimischen Zander? „Auf den ersten Blick mögen beide Arten ähnlich aussehen. Doch es gibt eindeutige Merkmale zur sicheren Unterscheidung der eng verwandten Raubfische. Ein Blick ins Maul genügt: Dem Wolgazander fehlen die ausgeprägten Fangzähne des Zanders, auch ,Hundszähne‘ genannt“, erläutert der Landesverband.
Hier wurde der Wolgazander in Niedersachsen erstmals entdeckt
Außerdem habe der östliche Verwandte ein markantes Streifenmuster, das bis weit hinunter zum Bauch reicht, ähnlich dem des Flussbarsches. Zudem sei die erste der beiden Rückenflossen immer höher als die zweite.
„Und schließlich bleibt der Wolgazander mit maximal 65 Zentimeter Länge weit hinter der Größe kapitaler Zander zurück, die zum Beispiel in Elbe und Weser weit über einen Meter lang und über zehn Kilogramm schwer werden können“, so der Verband.
Ausgehend vom ersten Nachweis bei Braunschweig habe der gestreifte Räuber sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland innerhalb von 15 Jahren enorm vergrößert.
„Uns liegen mittlerweile bestätigte Nachweise des Wolgazanders aus elf Gewässern in sechs Bundesländern vor“, berichtet Dr. Matthias Emmrich, der zum Wolgazander im Wissenschaftsmagazin „Zeitschrift für Fischerei“ einen Beitrag verfasst hat.
Hier gibt es besonders viele Wolgazander
Der Mittellandkanal von Rheine bis Magdeburg inklusive seiner Stich- und Verbindungskanäle, der gesamte Elbe-Seitenkanal und die Elbe unterhalb von Hamburg bis nach Bleckede sowie im Bereich Magdeburg gelten mittlerweile sogar als Wolgazander-Hotspots.
Einzelnachweise liegen zudem für die Weser bei Bremen sowie für das Havelsystem vor. Eine Besiedlung des Westdeutschen Kanalnetzes und des Rheinsystems zeitnah hält Wolgazander-Experte Matthias Emmrich für wahrscheinlich.
In der nördlichen Wesermarsch komme der Wolgazander bislang nur vereinzelt vor, sagt Michael Güttler, Vorsitzender des Butjadinger Fischereivereins. Der Wolgazander sei zwar eine invasive, hier nicht heimische Fischart, stelle aber bislang noch kein größeres Problem dar. „Wir behalten das aber im Auge“, verspricht er.
Wie gefährlich ist die Fischart?
Doch wie gefährlich ist der Wolgazwander für andere Fischarten? In den ersten Lebenswochen ernähre sich diese Zanderart wie alle Raubfische meist von millimeterkleinem Zooplankton, etwa Wasserflöhen.
Erst mit zunehmender Größe würden sie zu reinen Fischfressern. Zander-Fachmann Matthias Emmrich geht jedoch davon aus, dass der kleinere Wolgazander in den hiesigen Gewässern keine ernste Gefahr für heimische Raubfische darstellt.
Hybride aus Wolgazander und Zander
Allerdings ist aus seinem natürlichen Verbreitungsgebiet bekannt, dass sich Wolgazander und Zander kreuzen können, auch wenn diese Ereignisse in freier Natur offenbar selten vorkommen. Ob diese „Hybridisierung“ eine mögliche Gefahr für die Zanderbestände bedeutet, sei bislang nicht absehbar, so Fachmann Matthias Emmrich. Aus deutschen Gewässern sind bislang noch keine Hybriden bekannt.
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