TSchiedsrichter aus Leidenschaft trotzt Krankheit und bleibt am Ball
Peter Wessolowski während des Hallenturniers des VfL Güldenstern Stade. Auch in diesem Jahr hat er beim Hallenzauber wieder gepfiffen. Foto: Struwe (Archiv)
Als Kind wird er vom Fußball bitter enttäuscht. Als Erwachsener übernimmt Peter Wessolowski dann Verantwortung. Und lässt sich von einer Krankheit nicht unterkriegen.
Stade. Wie viele andere Jugendliche wünschte sich auch Peter Wessolowski, einmal ein großer Spieler zu werden. „Als ich mit acht Jahren zu meinem ersten Spiel mit gepackter Tasche am Treffpunkt auf der Stader Horst wartete, hat man mich einfach vergessen“, erinnert er sich, „da war es mit meinem Interesse am Fußball schlagartig vorbei.“
Der heute 70-Jährige fand als Erwachsener aber zurück zum größten Hobby der Nation - und das sehr engagiert.
Als Vater wird er Trainer und später auch Schiri
1991 machte Wessolowski die C-Lizenz als Trainer, betreute als langjähriger Jugendtrainer des SSV Hagen auch seinen Sohn Timo, wechselte später zum SV Agathenburg/Dollern.
Als 47-Jähriger wollte er dann plötzlich Schiedsrichter werden. Als einen Grund führt er an: „Es hat mich oft geärgert, dass bei vielen Jugendspielen nach sogenannten Vereinsregeln sehr einseitig gepfiffen wurde.“

Peter Wessolowski während des diesjährigen Hallenzaubers im Sportcampus. Foto: Joerg Struwe
Nach der Prüfung hörte er als Trainer auf. „Ich wollte nur noch pfeifen. ln jeder Saison wurden es um die 70 bis 80 Spiele“, sagt er. Ob Frauen, Männer der unteren Kreisklassen, Altsenioren oder Jugend - Wessolowski hat keine Vorlieben, pfeift, wo er angesetzt wird.
Als sein größtes Spiel bezeichnet Wessolowski das Kreispokalfinale 2019 der Frauen, das der TSV Apensen mit 4:0 gegen den FC Jesteburg/Bendestorf ll gewann. lnsgesamt hat er bisher mehr als 1000 Spiele geleitet.
Er übernimmt Verantwortung im Verein und beim NFV
Wessolowski trat dem VfL Güldenstern Stade bei. Er wurde Vereinsschiedsrichterobmann. ln Zeiten eines akuten Schiedsrichtermangels baute Wessolowski die Abteilung über einige Jahre zu personeller Stärke auf. Der Verein erfüllt die Meldepflicht, hat sogar einen Schiedsrichterüberhang aufgebaut.
„lch pfeife jetzt deutlich weniger Spiele, weil ich mich intensiver um den Nachwuchs gekümmert und die Jungschiedsrichter bei ihren ersten Spieleinsätzen unterstützt und begleitet habe.“
Beim Kreistag 2024 hat er sich als Beisitzer in das Kreissportgericht wählen lassen.
Nach einem vorherigen Amt wollte er kürzertreten
Mit seiner akribischen Arbeitsweise hatte er sich zuvor schon dem Jugendfußball verschrieben. 15 Jahre lang war Wessolowski Staffelleiter und stellvertretender Vorsitzender im Jugendausschuss des NFV-Kreis Stade. Für seine ehrenamtliche Mitarbeit wurde er bei seinem Ausscheiden vom Kreisvorstand mit der Ehrenplakette ausgezeichnet.

Peter Wessolowski wurde vom NFV-Kreis Stade ausgezeichnet. Foto: Albrecht
2018 passierte aber, was er unbedingt vermeiden wollte. Nach dem lange zuvor angekündigten Rücktritt des Vorsitzenden Harald Lau, fand sich trotz intensiver Bemühungen kein Nachfolger. Wessolowski wollte aus familiären Gründen ebenso kürzerzutreten, gab dem Drängen aber nach. Nach einem Jahr übergab er 2019 den Vorsitz an Frank von Bargen.
„lch wollte nie ganz vorne stehen, habe mich in der zweiten Reihe sehr wohl gefühlt“, sagt Wessolowski.
Kurz nach seinem 70. Geburtstag trifft ihn ein schwerer Schlag
Im Januar 2025 wird bei Wessolowski Krebs diagnostiziert. Ein Schock. Doch der Kämpfertyp lässt sich nicht aus der Bahn werfen.
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„lch habe gar nicht erst angefangen, über die Krankheit nachzudenken und mich nach acht Wochen Bestrahlung sofort beim Schiedsrichterausschuss angemeldet, um wieder pfeifen zu können“, sagt er und ergänzt: „Fußball ist mein Hobby. Das macht Spaß und hält mich fit.“ Zudem seien die vielen sozialen Kontakte wichtig.
Sein großes Ziel: bis mindestens 2027 zu pfeifen. Dann hat der Spätstarter sein 25-jähriges Jubiläum als Schiedsrichter.
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