TPortemonnaie wieder da: Ehrlicher Finder rührt Altländer zu Tränen
Der ehrliche Finder Mohammed Kashif und Dirk Müller nach der Übergabe des Portemonnaies. Foto: Kashif
Es schien kein guter Tag für Dirk Müller aus Königreich: Erst war die Augenarztpraxis in Stade geschlossen, dann verlor er sein Portemonnaie. Doch es kam anders - dank Mohammad Kashif.
Drochtersen. Dirk Müller war extra aus Königreich nach Stade zum Augenarzt gefahren. Doch dann stand er dort überraschend vor der geschlossenen Praxis. Ein Schild an der Tür wies auf die neuen Öffnungszeiten hin. Um es zu fotografieren und dabei die Hände frei zu haben, legte er sein Portemonnaie auf einer nahen Mauer ab. Doch das fiel ihm erst eine halbe Stunde später wieder ein.
„Ich fuhr sofort zurück, aber das Portemonnaie war weg“, berichtet Dirk Müller. Mitsamt ziemlich viel Bargeld, Ausweisen, Krankenkassenkarte und Bankkarten. Er ließ sie sofort sperren. Es war ärgerlich. Doch trotz allem fuhr er drei Tage später mit seiner Frau zu einem Besuch nach Rostock und dann weiter zu einer Hochzeit in Berlin. Erst am darauffolgenden Sonntag waren sie wieder zu Hause - und fanden im Postkasten einen Zettel mit einer Handynummer und einer Nachricht.
Der Zettel im Briefkasten
Er habe ihm etwas Wichtiges mitzuteilen, schrieb ihm ein gewisser Mohammad Kashif aus Drochtersen. „Ich habe gleich angerufen und bin dann zu ihm gefahren“, berichtet Dirk Müller. In Drochtersen angekommen, übergab Kashif ihm sein Portemonnaie vollständig mit allem, was darin war und lud ihn zu einer Erfrischung ein.
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Im Gespräch beim Tee mit Mohammad Kashif und seiner Familie erfuhr Dirk Müller, was seit dem Verlust seiner Geldbörse geschehen war: Kashif hatte das herumliegende Portemonnaie gesehen und dank der Karten darin seine Adresse gefunden. Da der 30-Jährige kein Auto hat, setzte er sich in den Bus und fuhr nach Königreich. Doch in Müllers Haus traf er niemanden an. So fuhr er ein paar Tage später wieder hin - und wieder war niemand zu Hause. Darum warf er den Zettel ein.
Ehrlicher Finder kam als Flüchtling
Mohammad Kashif hat Dirk Müller auch erzählt, wie er nach Drochtersen gekommen ist: Er und seine Frau flüchteten vor dem Krieg in Syrien und kamen in einem mit 80 Personen völlig überfüllten Schlauchboot über die Ägäis nach Deutschland. Heute sind sie in Drochtersen gut angekommen. Sie haben zwar kein Auto, sprechen aber gut Deutsch und haben beide Jobs. Ihre beiden Töchter wurden hier geboren und besuchen die erste und die zweite Klasse der Grundschule.
„So liebe Menschen. Ich habe geweint vor Freude“, sagt Dirk Müller, der die Geschichte des verlorenen Portemonnaies und seines ehrlichen Finders dem TAGEBLATT erzählt hat.
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