TSchützenpräsidentin mit Rede-Talent: Wie Silke Peters aus Hammah neue Wege entdeckte
Silke Peters ist bekannt in Hammah. Der Schützenverein und die Dorfgemeinschaft haben ihrem Engagement viel zu verdanken - aber sie dankt umgekehrt auch ihrem Ehrenamt. Foto: Lina Wetzel/Beautiful Moment
Silke Peters ist Schützenpräsidentin in Hammah. Ein Amt, das sie erfüllt, aber auch fordert. Zum bundesweiten Ehrentag erzählt sie, was das Amt unerwartet bewirkt hat.
Oldendorf-Himmelpforten. Silke Peters packt an. Das kennt sie nicht anders, so ist sie aufgewachsen. Mitzumachen, sich einzubringen, das hat ihr Elternhaus vorgelebt, so funktioniert die Dorfgemeinschaft in Hammah. Als sie gefragt wurde, ob sie als Schützenpräsidentin kandidieren würde, lag die Antwort nah. Selbstverständlich war ihr „Ja“ dennoch nicht.
Harte Jahre liegen hinter Silke Peters
„Ja“ sagen fast 29 Millionen Menschen in Deutschland und engagieren sich freiwillig. Das stärkt die Demokratie, deshalb haben Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und die Stiftung für Engagement und Ehrenamt den Ehrentag zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai ausgerufen. Rundherum gibt es noch bis Ende Mai Aktionstage. Das Motto: „Für dich. Für uns. Für alle.“ Ein Motto, das zu Silke Peters passt. Aber es liegen „harte Jahre“ hinter ihr.
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Ihr „Ja“ zum Amt, bestärkt durch das „Mach doch“ ihres Mannes Reiner, liegt acht Jahre zurück. 2017 war sie Schützenkönigin und rückte als Repräsentantin in die erste Reihe. 2018 wurde sie zur Präsidentin gewählt. Just, als der Schützenverein Hammah den wohl größten Umbruch in seiner Geschichte erlebte. Der Zwist um das Landhaus hatte auch den Verein umgetrieben.
Plötzlich Baurecht und Vertragsrecht im Fokus
An der Spitze des Vereins stand Silke Peters vor unbekannten Herausforderungen. „Es waren Probleme, die vor mir in der Vereinsgeschichte noch keiner hatte“, sagt sie. Es galt, Risse zu kitten und im wahrsten Sinn neu aufzubauen, das neue Domizil der Schützen in der Dorfgemeinschaftsanlage mitzugestalten.
Plötzlich musste sie Baurecht und Vertragsrecht wälzen. Sie verbrachte ungezählte Stunden am Schreibtisch oder in Anwaltskanzleien, um für ihren Verein die Zukunft bestmöglich zu gestalten. „Ich habe juristisch eine ganze Menge gelernt“, sagt sie.
Eine Macherin gilt als „Küken“
Als sie ihr Amt antrat war sie 40 Jahre alt, beschäftigt an einer Brennpunktschule in Stade, Mutter von drei Kindern, der Jüngste damals sieben Jahre alt. Eine Macherin. Trotzdem musste sie sich beweisen.
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„Ich bin in einer fast 100-jährigen Geschichte die erste Frau. Vor mir waren gestandene, starke Männer im Amt, die das zum Teil 20, 30 Jahre gemacht haben“, sagt sie. Und mit 40 galt sie bei einigen im Dorf sogar noch als „Küken“. Das Amt forderte sie heraus. Sie stellte sich. Heute ist sie dankbar dafür.

Silke Peters ist Hammahs erste Schützenpräsidentin. Gerade in den ersten Jahren hat ihr Amt sie sehr gefordert. Bereut hat sie ihr Engagement nie. Foto: Peters
„Das Amt hat mir Türen geöffnet, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt.“ Silke Peters war gerade drei Wochen Präsidentin, als sie eine Trauerrede halten musste. Es kostete sie Überwindung. Ein verdientes Vereinsmitglied, eine „riesige Beerdigung, und ich war gleich nach Landrat Roesberg dran“, blickt sie zurück. Sie wusste, wie wichtig dieser Moment für die Hinterbliebenen ist. „Ich habe es gemacht, weil ich musste.“ Leises Lob danach: „Dat hest du god mokt, Mädchen.“
Talent für Trauerreden
Dann kam die Corona-Pandemie. „Ich habe in den ersten fünf Jahren meines Präsidentinnenamts 35 Trauerreden gehalten. Das ist viel.“ Sie suchte und fand für jeden Abschied andere und passende Worte. „Dann wurde ich gefragt, ob ich das beruflich mache. So bin ich auf die Idee gekommen“, erzählt Silke Peters.
Zu Familie, Job und Schützenverein kam die Ausbildung zur Rednerin. Nun hat sie ein IHK-Zertifikat und ist freiberufliche Trauer- und Traurednerin. Ein Talent, das sie ohne ihr Ehrenamt nicht entdeckt hätte. „Wäre ich nicht über meinen Schatten gesprungen, dann hätte ich all das, was ich jetzt erlebe, diese Wertschätzung und dass ich für Menschen in einer Trauersituation da sein kann, nie erfahren.“
Gute Stimmung im Verein
Aber auch im Ehrenamt selbst läuft es gut: Der Zusammenhalt und die gute Stimmung im Verein, der große Kids-Club und die sportlichen Erfolge, das Team der Engagierten beflügeln ebenso. Ein Gefühl, das die Forschung bestätigt. Ehrenamt macht Sinn.
Nach einer Studie der Humanistischen Hochschule Berlin steigert das Ehrenamt den Lebenssinn. Bei mehr als der Hälfte der Engagierten zeigte sich nach drei Monaten freiwilliger Tätigkeit ein Anstieg des Lebenssinns - und 100 Prozent empfinden ihr Engagement als eher bis sehr sinnvoll.
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Silke Peters geht noch weiter: „Ich bin daran gewachsen. Ich traue mir mehr zu, bin selbstbewusster, weil ich Respekt und Vertrauen meiner Mitglieder habe und das auch beruflich zurückbekomme.“ Sie sei gefestigt in der Schule und im Rednerinnen-Job. Ohne den Rückhalt der Familie wäre es nicht gegangen, ohne das Rücken stärkende „Mach doch“ und das Vertrauen in sie.
Das Amt gibt viel zurück
Wer aber die Chance habe, ein Ehrenamt zu übernehmen, etwas für andere zu tun, bekomme so viel mehr zurück, wirbt die Vereinsvorsitzende, auch Kontakte und inspirierende Begegnungen. Es muss nicht immer gleich der Vorstand sein, bundesweit helfen Freiwilige überall: in Jugendgruppen, Sportvereinen, in den Feuerwehren, im Naturschutz, Kulturbereich oder in sozialen Projekten.
Silke Peters kennt das Ehrenamt von klein auf. Aber wie sehr es ihr Leben bereichern würde, hätte sie nicht geahnt: „Ehrenamt öffnet Türen, erweitert den Horizont und den Radius, in dem sich ein Leben bewegt.“

Sie ist durch ihr Ehrenamt über sich hinausgewachsen, sagt Silke Peters. Die Schützenpräsidentin von Hammah hat ihren Weg gefunden. Foto: Lina Wetzel / Beautiful Moment
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