TNostalgische Weihnachtsgrüße aus der Sammlerkiste
21. Dezember 1917: Lieber Freund Willi! Zunächst wünsche ich Dir gute Feiertage, in der festen Hoffnung, dass Ihr die nächsten Weihnachten wieder zu Haus in der Heimat feiern könnt. Liebe Grüße von Freundin Bertha. Foto: Sammlung Rabbel
Frohe Weihnachten steht meist vorgedruckt auf der bunten Karte, und auf der anderen Seite dann noch ein paar persönliche Zeilen zum Weihnachtsfest. Daran hat sich in mehr als 100 Jahren nichts geändert.
Bis in die 1920er Jahre hinein waren Postkarten ein beliebtes Sammelobjekt, das eine ganze Zubehörindustrie hervorbrachte, die zum Beispiel spezielle Alben oder Sammelkisten produzierte. Auch heute sind die Karten begehrte Sammelobjekte. Jürgen Rabbel zeigt einige seine Schätze.
Der Brauch, Weihnachtskarten an Verwandte, Freunde und Bekannte zu versenden, ist noch gar nicht so alt. Die auf dieser Seite abgebildeten Ansichtskarten wurden zwischen 1913 und 1923 verschickt.
Die ersten Grußkarten sahen aus wie Valentinskarten
Der Ursprung der Weihnachtskarte liegt in Großbritannien im Jahr 1843. Damals ließ sich der Londoner Sir Henry Cole vom Illustrator und Maler John Callcott Horsley eine Weihnachtskarte mit dem Schriftzug „Merry Christmas and a Happy New Year to You“ erstellen. Als Motiv wählte Horsley die Darstellung eines weihnachtlichen Familienfestes, das von Ranken und Reben umrahmt war. Der geschäftstüchtige Cole druckte in seiner Lithographenanstalt 1.000 Karten und ließ sie von Hand bemalen. Preis für die erste Weihnachtskarte: 1 Schilling pro Stück. Für einen Schilling musste ein Fabrikmitarbeiter zur damals einen ganzen Tag arbeiten. Die ersten weihnachtlichen Grußkarten sahen aus wie Valentinskarten: Blumen und romantische Szenen dominierten, religiöse Themen spielten zunächst keine Rolle.
In Deutschland wurden Weihnachtskarten erst später populär
Es sollte mehr als 20 Jahre dauern, bis die Weihnachtskarte in Großbritannien wirklich populär wurde. Das hatte mit drucktechnischen Neuerungen zu tun, die zu niedrigeren Preisen führten. Es entstanden die typischen Weihnachtskartenmotive mit ihren Winterszenen, Weihnachtsmännern, Rauschgoldengeln und Krippen.
Historische Weihnachtskarten
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden im damaligen Deutschen Reich Weihnachtskarten industriell produziert und versendet. Bis zum Ersten Weltkrieg sendeten die Deutschen zu Weihnachten überwiegend sogenannte Wunschblätter. Das waren Briefbögen mit gedruckten Randornamenten und oft einem Bild, in die handschriftliche Grüße oder Gedichte eingesetzt wurden. Das änderte sich aber.
Im Ersten Weltkrieg Trost und Hoffnungspost zu den Feiertagen
„Lieber Willy, wir wünschen Dir die herzlichsten Weihnachtsgrüße und Neujahrswünsche“, steht in knappen Worten auf der Karte von 1917. Frankiert wurde die Karte mit einer Wohlfahrtsmarke. Titel: Luftfahrerdank. Zu sehen ist ein Doppeldecker beim Start. Auf einer anderen Weihnachtskarte, gestempelt am 21. Dezember 1917, heißt es: „Lieber Freund Willi! Zunächst wünsche ich Dir gute Feiertage, in der festen Hoffnung, dass Ihr die nächsten Weihnachten wieder zu Haus in der Heimat feiern könnt. Liebe Grüße von Freundin Bertha.“
Digitalen Weihnachtsgrüßen fehlt die ganz persönliche Note
Auch wenn die postalischen Weihnachtsgrüße längst nicht mehr die Bedeutung wie früher haben, sind Postkarten bei vielen Menschen immer noch sehr beliebt. Denn digitale Weihnachtsgrüße in Form einer Mail oder per WhatsApp sind im 21. Jahrhundert zwar eine beliebte Möglichkeit, schnell, unkompliziert und ressourcenschonend ein frohes Fest zu wünschen. Aber die elektronische Grußkarte ist sehr unpersönlich. Es fehlt das handgeschriebene Wort.
Während der Corona-Zeit erlebte die Grußkarte eine Renaissance
Die Bedeutung der klassischen Weihnachtspost im ersten Corona-Jahr 2020 eine Renaissance. Denn in Zeiten, in denen Besuche nicht so einfach möglich waren, war der liebe Gruß aus dem Briefkasten eine schöne Aufmerksamkeit. Bei den Motiven standen laut einer Umfrage aus dem Jahr bei 31 Prozent der Befragten die Klassiker wie Weihnachtsbaum und Sterne hoch im Kurs. Winterliche Landschaften waren vor allem bei den 50- bis 69-Jährigen gefragt. Auch Karten mit Fotos, zum Beispiel von der Familie, sind – wie schon vor mehr als 100 Jahren - immer noch beliebt. (bel)