TSchnee und bittere Kälte: Das große Sterben der Vögel hat begonnen
Waldohreulen müssen ausharren, bis sie Nahrung finden, die sich unter dem Schnee verschanzt - zum Beispiel Mäuse. Foto: Paulin
Gegen Schnee und Kälte sind Tiere eigentlich gewappnet. Dennoch sorgen extreme Wetterlagen für Verluste - aber auch für Profiteure.
Landkreis. Der Vogelbestand ist in den vergangenen Jahren deutschlandweit stark eingebrochen. Und nun hat der harte Winter viele Vögel aus der norddeutschen Winterlandschaft vertrieben. „Kälteflucht“ nennen Biologen dieses Verhalten. Die Landschaft wirkt wie leergefegt.
Wer als Vogel noch genug Energie hatte, ist eilig nach Frankreich oder Italien geflogen. Doch das hat Kraft gekostet. Und auch in Frankreich hat der Winter seinen Einzug gehalten. Die Folge: Das große Sterben hat jetzt eingesetzt.
Eisvögel irren in bitterer Kälte umher
Manchen Eisvögeln hat der rechtzeitige Zug in den Süden geholfen. Doch andere ihrer Art sind hiergeblieben in der Hoffnung, dass ihr Revier eisfrei bleibt. Auf der Suche nach freien Wasserflächen und kleinen Fischchen irren sie nun bei bitterer Kälte umher.
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Auch andere Vögel, wie Eulen zum Beispiel, harren hier aus. Doch wo sind jetzt Mäuse zu finden? Die bleiben gut geschützt unter der Schneedecke. Nach wenigen Tagen Hungern sterben zunächst die jungen, unerfahrenen Eulen.
Die älteren Eulen sind geschickter und versuchen, in der Nähe von Häusern schneefreie Ecken zu finden, zu denen sich vielleicht eine Maus verirrt. Oder sie warten geduldig in Scheunen und Ställen auf eine Maus oder eine Ratte. Doch das Drama nimmt auch hier seinen Lauf. Jetzt ist die Zeit, in der die Bestände von Waldohreule, Waldkauz und Schleiereule gewaltig einbrechen.
Schneewehen decken Futterplätze zu
Meisen geht es etwas besser. Sie finden noch getrocknete Früchte, die sie öffnen, um die Samen zu fressen. Mitunter finden sie ein gut gefülltes Futterhaus. Doch selbst diese günstigen Bedingungen helfen manchmal nicht. Wenn es stürmt und schneit, wird das Futter schnell zugeweht, das Tageslicht ist nur kurz. Die geringe Zeit zur Futtersuche kann zum Geduldsspiel werden. Und gerade während bitterkalter Nächte ist der Energieverbrauch deutlich höher als üblich. Sie können zwar ein wenig die Körpertemperatur absenken, doch auch das hilft oft nicht mehr.
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Dieser für Vögel fiese Winter wird manche Vogelart auch deshalb bedrohen, weil sie in den letzten sehr warmen Wintern hierblieb. Manche Bachstelze oder Mönchsgrasmücke hat die Winter bei uns gut überstanden. Doch nun ist wieder alles anders. Die Waghalsigen unter ihnen, die deshalb im zeitigen Frühjahr sofort ihr Revier besetzen konnten, wird es nun erwischen.
Profiteure sind Seeadler und Mäuse
Wo viel gestorben wird, gibt es Gewinner. Seeadler zum Beispiel finden genug Aas zum Leichenschmaus. Auch Mäuse sind jetzt die Profiteure. Sie leben unter dem Schnee. Die Schneedecke isoliert, unter ihr ist es auch in bitterkalten Nächten vergleichsweise warm. Hier können sie in aller Ruhe nach Insekten oder Körnern suchen und sich sogar vermehren.
Von Feinden wie Mäusebussard, Eule oder Turmfalke werden sie nicht entdeckt. Die wenigen Greifvögel und Eulen, die diesen harten Winter überleben werden, finden nach dem Abschmelzen des Schnees einen gedeckten Tisch vor. Das sind dann allerbeste Voraussetzungen, um die Jungen im kommenden Frühjahr aufzuziehen.
Buch und Serie
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

Die Waldmaus kann in Höhlen unter dem Schnee gut überleben. Foto: Paulin
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