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Motocross

TSechsjähriger ohne Angst: Emil Siedler rast und springt durchs Gelände

Emil Siedler liebt Geschwindigkeiten, Springen und enge Kurven.

Emil Siedler liebt Geschwindigkeiten, Springen und enge Kurven. Foto: privat

Mit sechs Jahren rast Emil Siedler schon über sämtliche Motocross-Strecken. Für seinen Vater Nino und die Familie ist jeder Start ein Wechselbad aus Stolz und Aufregung.

Von Rasmus Ott 18.10.2026, 05:50 Uhr

Landkreis. Wenn das Startgatter fällt, ist es für Nino Siedler immer eine schwierige, ambivalente Situation. Vor ihm stehen rund 20 Kinder auf ihren Motocross-Maschinen. Einer von ihnen ist sein sechsjähriger Sohn Emil. Dann heulen die Motoren auf, die Fahrer schießen los und Nino kann nur noch zuschauen.

„Am Startgatter geht es der ganzen Familie schlecht. Das Herz schlägt bis zum Hals.“ Sobald sich das Fahrerfeld auseinanderzieht, bleibt aber vor allem eines: Stolz.

Der Sohn ist schon früh auf zwei Rädern unterwegs

Emils Leidenschaft für zwei Räder begann mit seinem Fahrrad. Bereits mit zweieinhalb Jahren fuhr Emil ohne Stützräder. Nino Siedler fiel schon damals auf, wie selbstverständlich sich sein Sohn in

die Kurven legte. „Da haben wir schon gemerkt, dass da etwas Besonderes ist.“

Emil Siedler

Emil Siedler Foto: Ott

Kurz vor seinem fünften Geburtstag, im Oktober 2024, bekam Emil sein erstes Pocketbike. Bald wollte er damit nicht nur mehr fahren, sondern auch springen. Auf einem leerstehenden Nachbargrundstück bauten seine Eltern die ersten kleinen Sprunghügel.

Im März 2025 folgte der große Schritt: Emil stieg auf sein erstes richtiges Motocross-Motorrad um, eine gebrauchte Husqvarna TC 50 mini.

Der Jüngste im Feld mischt die Großen auf

Seit seinem sechsten Geburtstag darf Emil an den Meisterschaften teilnehmen. Unter anderem fährt Emil bei der Norddeutschen Meisterschaft und dem Niedersachsen-Cup mit. In seiner Klasse treten sechs- bis neunjährige Kinder gegeneinander an. Emil ist der Jüngste.

Emil Siedler ist mit sechs Jahren der jüngste Fahrer in seiner Klasse.

Emil Siedler ist mit sechs Jahren der jüngste Fahrer in seiner Klasse. Foto: privat

Trotzdem fuhr Emil mehrmals unter die Top 10. Beim Niedersachsencup schaffte es Emil sogar unter die besten fünf – seine beste Platzierung bis dato.

Für Emil ist das Ergebnis aber nicht das Wichtigste. „Ich will Spaß haben“, sagt er. Zu gewinnen komme erst an zweiter Stelle. Er liebt Kurven, Sprünge und die Geschwindigkeit. Sein großes Ziel: Motorcross-Meister werden und im Niedersachsen-Cup gut abschneiden. Falls

es mit der Rennkarriere nicht klappt, möchte Emil Polizist werden.

Die gemeinsame Zeit vor einem Rennen ist wichtig

Rennwochenenden beginnen für die Familie bereits am Freitag. Vater und Sohn laufen gemeinsam die Strecke ab, sprechen über Kurven, Sprünge und die richtige Linie. Am Samstag folgen Training, Qualifikation und schließlich zwei Rennen. Geschlafen wird im Wohnwagen, aufgestanden gegen 6.30 Uhr.

Gemeinsam auf und neben der Rennstrecke: Emil und sein Vater Nino.

Gemeinsam auf und neben der Rennstrecke: Emil und sein Vater Nino. Foto: Ott

Die letzte halbe Stunde vor einem Lauf gehört Emil und seinem Vater. „Das ist seine und unsere Zeit“, sagt Nino. In dieser Zeit darf niemand dazukommen. Emil geht in sich, hört Musik und geht nochmals die Strecke ab. Kurz vor dem Start umarmt Nino seinen Sohn. Dazu werden immer zwei

spezielle und einprägsame Wörter gesagt: „Niemals aufgeben.“

Das Motto hat Nino seinem Sohn mitgegeben und er ist beeindruckt, wie konsequent Emil danach lebt: „Ich habe noch nie so ein Mindset gesehen“, sagt Nino voller Stolz.

Dazu sei Emil sehr wissbegierig. Er höre bei Lehrgängen mit Profitrainern genau zu und setzt das Gelernte um.

Es ist weit mehr als nur ein Hobby

Für die Familie bedeutet die Leidenschaft allerdings auch Verzicht. Fast jedes Wochenende ist geprägt vom Motorsport. Teilweise liegen mehrere Stunden Fahrt zwischen den Strecken. Die Familie muss den Alltag mit Emils Training und Rennen mit den Turnterminen ihrer Tochter gut organisieren.

„Wir verzichten auf viel, aber wir machen das gerne. Wir haben abends Zeit, wenn die Kinder

schlafen“, so die Eltern.

Gleichzeitig hat der Sport Vater und Sohn noch enger zusammengeschweißt. Die vielen gemeinsamen Stunden auf der Strecke, ausgedehnte Touren bis nach Mecklenburg-Vorpommern und die gemeinsamen Rennen haben ihre ohnehin enge Beziehung weiter vertieft.

Nino lernt von seinem Sohn besonders eines: Gelassen- und Besonnenheit. Manchmal müsse er sich selbst erinnern, dass Emil erst sechs Jahre alt ist. Bei allem Ehrgeiz den Emil hat, soll der Spaß im Mittelpunkt bleiben.

Und Papa Nino Siedler ist dabei vor allem eines: stolz

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