TRattenplage in Zeven: Schreiben aus Rathaus erzürnt Anwohner
In Zeven gibt es eine Rattenplage im Bereich Erlenweg und Eschenweg. (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
„Sie haben uns überrannt“: Bis zu 40 Ratten werden nachts in einem Garten gesichtet. Die Plage in einem Wohngebiet ist amtlich hinterlegt. Jetzt sollen die Anwohner auf eigene Kosten tätig werden. Das bleibt nicht ohne Protest.
Zeven. Nachts, wenn es dunkel ist, kommen sie aus allen Ecken und belagern die Gärten: Ratten. Anwohner aus dem Zevener Erlenweg und Eschenweg möchten nicht länger schweigen, denn seit Jahren kämpfen sie in dieser Wohngegend gegen Ratten. Jetzt ist die Situation so schlimm, dass ein Schädlingsbekämpfer anrücken musste.
Doch was er festgestellt hat, ist noch dramatischer als die Anwohner dachten: Die Tiere haben bereits die Gärten und wohl auch die Kanalisation bevölkert, überall ist Rattenkot zu finden, erzählt Tanja Brockhoff unserer Redaktion. Auch am helllichten Tag werden die Ratten mittlerweile gesehen, sie haben es sich in den Gärten gemütlich gemacht. „Nachbarn können seit Jahren keinen Besuch mehr empfangen“, weiß die Zevenerin aus dem betroffenen Gebiet zu berichten.
Sie ärgert sich nicht über das Problem an sich, sondern über die zuständigen Behörden. „Seit Jahren ist das Problem bekannt, der Landkreis hat es einschlafen lassen und sich nicht gekümmert“, so ihr Vorwurf an die Kreisverwaltung, insbesondere in Richtung Gesundheitsamt. „Ich verstehe es einfach nicht.“
Die Ratten fühlen sich wohl in den verschiedenen Gärten im Eschenweg und Erlenweg in Zeven. Sie sind mittlerweile auch am Tag von Anwohnern und Passanten zu sehen. Foto: Privat/Zevener Zeitung
Ratten sollen vor Jahren schon aufgetaucht sein
Die ersten Sichtungen und Meldungen an die Behörden sollen 2023 erfolgt sein und Anwohner dann von der Stadt Zeven zur Beköderung aufgerufen worden sein, erinnert sie sich. „Eigentlich geht die Sache aber schon seit 2017, dass man gegen starke Gerüche kämpft, gegen Unrat und Ungeziefer“, weiß die 45-Jährige und erzählt auch, dass es bereits mehrere Satellitennester von Ratten in der Umgebung geben soll.
Eine weitere Anwohnerin berichtet: „Die vermehren sich en masse. Das ist nicht mehr normal, es ist richtig ekelig. Und es sind nicht nur kleine Viecher. Nachts gucken einen nur Augen an.“ Sie selbst hat das Igelfutter schon reingeholt, damit sich nicht die Ratten daran bedienen. „Hier spielen kleine Kinder, das muss echt nicht sein“, schimpft sie. In dem Wohngebiet gibt es einen Spielplatz und weitere in unmittelbarer Nähe.
Woher die heftige Rattenplage im Eschenweg und Erlenweg kommt, wissen die Anwohner auch: Angeblich sollen die Tiere gefüttert werden. Die Nachbarschaft macht jetzt Druck, niemand möchte sich mehr damit abfinden. Im Garten sitzen und grillen? Das können sie in der dichten Wohngegend schon längst nicht mehr.
Schädlingsbekämpfer bestätigt Rattenplage
In der Tat gibt es im Erlenweg und Eschenweg „ein starkes Rattenproblem“, bestätigt der Schädlingsbekämpfer gegenüber der „Zevener Zeitung“. Die Maßnahmen vor Ort seien noch nicht abgeschlossen. Die Ratten hätten sich vom eigentlichen Herd in die umliegenden Gärten ausgebreitet, so seine Feststellung.

In den Gärten am Eschenweg und im Erlenweg sollen jetzt Köderboxen helfen, um gegen die Ratten vorzugehen. Ein Schädlingsbekämpfer war bereits vor Ort. Foto: Harder-von Fintel
Wie es jetzt mit den Ratten weitergeht, ist fraglich. „Die Stadt beködert das Gebiet weiter“, weiß Tanja Brockhoff und lobt den Einsatz der Verwaltungsmitarbeiter, die aktiv geworden seien - „wenn auch mit Verzögerung“, so die betroffene Anwohnerin. „Die Stadt macht das, was sie machen kann.“
Samtgemeindebürgermeister Henning Fricke hat sich bereits selbst vor Ort ein Bild gemacht und mit den Betroffenen über das Rattenproblem gesprochen.
Schreiben sorgt für Unmut
In die Briefkästen im Braueler Weg flatterte kürzlich ein Schreiben der Samtgemeinde Zeven. Darin werden die Anwohner aufgefordert, eine Schädlingsbekämpfung auf ihren Grundstücken auf eigene Kosten vorzunehmen. Die Art und Weise, insbesondere der Tonfall in dem Brief, stößt bei betroffenen Bürgern auf Kritik.
Zumal, wie Anwohner in der „Zevener Zeitung“ sagen, sie auf ihrem Grundstück bisher keine Ratten entdecken konnten. „Wir kontrollieren überall auf dem Grundstück. Uns zu unterstellen, dass wir Ratten haben, ist eine Frechheit“, so die Reaktion einer Anwohnerin. Damit meint sie das Schreiben der Verwaltung. Konkret geht es um die Passage: „... bei mir sind Hinweise eingegangen, dass sich auf Ihrem o.g. Grundstück vermehrt Ratten aufhalten“.
Eine Bekämpfungsmaßnahme sei erforderlich, um eine Ausbreitung der Tiere einzuschränken. „Ob Sie selber die Schädlingsbekämpfung durchführen oder einen Schädlingsbekämpfer beauftragen, bleibt Ihnen überlassen“, werden Anwohner aus dem Braueler Weg zum Handeln aufgefordert.
Für den Fall der Nichtbefolgung werde die Verwaltung die Schädlingsbekämpfung auf Kosten der Anwohner oder Eigentümer durchführen lassen.
Anwohner haben nichts gegen die Information allgemein
„Wir untersuchen unser Grundstück jeden Tag und haben bis heute keine Ratte beziehungsweise Rattennest entdeckt“, so betroffene Anwohner. Hinzu komme, dass in den Geschäften kein wirksames und für andere Tiere ungefährliches Rattengift zu bekommen sei. Sie möchten klarstellen, dass sie nichts gegen den allgemeinen Inhalt des Briefes haben. Es gehe um die Art und die Unterstellung. „Eine Information über den Rattenbefall in der Umgebung ist absolut richtig“, betonen sie.
Die Zevener Verwaltung bestätigt das Versenden der Briefe. Die Samtgemeinde hat formal Anlieger in Zeven, in Teilbereichen südlich und nördlich der sogenannten „Nebenbahnlinie Richtung Tostedt“, angeschrieben und sie zugleich aufgefordert, präventiv zur Sicherung der Hygiene und zur Vorbeugung einer weiteren Ausbreitung von Ratten tätig zu werden. „Dies bedeutet das Ausbringen von entsprechendem Ködermaterial auch auf privaten Grundstücken“, heißt es dazu auf Nachfrage aus dem Rathaus.
Norddeutschland
T „Von Tag zu Tag werden es mehr“: Anwohner leiden unter Rattenplage
„Die Verbreitung von Ratten geschieht meist unbemerkt und recht schnell. Augenscheinlich wird dies meist nicht oder auch nur kaum wahrgenommen. Jedes Grundstück kann hiervon jedoch betroffen sein. Leider bieten Park- und Gartenanlagen oftmals gute Deckung“, erklärt Christoph Reuther, Pressesprecher der Zevener Verwaltung. „Aktuell ist davon auszugehen, dass die Verbreitung und Population bereits sehr flächig ist“, lässt er unsere Redaktion wissen.
Des Weiteren werde im betroffenen Gebiet vonseiten der Stadt weiterhin eine flächige Rattenbekämpfung durchgeführt. Die Maßnahmen erfolgen durch ein beauftragtes Fachunternehmen, insbesondere in öffentlichen Bereichen, Kanälen sowie an bekannten Befallstellen. „Jeder kann selbst dazu beitragen, Ratten keine Nahrungsquellen zu bieten: Die Entsorgung von Speiseresten und Abfällen sollte ausschließlich in geschlossenen Behältern erfolgen, Tierfutter sollte nicht zugänglich aufbewahrt und auffälliger Rattenbefall direkt gemeldet werden“, so Christoph Reuther abschließend zur Beschwerde aus dem Braueler Weg.
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