TSchiri-Aufstieg: Die Senkrechtstarter an der Pfeife im Kreis Stade
Leon Holtfreter, Christopher Blank und Per Felzel (von links) haben es als Schiedsrichter bis in die Oberliga geschafft. Foto: Rasmus Ott
Die Schiedsrichter Christopher Blank, Leon Holtfreter und Per Felzel bilden ein ungewöhnliches Oberliga-Gespann. Dahinter stecken Aufwand, Ehrgeiz und enges Zusammenspiel.
Stade. Am Jahnstadion in Buxtehude treffen sich Christopher Blank vom VfL Güldenstern Stade, Leon Holtfreter von den FSV Bliedersdorf/Nottensdorf und Per Felzel vom MTV Hammah zum gemeinsamen Lauf. Die drei jungen Männer sind an der Pfeife und mit der Fahne die Senkrechtstarter im Amateurfußball in Niedersachsen. Sie haben in den vergangenen Jahren mit Leistung überzeugt und sind bis in die fünfte deutsche Spielklasse aufgestiegen.
Fitness ist wichtig. Die drei Schiedsrichter treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Training. Foto: Rasmus Ott
Auch abseits des Platzes gehört die körperliche Fitness für die drei zum Schiedsrichter-Alltag. Gemeinsam bilden sie in dieser Saison ein Oberliga-Gespann - auch für sie eine ungewöhnliche Konstellation.
Kommunikation auf dem Platz entscheidend
„Es ist sehr untypisch, dass es ein solches Gespann gibt“, sagt Blank. Alle drei kommen aus dem Landkreis Stade. Diese Dichte von hochklassigen Talenten ist selten. Der 23-jährige Blank ist erstmals als Hauptschiedsrichter in der Oberliga im Einsatz. Holtfreter ist sein erster Assistent, Felzel der zweite. Entscheidend für das Zusammenspiel ist die Kommunikation.
In der Oberliga sind Schiedsrichter per Headset verbunden. Kurze, festgelegte Begriffe reichen, um Spielsituationen einzuordnen. Bei einem Abseitstor kann Blank „verlängert“ melden, Holtfreter antwortet mit „Abseits“. „Das ist mit Abstand das Wichtigste, was wir auf dem Platz haben“, so Blank.
Holtfreter steht als erster Assistent auf der Seite der Trainerbänke, wo die Stimmung schnell hochkochen kann. Nach dem Spiel geben die Assistenten Blank Rückmeldungen zu einzelnen Szenen. „Von außen hat man noch mal eine andere Wahrnehmung. Man kann die Atmosphäre besser aufgreifen“, sagt Holtfreter.
Pfeifen zwischen Beruf, Studium und Abitur
Auch Felzel, der selbst bereits Herren-Landesliga pfeift, erlebt die Zusammenarbeit ähnlich. Missverständnisse seien selten. „Wir halten uns kurz, da jeder weiß, was auf einen zukommt“, sagt der 18-Jährige.
Blank hat im vergangenen Sommer seine dualen Bachelor in Hamburg mit den Schwerpunkten Finance und Data Science abgeschlossen und arbeitet als Analyst im Investmentbereich. Die Schiedsrichterei ist für ihn Ausgleich zum Beruf. Ein flexibler Arbeitgeber hilft: „Ich hätte massive Probleme, wäre mein Arbeitgeber nicht so kooperativ“.
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Holtfreter studiert dual, pfeift in der Landesliga und spielt beim VfL Horneburg in der 2. Herrenmannschaft Handball. „Schiedsrichter zu sein, hat da die Priorität“, betont er deutlich. Bei Felzel ist für Vereinssport keine Zeit, aufgrund von Abitur, Nebenjob und der Schiedsrichterei.
So viel Aufwand betreiben die Unparteiischen
Der Aufwand endet nicht mit dem Abpfiff: Vorbereitung, weite Fahrten, Lehrgänge und Fitness gehören dazu. Felzels Oberliga-Debüt bedeutete eine rund viereinhalbstündige Anfahrt, inklusive Vollsperrung. Dank Zeitpuffer klappte alles.
Blank pfeift neben der Oberliga noch in der U19-Bundesliga und absolvierte teilweise vier zusätzliche Lehrgänge pro Jahr. Alle drei helfen in der Schiedsrichter-Lehrarbeit im Landkreis Stade.
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Geld ist nicht der Antrieb. In der Oberliga erhält der Hauptschiedsrichter 100 Euro, die Assistenten 50 Euro. „Vom Minijob ist es noch weit entfernt“, sagt Blank lachend. Es gehe um Spaß, Leidenschaft und Wertschätzung.
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Holtfreter kam bereits in der Grundschule zum Pfeifen, Felzel über sein älteren Bruder - für ihn stärkt es Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen. Blank reizt vor allem die Dynamik: Eine Entscheidung könne ein Spiel „in Sekundenschnelle zum kippen bringen“. Der Umgang mit unterschiedlichen Spielertypen findet er besonders spannend.
Wie weit geht es noch?
Über interne Bewertungen und gute Spielleitungen steigen Schiedsrichter in höhere Spielklassen auf. Blank und seine Kollegen schauen dabei nur auf ihre eigene Leistung. „Wir wollen die richtige Entscheidung treffen und in jedem Spiel 110 Prozent geben“, sagt Blank. Das Gespann sieht andere Schiedsrichter als Kollegen, man gönne sich den Aufstieg gegenseitig.
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Für Blank liegt der Reiz nicht alleine im nächstmöglichen Schritt. Ihn fasziniert das höhere System und die Einblicke, die er als Spieler „nicht bekommen hätte“. Nun erlebt er den Fußball aus einer anderen Perspektive. Mit Leon Holtfreter und Per Felzel teilt er dabei den Blick hinter die Kulissen des Spiels.
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