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Räumen und Streuen

TSalz, Lauge und ein Rausgucker: So funktioniert der Winterdienst im Kreis Stade

Daniel Stäckeler befüllt ein Streufahrzeug mit Salz aus dem darüberliegenden Silo.

Daniel Stäckeler befüllt ein Streufahrzeug mit Salz aus dem darüberliegenden Silo. Foto: Stehr

Hunderte Tonnen Salz hat der Winterdienst schon jetzt im Kreis Stade verteilt - deutlich mehr als in anderen Jahren. Wie ein Einsatz abläuft und was die Mitarbeiter ärgert.

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Von Lena Stehr
Donnerstag, 08.01.2026, 11:50 Uhr

Drochtersen. Mit 800 Tonnen Streusalz war das Lager der Straßenmeisterei in Drochtersen gefüllt. Etwa die Hälfte davon - inklusive 60.000 Litern Lauge - haben die Mitarbeiter nach dem starken Wintereinbruch am vergangenen Wochenende bereits auf den Straßen im Landkreis verteilt. „Das ist schon ganz ordentlich und früher als gewöhnlich. Meistens rücken wir verstärkt im Februar oder März aus“, sagt Steven Tiedemann, seit knapp einem Jahr Leiter der Straßenmeisterei Drochtersen mit 20 Mitarbeitern.

Der Rausgucker checkt um 2 Uhr nachts die Lage

Sein Team arbeitet im Winterdienst im Drei-Schicht-System. Fallen die Temperaturen auf unter drei Grad Celsius, checkt ein sogenannter Rausgucker nachts um 2 Uhr die Lage. Den Job übernehmen meist erfahrene Kollegen, die „das Wetter lesen können“.

Für alle Eventualitäten gut ausgerüstet: Steven Tiedemann, Leiter der Straßenmeisterei in Drochtersen, und sein Mitarbeiter Daniel Stäckeler. Die kleinen Schneeschieber kommen auf dem Betriebsgelände oder auf engen Brücken zum Einsatz.

Für alle Eventualitäten gut ausgerüstet: Steven Tiedemann, Leiter der Straßenmeisterei in Drochtersen, und sein Mitarbeiter Daniel Stäckeler. Die kleinen Schneeschieber kommen auf dem Betriebsgelände oder auf engen Brücken zum Einsatz. Foto: Stehr

Die Rausgucker fahren, je nachdem wo sie wohnen, zu nahe gelegenen Brücken oder Waldrändern und prüfen, ob es glatt ist. Sie wissen auch, dass bei Vollmond und zunehmendem Mond sowie bei Sonne in den Morgenstunden das Glätterisiko größer ist und haben ein gutes Gespür, sagt Tiedemann.

Daniel Stäckeler mit einer Handvoll Salz.

Daniel Stäckeler mit einer Handvoll Salz. Foto: Stehr

Der Rausgucker entscheidet, ob der Winterdienst ausrücken muss und klingelt bei Bedarf die Kollegen um 3 Uhr aus dem Bett. „Auch wenn für 5 Uhr morgens Schneefall angesagt ist, machen wir uns nachts auf den Weg. Wichtig ist, dass wir vor die Lage kommen“, so Tiedemann.

Er checkt regelmäßig die gängigen Wetter-Apps und hat Erfahrung. Vor 15 Jahren fing er eine Ausbildung zum Straßenwärter in Drochtersen an, später machte er seinen Bachelor in Straßenbetriebsmanagement.

Vom Natureum in Balje bis nach Fredenbeck

Vom Standort in Drochtersen strömen die Mitarbeiter bis zum Natureum in Balje und in die andere Richtung über Stade bis nach Fredenbeck aus. Im Gepäck haben sie auch gewöhnliche, kleine Schneeschieber für enge Bereiche, zum Beispiel auf Brücken.

Vier große Räum- und Streufahrzeuge und zwei kleinere Fahrzeuge für die Radwege leisten die Hauptarbeit. Befüllt sind sie mit Streusalz und Lauge. Das Feuchtsalz besteht aus 70 Prozent Salz und gute 30 Prozent Lauge und wird erst auf dem Weg zum Streuteller des Fahrzeugs angemischt.

Vorne am Fahrzeug wird geräumt, hinten wird mit einem Streuteller ein Gemisch aus Salz und Lauge auf die Straße gestreut.

Vorne am Fahrzeug wird geräumt, hinten wird mit einem Streuteller ein Gemisch aus Salz und Lauge auf die Straße gestreut. Foto: Stehr

Jedes Fahrzeug hat ein feste, etwa 90 Kilometer lange Route, die Fahrer dürfen die Fahrzeuge wechseln. „Jeder hat seine Lieblingsstrecken“, sagt Daniel Stäckeler. Er kümmert sich seit achteinhalb Jahren als Schlosser darum, dass die Fahrzeuge immer gut in Schuss sind. Auf dem Gelände der Straßenmeisterei werden die Fahrzeuge nicht nur bei Bedarf repariert, sondern auch nach jedem Einsatz per Hand gewaschen.

Die Räum- und Streufahrzeuge werden auf dem Gelände der Straßenmeisterei mit Auftausalz und Lauge befüllt und nach jedem Einsatz per Hand von den Mitarbeitern gewaschen.

Die Räum- und Streufahrzeuge werden auf dem Gelände der Straßenmeisterei mit Auftausalz und Lauge befüllt und nach jedem Einsatz per Hand von den Mitarbeitern gewaschen. Foto: Stehr

Während des Einsatzes sind die Fahrer allein unterwegs, früher waren sie noch zu zweit. Der Fachkräftemangel macht auch vor der Straßenmeisterei nicht halt. Ob auf der Strecke alles in Ordnung ist, checkt ein Kollege aus dem Büro mit einem stündlichen Anruf bei den Fahrern. „Falls jemand verunglücken sollte, würden wir das auf diesem Weg mitbekommen“, sagt Tiedemann. Das sei zum Glück noch nie vorgekommen.

Ungeduldige Autofahrer behindern die Räumfahrzeuge

Häufiger komme es allerdings vor, dass ungeduldige Autofahrer die Räum- und Streuarbeiten behindern und sich durch waghalsige Überholmanöver in Gefahr bringen, sagt Tiedemann. Auch Anwohner, die ihren Schnee auf die Straße anstatt in den Vorgarten schippen, tun weder dem Räumdienst noch sich selbst einen Gefallen. Bei einem zweiten Räumvorgang landet der Schnee nämlich wieder auf dem Gehweg.

Steven Tiedemann fing vor 15 Jahren eine Ausbildung bei der Straßenmeisterei in Drochtersen an, vor knapp einem Jahr hat er die Leitung übernommen.

Steven Tiedemann fing vor 15 Jahren eine Ausbildung bei der Straßenmeisterei in Drochtersen an, vor knapp einem Jahr hat er die Leitung übernommen. Foto: Stehr

Beim Großeinsatz am vergangenen Samstag startete die erste Schicht mit sechs Fahrzeugen um 3.45 Uhr aus Drochtersen, die letzte Schicht beendete ihren Einsatz gegen Mitternacht. Mit einem ähnlichen Szenario rechnet Tiedemann in den nächsten Tagen. Ab Freitag ist anhaltender Schneefall angesagt.

Der Salzspeicher in Drochtersen war zu Beginn der Saison mit 800 Tonnen befüllt. Ungefähr die Hälfte wurde bereits auf den Straße verteilt.

Der Salzspeicher in Drochtersen war zu Beginn der Saison mit 800 Tonnen befüllt. Ungefähr die Hälfte wurde bereits auf den Straße verteilt. Foto: Stehr

Neue Lauge für mögliche weitere Einsätze ist schon nachbestellt. Auch Salz soll nachgeordert werden. „Wir sind erst mal gut gewappnet. Für besonders schwere Fälle haben wir sogar eine Schneefräse, die wir gern mal ausprobieren würden“, sagt Tiedemann und lacht. Er hat auch gut lachen, denn er fährt am Freitag in den Skiurlaub.

Zwei Meistereien für die Landkreis-Straßen

Neben der Straßenmeisterei in Drochtersen kümmert sich auch das Team der Straßenmeisterei in Bliedersdorf um den Winterdienst im Landkreis Stade. Wenn die Lager im Sommer aufgefüllt werden, fassen sie insgesamt 1600 Tonnen Streusalz. Dazu kommen 90 Tonnen Magnesiumchlorid zum Anmischen des Feuchtsalzes.

Insgesamt sind 25 Kollegen auf den rund 380 Kilometern Kreisstraßen und 270 Kilometern Radwegen, die der Landkreis unterhält, im Einsatz. Unterstützung leisten beauftragte Unternehmen. Auf den Gemeindestraßen sind die jeweiligen Kommunen zuständig, auf den Landes- und Bundesstraßen die Landesstraßenmeistereien. Die Autobahn GmbH kümmert sich um die A26.

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Mit vier Großfahrzeugen sind die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Drochtersen bei Schnee und Glätte im Einsatz.

Mit vier Großfahrzeugen sind die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Drochtersen bei Schnee und Glätte im Einsatz. Foto: Stehr

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