Zähl Pixel
Kommunalwahl 2026

TReichert beim Kneipen-Talk – und dann kam der Kai-Seefried-Vergleich

Matthias Reichert und Grit Klempow bei „Tante Hilda“.

Matthias Reichert und Grit Klempow bei „Tante Hilda“. Foto: Helfferich

Matthias Reichert kandidiert als Bürgermeister in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten. Beim Kneipen-Talk gab es viele Fragen, ein Quiz - und eine Feudel-Anekdote.

author
Von Lars Wertgen
28.08.2026, 18:35 Uhr

Burweg. „Das mache ich nicht“, dachte sich Matthias Reichert, als ihm eine Kandidatur nahegelegt wurde. Als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung habe er einen tollen Job. Reichert überlegte trotzdem. Die Idee, politisch Verantwortung zu übernehmen, spornte irgendwann an.

Jetzt steht er im Gasthof Tante Hilda in Burweg. Grit Klempow, stellvertretende Redaktionsleiterin beim TAGEBLATT, hat ihn zum Kneipengespräch eingeladen. 23 Gäste löchern den Kandidaten. „Das sind ja knackige Fragen“, sagt Reichert.

Was, wenn der Kandidat nicht alles weiß?

Ein großes Thema sind die Schulen, an vielen Standorten wurde der Ganztag bereits vorbereitet. „Grundschule Estorf, haben Sie da schon einmal einen Blick draufgeworfen? Wird da auch investiert?“, will Klempow wissen.

„Ehrlicherweise, ich gucke da mal Werner Hinck an“, beginnt Reichert. „Pass auf, was du sagst“, scherzt der Estorfer Bürgermeister aus dem Publikum. „Genau, ich bin bei dem Thema nicht im Bilde und wenn ich was sage, könnte es falsch sein“, sagt Reichert. „Gute Antwort“, reagiert Hinck, diesmal ernst. Mehrere Gäste stimmen zu.

Sie honorieren die Offenheit des Kandidaten, noch nicht jedes Thema vertieft zu kennen. Das gilt auch für eine mögliche Einheitsgemeinde oder Bürgerräte - Fragen aus dem Publikum, die erst mit der Politik diskutiert werden müssten.

Auf gute Zusammenarbeit

Sollte er gewählt werden, will sich Reichert erst einmal einarbeiten. Schnell in ein Thema hineinzufinden, kennt er: Als junger Azubi zum Versicherungskaufmann musste er schon nach knapp drei Monaten in den Außendienst.

„Die Themen Kommunalrecht, Haushaltsrecht, da werde ich mir schnell einen Überblick verschaffen“, sagt Reichert. Den Haushalt 2027 werde er inhalieren. Und er sei sich sicher, ein gutes Team vorzufinden - sowohl in der Verwaltung als auch in der Politik.

Ein Gast schreibt knapp „Personalführung“ auf einen Bierdeckel. Pragmatisch, aber Reichert versteht es. Aktuell leitet er ein fünfköpfiges Team, künftig wären es circa 120. Reichert sieht sich als Chef, der auf Augenhöhe agiert und Mitarbeitern Verantwortung gibt.

„Ein Chef muss sich auch von Argumenten anderer überzeugen lassen“, sagt er und betont: Andere Meinungen zu kennen, sei wichtig. Reichert befürwortet etwa den Bau der Autobahn. Ute Jungclaus von der Initiative „A20 Nie“ ist dagegen. Beide tauschen Vorteile und Bedenken aus, sprechen nach dem Talk erneut unter vier Augen.

Frischer Wind - Hilfe beim Kneipenquiz

2011 ist Reichert mit seiner Familie nach Himmelpforten gezogen. Das könnte sich als Vorteil erweisen, denn er würde eine junge Samtgemeinde übernehmen. Auf mögliche bis heute bestehende Befindlichkeiten zwischen den Dörfern angesprochen, sagt Reichert: „Vielleicht bin ich der Richtige, weil ich diese nicht mitbekommen habe.“

Dass Reichert zugezogen ist, zeigt sich auch beim Kneipenquiz. Mehrfach springt der Publikumsjoker ein. „Da kannst du mal sehen, wie gut die Zusammenarbeit hier funktioniert“, sagt Peter Wortmann zu Klempow.

Matthias Reichert gestand im Kneipen-Talk, dass er als Junge auch mal den Tennisschläger fliegen ließ. Heute sei er ruhiger.

Matthias Reichert gestand im Kneipen-Talk, dass er als Junge auch mal den Tennisschläger fliegen ließ. Heute sei er ruhiger. Foto: Helfferich

Dank des aktiven Publikums gibt es die eine oder andere Anekdote: Woher der Name der Gaststätte „Tante Hilda“ kommt? Hilda, die Schwiegermutter des heutigen Wirts, führte hier einst eine Kneipe und ein Lebensmittelgeschäft. Sie gilt bis heute als Original. „Ihre Spezialität war ein nasser Feudel“, erzählt Hans-Peter Hellwege. Wer sich am Tresen nicht benehmen konnte, bekam die zierliche Hilda mit eben jenem Feudel schwingend vor Augen. „Dann wurden sie ganz klein“, sagt Hellwege.

Hier zeigt Reichert seine Vision

„Wie kann die Samtgemeinde Unternehmen anwerben, um die Gewerbesteuereinnahmen zu erhöhen?“, steht auf einem Bierdeckel. Reichert holt aus, nennt unter anderem: Standortmarketing, eine 360-Grad-Visualisierung für Gewerbeflächen, Fördermittel-Sprechtage. Der Wirtschaftsförderer mit Wirtschaftsrechtstudium ist in seinem Element. Irgendwann grätscht Klempow dazwischen: „Mit der Frage hat jemand voll ins Schwarze getroffen.“

Applaus zum Schluss

„Familie ist das Wichtigste“, sagt Reichert. „Das ist ein schönes Schlusswort“, findet Klempow. Das letzte Wort hat aber Manfred Hölting. Reichert müsse noch nicht jede Frage beantworten können, das sei bei seinem Vorgänger Holger Falcke genauso gewesen. „Ich denke, Sie sind auf einem guten Weg“, sagt Hölting.

Er fühlt sich an den jungen Kai Seefried erinnert, dem er einst den Gesellenbrief übergeben hatte. „Das war ein einfacher Handwerker und der hat sich durchgebissen“, so Hölting. „Und wenn Sie denselben Biss haben wie Kai Seefried, dann traue ich Ihnen das zu.“ Applaus.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

Das alles haben die Landfrauen im Kreis Stade vor

Alle zehn Landfrauenvereine im Kreis Stade haben wieder bunte Pakete mit Workshops, Vorträgen und Aktivitäten geschnürt. Bei einer Sternfahrradtour wurden die neuen Programmhefte vorgestellt und ausgetauscht.