COPD

TSchwere Krankheit: 62-Jährige hofft auf eine OP und ein zweites Leben

Leny trägt ein drei Kilogramm schweres Sauerstoffgerät, das sie beim Atmen unterstützt.

Leny trägt ein drei Kilogramm schweres Sauerstoffgerät, das sie beim Atmen unterstützt. Foto: Böker

Leny Schotemeier hat eine fortschreitende Lungenkrankheit. Ihre Lungenfunktion beträgt nur noch 25 Prozent - aber es gibt Hoffnung. Die Geschichte einer Kämpferin.

Von Anna Böker 18.05.2026, 16:05 Uhr

Nordenham. Magdalena „Leny“ Schotemeier kommt hustend an den Tisch beim Weserbäcker in Nordenham. Dann holt sie dreimal tief Luft aus dem Sauerstoff-Schlauch, der in ihrer Nase steckt. Die 62-jährige Frührentnerin hat COPD Stufe vier - eine schwere, fortschreitende Lungenkrankheit.

Die ersten Schwierigkeiten tauchten vor zehn Jahren auf. Sie musste immer wieder husten und ging daraufhin zum Arzt. Der erste Mediziner sagte: „Ich kann ihnen nicht helfen, kommen sie in einem Jahr noch einmal wieder.“ Leny nahm das nicht hin und suchte einen Arzt in Oldenburg auf. Der stellte die Diagnose COPD: Chronic Obstructive Pulmonary Disease, oder auf Deutsch chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Einmal pro Woche kommt eine Haushaltshilfe

Mit den Jahren wurde die Krankheit immer schlimmer. „Beim Staubsaugen in der Wohnung war ich schweißgebadet, ich habe keine Luft mehr bekommen“, berichtet Leny. Mittlerweile kommt einmal in der Woche eine Haushaltshilfe zu ihr, um ihr beim Putzen und Einkaufen zu helfen.

Leny gibt zu, dass sie gelegentlich denkt: „Ich will nicht mehr. Das ist doch kein Leben.“ Sie sagt aber, dass sie sich dann wieder aufrafft. „Dann kommt die Kampf-Leny zum Vorschein“, sagt die in Berlin aufgewachsene Mutter von drei erwachsenen Kindern.

Leny ist in Berlin aufgewachsen und hat in der Gastronomie gearbeitet

Eine Ursache von COPD ist das Zigarettenrauchen. Leny zog an ihrer ersten Zigarette, als sie 16 Jahre alt war. „Meine Klassenkameraden haben geraucht und ich wollte dazugehören“, erzählt sie.

Lenys Leben war von Anfang an nicht einfach. Als sie vier Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern aus der Nähe von Hildesheim nach Berlin. Ihre Mutter war eine Russin, die in ein Gefangenenlager nach Deutschland gebracht wurde und weder lesen noch schreiben konnte.

In Berlin besuchte Leny die Hauptschule bis zur zehnten Klasse. Eine Ausbildung machte sie danach nicht. Stattdessen schlug sie sich mit Jobs in der Gastronomie und in der Automobilbranche durch.

Ende der 80er Jahre reiste sie mit Freundinnen nach Brake. Dort lernte sie einen Bekannten der Freundinnen kennen, verliebte sich, heiratete den Mann und brachte 1990 Sohn Fabian zur Welt. Kurze Zeit später ging die Ehe in die Brüche, es folgte die Scheidung.

Leny zieht ihre drei Kinder alleine groß

Ein paar Jahre später lernte Leny einen neuen Mann kennen, und die Kinder Dennis und Chantal kamen zur Welt. Wieder wird sie verlassen und zog ihre drei Kinder von da an alleine groß.

Viel Geld hatte sie nie, obwohl sie immer wieder arbeitete. Unter anderem in der Kantine von Airbus: „Wenn der Chef angerufen hat, weil jemand krank war, bin ich immer spontan eingesprungen“, erinnert sie sich. Zuletzt arbeitete Leny im ESV-Clubhaus in Nordenham. „Ich war immer gerne Teller-Taxi“, erzählt sie stolz. „Es hat mir immer Spaß gemacht, Leuten eine schöne Zeit zu bescheren und freundlich zu sein.“

Lenys letzte Hoffnung ist eine Operation

Aufgrund der COPD-Erkrankung ist arbeiten für die dreifache Mutter nicht mehr möglich. Leny erhält eine Erwerbsminderungsrente und Wohngeld. Im April war die 62-Jährige am Ameos Klinikum in Bremerhaven zu einem Gespräch mit einem Arzt. Es gibt die Möglichkeit, die Lunge zu operieren. Ärzte können minimalinvasiv kleine Drahtspiralen, sogenannte „Coils“, in überblähte Bereiche der Lunge einsetzen.

Leny hat ein Elektromobil, weil sie kein Fahrrad mehr fahren kann. Sie selbst nennt das Mobil liebevoll ihren „Ferrari“.

Leny hat ein Elektromobil, weil sie kein Fahrrad mehr fahren kann. Sie selbst nennt das Mobil liebevoll ihren „Ferrari“. Foto: privat

Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, musste Leny aufhören zu rauchen. „Der Arzt in Bremerhaven konnte mich überzeugen“, sagt die Nordenhamerin. Er habe sie gefragt, wieso sie rauche, und Leny wusste keine korrekte Antwort darauf.

Aktuell wartet sie auf eine Rückmeldung aus dem Klinikum. Mit viel Glück findet im Oktober eine Operation statt. „Das wäre ein zweites Leben“, sagt Leny hoffnungsvoll. „Mit dem Wissen von heute hätte ich mit 16 Jahren keine Zigarette angefasst.“

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