TProbleme mit Kastrationspflicht: Tierheime fordern härteres Vorgehen
Eine Katzenmutter mit ihren Kitten im Tierheim Cuxhaven. Foto: Tierheim Cuxhaven
Tierschützer sind verzweifelt: Dutzende Katzenbabys kommen jedes Jahr in die hiesigen Tierheime. Oft sind die Kätzchen schwer krank und stammen von wild lebenden Tieren. Eine Ursache des Problems liegt trotzdem im privaten Haushalt.
Bremerhaven. Jedes Jahr landen in den Tierheimen Bremerhaven und Cuxhaven etwa 100 bis 150 Katzenbabys. „Enthalten sind hier nicht die toten Tiere, die zu uns gebracht oder von denen uns berichtet wird. Und dann gibt es leider auch noch die, über die uns keine Zahlen vorliegen, weil sie einfach mit dem Hausmüll entsorgt werden“, sagt die Leiterin des Bremerhavener Tierheims Amelie Bensch.
Trotz der in Bremen und Niedersachsen geltenden Kastrationspflicht verschlimmert sich die Lage. „Die Anzahl der Kitten, die wir im Tierheim versorgen, hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt“, sagt Bensch. Die Tierheime sind sich einig: Es braucht verschärfte Maßnahmen und mehr Aufklärung in der Gesellschaft.
Babys von Straßenkatzen landen in den Tierheimen
In Bremerhaven sind in diesem Jahr bisher vier Mütter mit 18 Kitten gelandet, in Cuxhaven drei Muttertiere mit elf Kitten, außerdem eine trächtige Katze. Dabei ist die „Kittensaison“ (von März bis Oktober) gerade erst gestartet.
Besonders herausfordernd sei für das Tierheim die Versorgung von Katzenbabys ohne Mutter, die noch nicht selbstständig Nahrung aufnehmen können, sagt die Cuxhavener Tierheimleitung Laura Reyelts. „Diese müssen rund um die Uhr, also auch nachts, alle zwei bis drei Stunden mit der Flasche gefüttert werden.“
Das sei nicht nur enorm zeitintensiv, sondern stelle auch eine große emotionale Belastung für die Tierpfleger dar. Unterstützung bekommen die Tierheime im Notfall von erfahrenen Pflegestellen - Privatpersonen wie kooperierenden Vereinen.
Zum Großteil handelt es sich um „verwilderte oder zugelaufene Tiere, die auf Grundstücken oder Höfen ihre Jungen zur Welt bringen“, sagt Reyelts.
Straßenkatzen landen am häufigsten im Tierheim
Trotzdem haben gerade private Katzenhalter eine große Verantwortung. Denn bei den wild lebenden Tieren handelt es sich um „die Nachkommen von nicht kastrierten Hauskatzen, die Freigang hatten, oder auch von ausgesetzten oder zurückgelassenen Tieren“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund.
Auch in Bremerhaven seien es überwiegend Straßenkatzen, die im Tierheim landen, sagt Bensch. Aber: „Gerade im letzten Jahr sind auffallend viele zahme Katzen zu uns gekommen, die eindeutig aus einem Haushalt stammen. Die Besitzer waren vermutlich überfordert oder haben festgestellt, dass die Katze tragend ist und sie dann ausgesetzt.“
Allein in Niedersachsen gibt es nach Schätzungen des Landestierschutzverbands über 200.000 Straßenkatzen. Je mehr herrenlose Tiere es gibt, desto schneller breiten sich Krankheiten aus. Da die Tiere niemanden haben, der sich um sie kümmert, geschweige denn medizinisch versorgt, leiden oder verenden die Kätzchen im Stillen.
Hat die Kastrationspflicht ihre Wirkung verfehlt?
Die Kastrationspflicht sollte das Problem lösen. Nach Angaben der Tierheimleiterinnen habe diese allerdings keine spürbare Veränderung herbeigeführt. „Nach wie vor gelangen viele unkastrierte und zudem nicht gekennzeichnete Katzen ins Tierheim“, sagt Reyelts.
Der Vorsitzende des Landestierschutzverbands Niedersachsen, Dieter Ruhnke, sieht das Problem darin, dass noch keine Kastrationsverordnung erlassen wurde. Diese würde besagen, wie die Kastrationspflicht umgesetzt werden soll.
Das Tierheim Cuxhaven sieht auch die soziale Hemmschwelle als großes Problem. „Viele Nachbarn scheuen sich, Verstöße zu melden, um Konflikte in der Nachbarschaft zu vermeiden.“
Aus Sicht der Tierheime braucht es härtere Maßnahmen, um die unkontrollierte Vermehrung frei lebender Katzen einzudämmen. Laut Bensch wären für eine Verbesserung der Lage Kontrollen durch Behörden notwendig. Auch Reyelts hält Kontrollen für unerlässlich, insbesondere auf Höfen.
„Außerdem sollte es unbedingt eine Registrierungspflicht geben“, sagt Amelie Bensch. Dadurch könnten die Behörden besser kontrollieren, ob Besitzer der Kastrationspflicht nachgekommen sind. Auch aus Sicht des Vorsitzenden des Landestierschutzverbands müsse das Bewusstsein für den Tierschutz bei Hauskatzen geschärft werden, „allen voran Kastrations- und Chip-Pflicht“.
Kastrationsaktionen für Streunerkatzen
Die Tierärztekammer Niedersachsen bietet in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund zweimal jährlich kostenlose Kastrationsaktionen für verwilderte Katzen an.
Der Bremerhavener Tierschutz betreibt gemeinsam mit anderen Tierschutzvereinen einen Kastrationsfond, aus welchem die Kastration von Fundtieren bezahlt wird. Auch fängt das Team immer zu Jahresbeginn Katzen ein, um sie zu kastrieren.
Für den Fall, dass jemand in der Nachbarschaft wild lebende Tiere entdeckt, stellt das Tierheim Bremerhaven Katzenfallen zur Verfügung. „Hierfür gibt es natürlich eine umfangreiche Beratung und Begleitung. Die Katzen werden dann zu uns gebracht, damit wir bei der Kastration unterstützen können“, so Bensch.