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Nordsee

TNicht schlucken oder berühren! Giftiger Meerschaum türmt sich an Nordseestränden

Per- und polyfluorierte Chemikalien, sogenannte PFAS, sind auch in Meerschaum enthalten.

Per- und polyfluorierte Chemikalien, sogenannte PFAS, sind auch in Meerschaum enthalten. Foto: unsplash.com

Belgien und die Niederlande denken über Badeverbote nach, Dänemark gibt Hygienehinweise aus. Auslöser sind giftige Chemikalien im Wasser der Nordsee - auch an deutschen Stränden.

Von Melanie Hanz 17.06.2024, 17:00 Uhr

Sie sorgen dafür, dass in der Pfanne nichts anbrennt, dass Outdoorkleidung wasserdicht ist. Sie machen Oberflächen wasser- und schmutzabweisend und schützen vor Flecken. Sie sind für besseren Klang von Gitarren- und Geigensaiten verantwortlich, helfen dabei mit, dass Pizzakartons, Burgerverpackungen und Pommestüten nicht sofort vor Fett triefen.

Als Emulgatoren und Gleitmittel verhelfen sie Kosmetika zu angenehmer Konsistenz und als Bindemittel und Trägerstoff halten sie die Pigmente in der Farbe. Per- und polyfluorierte Chemikalien, so genannte PFAS, sind wahre Alleskönner. Und so sind sie in fast allem zu finden - auch dort, wo sie unerwünscht sind: im Wasser, in Sedimenten, im Eis der Arktis und Antarktis, im Boden, in der Luft.

Schaumteppiche enthalten PFAS

Im Schaum, der regelmäßig auf der Nordsee große Teppiche bildet und sich an den Stränden aufbauscht, befinden sich ebenfalls PFAS. Das ist zumindest nach Messungen in Belgien und den Niederlanden zu erwarten, die Ende 2023 publiziert wurden.

Die Algenblüte ist vorbei: An vielen Stellen der Nordsee hat sich ein dicker Schaumteppich gebildet, der mit Strom und Wind an die Strände getrieben wird

Die Algenblüte ist vorbei: An vielen Stellen der Nordsee hat sich ein dicker Schaumteppich gebildet, der mit Strom und Wind an die Strände getrieben wird Foto: Melanie Hanz

Auch an Dänemarks Nordseeküste ist die Belastung von Schaum mit den sogenannten Ewigkeits-Chemikalien längst bekannt. An der deutschen Nordseeküste wurde der Meerschaum allerdings bislang noch nicht untersucht. „Für Meeresschaum liegen dem NLWKN bisher keine Messergebnisse vor“, teilte Fabian Buß, Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Norden, auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

So gefährdet sind Schwimmer und Spaziergänger

In den Niederlanden und Belgien war die Aufregung über den „giftigen Schaum“ bei Veröffentlichung der Studien groß. Das Rijksinstituut voor Volksgezondheid (RIVM) des niederländischen Gesundheitsministeriums hat die Bürger für mögliche Gesundheitsgefahren sensibilisiert: Kinder und Haustiere sollten möglichst kein Meerwasser schlucken, Badeverbote in der Nordsee sind angedacht. Allerdings schränkt das RIVM ein: Es sei unklar, was das Vorhandensein der Chemikalien im Schaum „für die Gesundheit von (. . .) Schwimmern, Surfern oder Menschen, die am Strand spazieren gehen“, bedeute. Denn weiterführende Daten zur Risikoeinschätzung fehlen.

Die dänischen Behörden dagegen sehen Baden nicht als Problem. Sie warnen jedoch vor längerem Kontakt mit dem Meeresschaum: Man sollte danach die Haut gründlich mit sauberem Wasser waschen und auch Hunde, die durch den Schaum springen, gründlich abbrausen. Die Gefahr, dass Strandbesucher den Meeresschaum schlucken, wird in Dänemark wie auch in den Niederlanden als eher gering betrachtet.

“Ewigkeits-Chemikalien“ sollten verboten werden

Dass die unter dem Überbegriff PFAS zusammengefassten gut 10.000 chemischen Substanzen massiv schädlich für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sind, ist seit Ende der 1990er-Jahre bekannt. „Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Beständigkeit ist davon auszugehen, dass die Verbindungen Hunderte von Jahren in der Umwelt verbleiben.

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Sie wurden weltweit bei Menschen und Wildtieren nachgewiesen und werden über große Entfernungen in entlegene Regionen wie die Arktis und die Antarktis transportiert“, heißt es im Internet auf der Info-Seite zu PFAS des Helmholtz-Zentrums Hereon in Geesthacht. Die Experten des Instituts für Umweltchemie des Küstenraums befassen sich seit Jahren intensiv mit den Ewigkeits-Chemikalien.

Wer ist für Überwachung der deutschen Nordsee zuständig?

Der NLWKN überwacht im Rahmen des Wasserrahmenrichtlinien-Monitorings die Oberflächengewässer in Niedersachsen. Dabei werden alle sechs Jahre zwölf Monate lang 141 Messstellen auf prioritäre Stoffe beprobt. Prioritäre Stoffe sind Substanzen, die für Mensch und Umwelt so gefährlich sind, dass sie bereits verboten wurden oder dringend verboten werden sollten. Darunter fallen auch mehrere der über 10.000 Substanzen, die unter PFAS zusammengefasst sind.

Nein, das sind keine dicken Schneeflocken. Es handelt sich um Meeresschaum, der von einem Sturm an eine Küste gespült wird.

Nein, das sind keine dicken Schneeflocken. Es handelt sich um Meeresschaum, der von einem Sturm an eine Küste gespült wird. Foto: Fred Tanneau

„Seit Mitte 2023 werden auch wieder an sieben Messstellen in niedersächsischen Küstengewässern monatlich Wasserproben entnommen und analysiert“, berichtet NLWKN-Sprecher Buß mit Blick auf die erwartete Belastung der Küste mit PFAS.

Die Belastung der gesamten deutschen Nordsee mit PFAS hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Sitz in Hamburg im Blick. Dort werden Jahr für Jahr an mehr als 50 Stationen Wasser- und Sedimentproben entnommen.

So bildet sich der Schaum an den Stränden

Dass die See schäumt und den Schaum an die Strände spült, wo er sich wie gelblich grüner Ei-Schnee zusammenballt und auftürmt, ist ein ganz gewöhnlicher Vorgang an der Nordsee: Der Schaum ist das Ergebnis der Algenblüte Mitte bis Ende Mai. Wenn die einzellige Alge Phaeocystis globosa nach der Blüte abstirbt, wird die Gelatineschicht der Alge durch die Wellenbewegung schaumig geschlagen. Der Organismus heißt deshalb auch Schaum-Alge.

Für den Menschen ist die Alge harmlos, auch wenn sie dafür sorgt, dass das Nordseewasser faulig-schwefelig und fischig riecht. Die Ursache für das vermehrte Auftreten von Algenblüten im Bereich der Küstengewässer liegt nach Auskunft des NLWKN eindeutig am hohen Nährstoffeintrag.

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