TBagger geht baden – Oste entwickelt sich zum Sorgenkind
Mit einem Schwimmbagger könnte die Oste von Bewuchs befreit werden. Doch das geht ins Geld. Foto: Meyer
Das Wetter meinte es 2024 gut mit dem Unterhaltungsverband Obere Oste - kein Hochwasser, kein Sturm. Und doch muss der Bauhof immer mehr Aufwand treiben, um die Gewässer freizuhalten. Eine Mahnung geht auch an Landwirte.
Zeven/Harsefeld. Verbandsgeschäftsführer Wilhelm Meyer verweist regelmäßig darauf, dass Gewässerunterhaltung kein Selbstzweck ist, sondern rechtliche Verpflichtung. Welche Wasserläufe vom Verband zu unterhalten sind, das hat einst das Land festgelegt. Die Unterhaltungspflicht umfasst die Sicherstellung des Wasserabflusses im Verbandsgebiet. Das erstreckt sich im Falle der Oberen Oste auf 96.000 Hektar zwischen Tostedt und Bremervörde. Auf dieser Fläche sind 136 Bäche, Gräben, Kanäle mit einer von 543 Kilometern zu unterhalten.
Dafür ist stetig mehr Aufwand zu treiben. Gründe dafür sind der zunehmende Aufwuchs in den Gewässern, Einschränkungen bei der Räumung, Naturschutz und Klimawandel. Zwar hat es auch 2024 überdurchschnittlich viel geregnet, doch zu anhaltendem Hochwasser kam es nicht. Dank dessen musste Meyer nicht so viel Geld für Instandsetzung und Reparatur ausgeben.
Von den Mitarbeitern des seit 2019 aufwachsenden Verbandsbauhofs wurden im vergangenen Jahr 351 Kilometer Verbandsgewässer maschinell und 16 Kilometer per Hand geräumt. Das letzte unter Vertrag stehende Lohnunternehmen Meier aus Hohenhausen hat 36 Kilometer freigehalten. Hinzu kommen die ehemaligen Landesgewässer Oste-Hamme-Kanal und die Oste.
Gewässer zugewuchert
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Twiste und Oste: Zwei Sorgenkinder des Verbandes
In seinem vor den Mitgliedern des Verbandsausschusses vorgetragenen Bericht ging Wilhelm Meyer explizit auf die regelmäßig extrem zugewachsene Twiste ein. Das Flüsschen muss seit Jahren jeweils einer zweiten Räumung im Sommer unterzogen werden, damit das Wasser noch fließt. Dafür bedarf es einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung, die der Landkreis befristet erteilt. Meyer geht davon aus, dass eine zweite Räumung dauerhaft nötig sein wird.
Ein zweites Sorgenkind des Verbandes ist die Oste. Für den Fluss gelten seit langem besondere Regeln. So schippert Lohnunternehmer Günter Hauschild aus Godenstedt zweimal im Jahr den Flusslauf entlang und beseitigt umgekippte Bäume und andere Hindernisse per Boot. Doch dieses punktuelle Vorgehen reicht nicht. Auch die Oste wächst zu. Verursacher dessen sind in erster Linie Weiden. Sie wuchern am Ufer und sie treiben in der Gewässersohle aus.
Landwirtschaft
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Als der Verband vor einigen Jahren zwischen Brauel und Seedorf einen Kahlschlag veranlasste, gab es Ärger von allen Seiten. Seit die Oste mit Nebenbächen unter Naturschutz steht, ist derart radikales Vorgehen ganz und gar ausgeschlossen. Doch was tun? In Abstimmung mit dem Kreis als Untere Naturschutzbehörde wurde die Oste zwischen Brauel und Sandbostel in beidseitig je 14 Abschnitte geteilt. Auf jährlich sieben Abschnitten sollen Busch und Baum vom Wasser aus zurückgeschnitten werden.
Weidenrückschnitt per Hand: Kampf gegen Windmühlen
Auf drei Abschnitten haben sich ab August 2024 zwei Handräumer dabei verausgabt. Ergebnis: Diese Form des Rückschnitts per Handarbeit „ist als unverhältnismäßig und unzumutbar anzusehen“, stellt Meyer fest. Also hat der Verbandsgeschäftsführer nach Alternativen und wiederum das Gespräch mit dem Landkreis gesucht.
In Oyten tat Meyer eine Firma auf, die einen sogenannten Schreitbagger mit Holzkneifer für Rückschnittarbeiten vom Wasser aus einsetzt. Der Bagger ist bereift und kann das Fahrgestell ausfahren. Doch das Befahren des Flussbettes lehnt der Kreis ab. Also begab sich Meyer erneut auf die Suche. In der Wesermarsch wurde er fündig. Dort gibt es einen Schwimmbagger.
Der wurde vor wenigen Wochen für eine Vorführung in der Oste bei Godenstedt zu Wasser gelassen. Bedenken gegen dessen Einsatz erhebt die Naturschutzbehörde nicht, ließ Meyer den Verbandsausschuss wissen. Dennoch ist der Einsatz fraglich, denn der schlägt mit 300 Euro je Stunde zu Buche.
Kündigung: Verbandsgeschäftsstelle muss Ende 2025 raus
Eine Menge Geldes wird es den Unterhaltungsverband in jedem Fall kosten, sowohl für die Oste als auch für die Aue im Kreis Stade Unterhaltungspläne aufzustellen, die den artenschutzrechtlichen Bestimmungen Rechnung tragen. Dafür muss ein Biologe engagiert werden. Das kostet.
Und dann ist da ja noch das seit 2019 betriebene Vorhaben des Verbandes, auf dem Grundstück in Aspe Bauhof und Geschäftsstelle zusammenzuführen. Ein Hindernislauf. Doch das Ziel scheint in Sicht. „Wir gehen davon aus, in diesem Jahr endlich bauen zu können“, ließ Meyer die Ausschussmitglieder wissen. Die Zeit drängt. Der Landvolkverband als Vermieter sitzt ihm im Nacken. Meyer und seine Mitarbeiter müssen das Dachgeschoss des Grünen Zentrums an der Meyerstraße in Zeven zum 31. Dezember geräumt haben.

Verbandsvorsteher Johann Ropers (links) und Geschäftsführer Wilhelm Meyer (rechts) verabschiedeten Ausschussmitglieder mit warmen Worten und Präsenten. Sechs von neun waren anwesend. Zusammen haben sie 190 Jahre Ehrenamt auf dem Buckel. Foto: Kratzmann
Den Verbandshaushalt für dieses Jahr mit einem Volumen von 1,75 Millionen Euro und einem Bauetat von 750.000 Euro segneten die Ausschussmitglieder ebenso ab wie die Hebesätze von 10,10 Euro je Hektar und 4,18 je Einwohner.
Obere Oste: Ermahnung für Landwirte
Der Unterhaltungsverband wies zu Beginn der Ackersaison zudem auf erforderliche Abstände bei der Beackerung der Anliegerflächen an Gewässern hin. Innerhalb des fünf Meter breiten Gewässerrandstreifens gelten bestimmte Vorgaben.

An der Otter in Byhusen ist die Böschung abgesackt. Beackert wurde nah am Gewässer. Foto: Unterhaltungsverband Obere Oste
Von Seiten des Unterhaltungsverbandes wird empfohlen, insbesondere im Bereich von instabilen Böschungen einen Abstand von zwei Metern unbeackert zu lassen, damit Schäden innerhalb der Gewässerprofile vermieden werden. Bei Nichteinhaltung der erforderlichen Abstände werden die zuständigen Wasserbehörden der jeweiligen Landkreise zum weiteren Verwaltungsvollzug entsprechend informiert.
Bei zu naher Beackerung an die obere Böschungskante wird fester Bewuchs zerstört. Bei einem fehlenden bewachsenen Schutzstreifen im Bereich der oberen Böschungskante entstehen sehr häufig bei Starkniederschlagsereignissen Erosionsrinnen und damit verbunden Böschungsschäden.
In den vergangenen Jahren konnte innerhalb vieler Gewässerabschnitte eine Verbesserung durch einen ausreichenden Abstand zur Böschungsoberkante bei der Beackerung durch die Landwirte festgestellt werden. Trotzdem wird weiterhin seitens des Unterhaltungsverbandes darauf hingewiesen. (bz)