TPremiere in Buxtehude: TAGEBLATT beim gemeinsamen Fastenbrechen dabei
Katrin Gürtler, Erkan und Gökben Dündar mit Tochter Zehra sowie Yalcin Enver und Michael Brinkmann genießen die türkischen Nationalspeisen. Foto: Felsch
Zum Auftakt der internationalen Wochen gegen Rassismus öffneten Mitglieder der islamischen Gemeinde in Buxtehude ihr Haus und luden zu einem ganz besonderen Ereignis ein.
Buxtehude. Es riecht verführerisch nach Gewürzen und einem Hauch von Knoblauch. Die Schuhe bleiben im Flur, dann geht es ins kleine, gemütliche Wohnzimmer - auf dem Tisch eine appetitlich angerichtete Schale mit frischen Obststückchen. Aber noch ist es nicht soweit. Das Fastenbrechen beginnt erst um 18.31 Uhr.
Es war das erste Mal, dass Mitglieder der islamischen Gemeinde Buxtehude zum gemeinsamen Fastenbrechen baten. 26 Interessierte nahmen das Angebot „Buxtehude is(s)t zusammen“ am Sonntag an und erlebten einen Abend, „an dem Türen, Teller und Herzen geöffnet werden“, wie es im Programmheft hieß.
Gastgeber Erkan Dündar schaut, ob alles angerichtet ist. Foto: Felsch
Zu den sechs Gastgebern gehört Erkan Dündar. Die Gäste: Katrin Gürtler von Omas gegen Rechts, Michael Brinkmann vom Bunten Block, die TAGEBLATT-Reporterin und der Vorstandsvorsitzende der islamischen Gemeinde Yalcin Enver.
Früh aufstehen für das erste Gebet
„Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang essen und trinken wir nichts“, erklärt Zehra Dündar. Ihr Vater Erkan Dündar vom Vorstand der islamischen Gemeinde fügt hinzu: „Da jeden Tag die Sonne zu einem anderen Zeitpunkt auf- und untergeht, verschiebt sich auch das erste Gebet Fadschr, das traditionell vor der Morgendämmerung stattfindet. Im Monat Ramadan markiert es gleichzeitig den Beginn des täglichen Fastens.“ Der Fastenmonat endet am 19./20. März.

Gökben Dündar bei den letzten Vorbereitungen in der Küche. Foto: Felsch
Der Internist und Kardiologe, in Buxtehude geboren und aufgewachsen, verweist auf eine App, die die exakten Daten anzeigt. Das bedeutet, dass die Gläubigen zwischen 4 und 5 Uhr aufstehen. Der 49-Jährige isst dann ein Müsli mit Früchten, was eine ganze Weile vorhalte. „Viele legen sich nach dem kleinen Imbiss wieder hin. Sonst ist es schwer, bis abends durchzuhalten“, bestätigt seine Frau Gökben, die in der Küche am Herd steht.

Sohn Mohammed hilft gerne beim Essenzubereiten. Foto: Felsch
Sohn Mohammed holt die Teigkartoffeltaschen aus dem Ofen, während Neffe Mehmet die Weinblätter in eine Porzellanschale schichtet. Dann ist es soweit. Alle dürfen an dem üppig gedeckten Tisch Platz nehmen. Zuerst reicht der Hausherr eine Schale mit Datteln herum, auch eine Tradition.
Fasten ist Kopfsache
„Ich habe einen riesigen Hunger und heute schon auf den Sonntagskuchen verzichtet“, verkündet Michael Brinkmann. „Weil ich zur Migräne neige, habe ich etwas gefrühstückt, mehr nicht“, erzählt Katrin Gürtler. Die TAGEBLATT-Reporterin hat sich ebenfalls an die strengen Regeln gehalten. Kopfschmerzen sind die Folge. „Das ist nur am ersten Tag, das vergeht“, tröstet Zehra Dündar.

Yalcin Enver und Michael Brinkmann freuen sich, bei Familie Dündar zu Gast zu sein. Im Hintergrund Mohammed Dündar. Foto: Felsch
„Gewöhnungssache“, pflichtet ihr Vater bei. Es sei Kopfsache oder Gottes Segen, wenn man es schaffe, das Fasten durchzuziehen. „Wenn ich weiß, es ist Ramadan, fällt es mir nicht mehr schwer“, sagt der Mediziner. Das Einzige, was ihn stört: Der Schlafrhythmus komme durcheinander, weil man früher aufstehe als üblich.
Für ihn ist der Verzicht ein gelebtes Glaubenszeugnis, eine freiwillige Anerkennung der Autorität von Allah. „Das Fasten bringt mir was, genauso wie die Gebete, die den Stress wegnehmen, mir helfen, mich zu erden und Demut zu üben.“
Türkische Nationalgerichte - vegan zubereitet
Weil ihr Gast Michael Brinkmann Veganer ist, gibt es nur ein einziges Fleischgericht, eine Reispfanne mit Huhn. Außerdem: gefüllte Weinblätter, Kartoffel-Teigtaschen, Auberginen mit veganem Hack, Salat, Yaglama, das aussieht wie Pizza und dessen Fladen in Naturjoghurt getaucht werden sowie Fellah Köftesi - Klöße aus Hartweizengrieß in Tomatensoße.

Gökben und ihre Tochter Zehra eröffnen das Fastenbrechen. Foto: Felsch
Beim Essen entspinnt sich ein lebhaftes Gespräch - nur kurz unterbrochen von dem Abendgebet, das die Familie und Yalcin Enver im Nebenraum vollziehen. Auch das gibt Futter für weiteren Gesprächsstoff. Wie man es schaffe, sich fünfmal am Tag niederzuknien? „Natürlich klappt das nicht immer. Wer arbeiten muss, holt das dann nach“, erläutert der Gastgeber und serviert Tee oder Kaffee zum süßen Dessert, dem Kuchen Revani.

Ein filigranes Gastgeschenk als Erinnerung. Foto: Felsch
„So satt wie ich jetzt bin, kann das Frühstück morgen ausfallen“, bemerkt Michael Brinkmann augenzwinkernd. Das Fasten einen ganzen Monat durchzuziehen, nötigt nicht nur ihm Respekt ab.
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