TPfingstmarkt Neukloster: Robert Paulsen lebt für den Kirmes-Kick
Martin Ruehs (links) und Ralf Meyer vom Heimatverein Neukloster (rechts) testen mit Robert Paulsen die Riesenschaukel. Foto: Felsch
Nicht zu übersehen: Die Riesenschaukel auf dem Pfingstmarkt Neukloster - das Karussell, das es nur fünf Mal in Deutschland gibt, ist der ganze Stolz von Schausteller Robert Paulsen.
Buxtehude. „Ich bin Schausteller aus Leidenschaft“, stellt sich Robert Paulsen auf dem Pfingstmarkt vor. Die Kirmes in Neukloster beginnt am Samstag um 15 Uhr und dauert bis Montag.
Robert Paulsen verspricht mit seiner Riesenschaukel Spektakel. Er stammt aus einer Schaustellerfamilie in der sechsten Generation. Seine Vorfahren gehörten zu den Gauklern, die in Hamburg auftraten, bei Schietwetter in der Kirche. „Daher der Name Hamburger Dom“, weiß er. Aufgewachsen mit dem Kirmesgeschäft, kann er sich beruflich nichts anderes vorstellen.
Schausteller Robert Paulsen auf der Ausruhbank nach dem Flug in den Himmel. Foto: Felsch
Auf dem Hamburger Dom hat er seine Frau Tatjana kennengelernt. Ihre Design-Agentur hatte seinen Ausschankstand verschönert und nun die 78.000 Kilo schwere Riesenschaukel, die im Oktober von der Herstellerfirma KMG aus Holland ausgeliefert wurde. Erst wollte Paulsen norddeutsche Motive, doch als das Paar im Urlaub eine Tiki-Taki-Maske sah, fiel die Entscheidung für die farbenfrohe Variante, die - 18 Meter breit und 14 Meter tief - die Blicke auf sich zieht.
Gefühl ähnlich wie in der Achterbahn
Auf die Frage von Ralf Meyer vom Heimatverein, ob damit auch ein Looping möglich sei, kommt die Antwort: „Nur ein Mal, dann ist die Technik im Eimer, nein, im Ernst, wir haben diese Art gewählt, weil wir glauben, die Leute wollen eher keinen Überschlag.“

Riesenschaukel und Riesenrad - zwei Giganten auf dem Pfingstmarkt. Foto: Felsch
Wer sich in sein Schmuckstück hineinwagt - ein Ticket kostet 7 Euro - kommt hoch hinaus. 45 Meter. Mit einer Geschwindigkeit um 120 Stundenkilometer. Die Fliehkräfte sind vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt, vier G - was so viel bedeutet wie das Vierfache des eigenen Körpergewichts. „Oben hat man ein Gefühl der Schwerelosigkeit, der Kick ereilt einen, wenn es runtergeht, das macht den Spaß aus“, erklärt der Experte.
Hohe Sicherheitsstandards
Angst müsse niemand haben, sagt der Mann, der erst eine kleinere Schaukel bestellen wollte, dann aber auf Wunsch seiner Frau die XXL-Variante wählte, die 20 Personen Platz bietet. In bequemen, gepolsterten Sesseln, jeder davon mit einem Sicherheitsgurt. „Die Gondelverriegelung ist dreifach abgesichert“, erläutert Paulsen am „Kommandostand“.

Willkommen im Tiki Taki Land - für 7 Euro Eintritt. Foto: Felsch
Von dort aus wird das Karussell in Fahrt gesetzt. „Aber nur wenn der Bügel richtig einrastet - ist er nur halb offen, funktioniert der Start nicht.“ Deutschland sei nicht nur Kirmesland Nummer eins, sondern habe weltweit die strengsten Sicherheitsauflagen. Einmal im Jahr wird vom Haupt-TÜV überprüft und vor jeder Veranstaltung noch mal vom TÜV oder der Bauaufsicht.
„Wir Betreiber haben eine Checkliste vom Hersteller, nach der wir abhaken“, fügt Paulsen hinzu. Dazu gehören das Nachfetten und die Sichtkontrolle, ob jede Schraube fest sitzt.
Nach drei Minuten ist Schluss
Eine weitere TÜV-Vorgabe ist die Zeit, die der Fahrgast im Tiki Taki verbringt. Nach drei Minuten stoppt das Karussell automatisch. „Das ist nur bei neuen Fahrgeschäften, ältere Karussells dürfen länger“, sagt der Fachmann.
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Drei bis vier Leute werden gebraucht für den Aufbau. „Wenn sie morgens um 8 Uhr anfangen, sind sie um 17/18 Uhr fertig“, weiß Paulsen. Der Abbau dauere sechs Stunden. Mit drei Lkw wird das Drei-Millionen-Euro-Karussell von einem Ort zum anderen transportiert. Die Kosten für Fahrer und Sprit belaufen sich auf rund 4000 Euro - wovon das meiste Geld für Benzin draufgeht, was den Schausteller schon ärgert. Noch mehr, wenn die Lkw kilometerweite Umwege fahren müssen, weil manche Brücken aufgrund ihres baulich schlechten Zustands nicht befahren werden dürfen.
Auch die gestiegenen Stromkosten treffen die Schausteller. „In der Corona-Zeit haben viele von uns auf ihre Ersparnisse zurückgreifen müssen, so wie ich. Jetzt kommen die hohen Kosten für Diesel und Energie, da wünschten wir uns schon Maßnahmen der Regierung, denn wir sind diejenigen, die die Volksfeste erhalten und den Menschen Freude bereiten“, sagt der Schausteller.
Neukloster ist beliebt bei den Schaustellern
Lob gibt es für den Heimatverein Neukloster, der den Pfingstmarkt, auf dem er zum ersten Mal ist, ausrichtet. Neukloster sei nicht umsonst so beliebt bei den Schaustellern. Deshalb hat auch sein Bruder seinen Churros-Stand hier aufgebaut.
Unweit seines Karussells steht der Wohnwagen, wo Robert mit seiner Frau und der drei Monate alten Tochter die Pfingsttage verbringt. Danach geht es nach Verden, Wuppertal und zu weiteren Kirmesplätzen deutschlandweit - bis zum Winter. Zwei Monate verschwindet die XXL-Anlage dann im Lager in Handorf, bevor es im nächsten Jahr wieder losgeht.
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