TRaffinesse vom Rost: Wie die Barbecue-Fans für Grill-Genuss sorgen
Melanie Kröger hat Geduld und die BBQ-Sauce immer im Blick. Foto: Klempow
Beim BBQ-Festival in Himmelpforten werden Spezialitäten serviert, in denen viel Raffinesse und Handarbeit steckt. Auch die Sauce köchelt über Stunden. Von Geheimzutaten und schnellen Rezepten.
Himmelpforten. Die Pavillons stehen, die Outdoor-Küchen sind aufgebaut und blitzblank geputzt. Rauch steigt aus den beiden großen Smokern auf. Langsam kehrt nach dem ersten Aufbau-Stress am Freitagabend ein bisschen Ruhe im Park der Villa von Issendorff in Himmelpforten ein. So soll es doch auch sein, beim Barbecue.
Fachsimpeln am Grill
Der Abend und die Nacht vor dem Festival am Sonnabend, 4. Juli, haben die Geheimzutaten für alles, was beim Ein-Tages-Festival serviert wird: Zeit, Geselligkeit und das Fachsimpeln unter Kennern und Freunden.

Zucker gehört in jede gute BBQ-Sauce, sind sich die Kenner einig. Zum Beispiel als Cola. Foto: Klempow
Melanie Kröger und Dennis Timmermann haben einen Job übernommen, der auf jeden Fall Zeit braucht. Sie stehen an einer großen Grillpfanne, in der es über offenem Feuer im Grill blubbert. Timmermann öffnet noch eine Flasche Cola und gießt den Liter dazu.
Auch die Sauce wird über Feuer frisch gekocht
„Zwiebeln und Kirschen sind drin, getrocknete Kirschen. Jetzt kommt die Cola drauf, die reduzieren wir ein. Dann Ketchup, Gewürze, Chipotle“, sagt Timmermann. Wie lange wird es dauern? „So lange wie es braucht“, sagt er und grinst. Am Ende ist die Cherry-Chipotle-Sauce eine Komponente der Nord-Smoker-Burger.

BBQ-Festival-Macher Basti bereitet 40 Kilo Rindernacken für das Garen im Smoker vor. Foto: Klempow
Das Fleisch dafür ist schon im Smoker. Unter anderem die Rindernacken. „Guck mal, wie schön die marmoriert sind“, sagt Basti. Alle nennen Nord-Smoker-Chef Sebastian Jakubowski so. Die großen Stücke werden in handlicheres Format zerteilt und in einer Rubmischung gewälzt.
Gewürzmischung mit ein bisschen Zucker
Das Rezept dafür „ist kein Staatsgeheimnis“, sagt Basti. „Meersalz, geschroteter schwarzer Pfeffer, man kann auch bunten Pfeffer nehmen. Knoblauchgranulat, Zwiebelgranulat und etwas brauner Zucker“, sagt Basti. „Zucker für die Karamellung“ - Bastis spontaner und angesichts der großen Fleischstücke passender Ausdruck fürs Karamellisieren.

Eingerieben wird das Fleisch mit Bastis Mischung aus Salz, Gewürzen und ein bisschen Zucker. Foto: Klempow
In den Smoker kommt auch noch Brisket - Rinderbrust. Pitmaster (Grillmeister) Basti weiß, wie sie butterzart wird: Garen im Eichenholzrauch bei etwa 100 Grad - und 14 Stunden. Nicht nur Basti bleibt über Nacht.
Von Buxtehude nach Schleswig-Holstein
Am Soßen-Grill füllt Dennis Timmermann noch mal Cola nach. Ein offenes Feuer, auch das kleine im Grill, wird ganz von allein zum Treffpunkt. Markus Hofmann gesellt sich dazu. Er ist mit dem Aufbau seines Standes fertig. „Rehzept“ ist seit sechs Jahren seine Marke. Hofmann war der erste Wildsommelier in Schleswig-Holstein. Auch in Buxtehude hat er lange gelebt.
Aber es zog ihn noch weiter in den Norden. Sein Grillgut liegt in der Kühlung bereit. Während am Stand gegenüber auf dem Transparent der „Fishtown Smokers“ steht „Wir können alles außer Bratwurst“, ist das genau eine Stärke von Hofmann.
Mit Johann Lafer auf der Bühne
Übers Wurstmachen hat er ein Buch geschrieben, und er bietet Seminare an. Vor allem aber sei er „Wildbotschafter“, sagt Hofmann. Vor zwölf Jahren hat er seinen Jagdschein gemacht. „Wild nicht nur Weihnachten, sondern das ganze Jahr“ ist sein Credo.

Markus Hofmann lebte einst in Buxtehude und ist nun Wildsommelier und Wurstspezialist in Schleswig-Holstein - mit eigenen Gewürzmischungen. Foto: Klempow
„Das Rehzept ist schnell ein Markenname geworden“, erzählt er. Er hat bei Jagd-Messen schon mit Johann Lafer auf der Bühne gekocht. Für ihn ein „Ritterschlag. Ich habe ja nie Koch gelernt, ich bin Elektromeister“, sagt er. Aber es ist ihm wichtig, ein Leben lang zu lernen. Also machte er auch noch die Ausbildung zum Wildsommelier und trägt das entsprechende Abzeichen am Jackenärmel.
Eigene Rehzept-Gewürzmischungen
In Himmelpforten wird er Wildwurst grillen. Eine klassische, grobe Bratwurst mit Rehfleisch, Wildschwein und „Fett vom Galloway-Rind“. Dabei hat er auch Bio-Schweinewurst mit Jalapeño, Speck und Käse, einen Wildleberkäse und Pulled Wild Boar - gezupftes Wildschwein-Fleisch aus dem Räucherschrank.

Wurst aus Wild: Die hausgemachte Spezialität kommt bei Wildsommelier Markus Hofmann am Sonnabend auf den Grill. Foto: Klempow
Inzwischen hat er auch eine eigene Gewürzmischung-Reihe, passend für Fleisch aber auch Gemüse. Die Tütchen heißen „Rehvolution“ oder „Rehperbahn“.
Eigene Kreationen - die kann auch Bastian Renck vom Kastanienhof in Deinste. Er hat einen hausgemachten Limoncello im Angebot, schon mal einen Grauburgunder gemacht und einen eigenen Rum. „Aus einer der ältesten Destillen Kubas. Fünf Jahre gereift, in amerikanischer weißer Eiche, flavoured mit karibischem Honig“, sagt Renck.
Genuss-Getränke vom Kastanienhof
Das Plakat dazu „ist eine Hommage an Erwin Ross, den Maler von der Reeperbahn“, sagt Renck. Er hatte auch schon mal eine Disco auf dem Kiez. Am Sonnabend kredenzt er im Pavillon seiner Event-Location Kastanienhof beim BBQ-Festival Genuss-Getränke.

Bastian Renck serviert beim BBQ-Festival hauseigenen Genuss vom Kastanienhof in Deinste: ausgesuchte Weine. Und er hat auch einen eigenen Limoncello auf der Karte. Foto: Klempow
Durch den Park weht der Duft von Rauch. Nicht beißend, sondern dezent. Am Grill steht noch immer Melanie Kröger und rührt umsichtig die Soße. Dennis Timmermann kippt Cola nach. Zucker braucht jede gute BBQ-Sauce - viel Zucker.

Beim BBQ-Festival grillen Sascha Kensik und Laurent von Borstel Smash-Burger auf der Platte am Stand von Oste-Wagyu. „100 Prozent Wagyu-Fleisch aus eigener Zucht vom Hof Meyer in Oberndorf“, sagt Kensik. Foto: Klempow
Tipp für eine schnelle Barbecue-Sauce
Markus Hofmann blickt entspannt auf die köchelnde Masse, die noch ihre Zeit brauchen wird. Der Wildsommelier hat noch einen Tipp für Eilige: „Ganz einfacher Trick. Ganz normaler Ketchup in den Topf, dazu einen ganz starken, dreifachen Espresso, dann wird die Soße dunkel, du hast das Rauchige, vielleicht noch ein paar Zwiebeln - lecker.“

Vorbereitungen für den Ansturm der Gäste: Peter Baumgarten von Nord Smoker BBQ aus Himmelpforten. Foto: Klempow
Die Nord-Smoker-BBQ-Sauce darf noch köcheln - wenn es sein muss, die ganze Nacht.
Das BBQ-Festival in Himmelpforten mit zwei Bands auf der Bühne ist am heutigen Sonnabend, 4. Juli, noch bis etwa 22 Uhr geöffnet.

Nur einer der riesigen Smoker im Garten der Villa von Issendorff. Hier darf das Fleisch über viele Stunden langsam garen. Foto: Klempow
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