TSeltenes Ereignis: Buxtehuder beobachten gespannt die Sonnenfinsternis
Sicht aus Buxtehude: Die partielle Sonnenfinsternis auf ihrem Höhepunkt. Foto: Laudien
Das sieht man nicht alle Tage: Eine partielle Sonnenfinsternis war Samstagmittag das buchstäbliche Highlight in Buxtehude. Die Astronomie-AG sorgte für den Durchblick.
Buxtehude. Bei schönstem Sonnenwetter und nahezu wolkenlosem Himmel gab es am Samstagmittag optimale Bedingungen für ein besonderes Naturschauspiel: eine partielle Sonnenfinsternis. Anlässlich dieses Ereignisses hatten Mitglieder der Buxtehuder Astronomie-AG im Rahmen des Astronomietages ihre Teleskope in Buxtehude inmitten des Wochenmarkt-Geschehens auf dem St.-Petri-Platz und auf dem Schafmarktplatz sowie vor der Paulus-Kirche aufgebaut. Zur Mittagszeit nutzten viele Passanten die Gelegenheit, das Himmelsphänomen zu beobachten. Am späten Nachmittag folgten dann Vorträge zu Jupiter und seine Monde und dem roten Planeten Mars.
Blick auf die Sonnenfinsternis: Bernd Menzel (hockend) und Manfred Mrotzek (rechts) begeistern in Buxtehude. Foto: Laudien
Deutschlandweit war die partielle Sonnenfinsternis mehr oder weniger gut zu beobachten. „Nicht überall war sie so groß wie in Buxtehude“, sagte Manfred Mrotzek, der die Astronomie-Arbeitsgemeinschaft an der Volkshochschule Buxtehude leitet. Die Leidenschaft für die unendlichen Weiten des Universums wurde bei dem 66-Jährigen bereits in seiner Jugendzeit entfacht.
„Immerhin wurde hier bei uns die Sonne zu 21 Prozent von dem Mond verdunkelt“, erklärte der Experte. Die Ursache dafür: Der Mond wandert zwischen Erde und Sonne hindurch und war dabei fast genau auf der gleichen Ebene wie Erde und Sonne, so dass er die Sonnenscheibe aus Sicht der Betrachter verdeckte.
Vom Wochenmarkt-Einkauf zur Astronomiekunde
Etliche Interessierte nutzten zur Mittagsstunde die Gelegenheit in Buxtehude, um das seltene Phänomen mit eigenen Augen durch das Teleskop zu verfolgen. Einige waren lediglich zum Einkaufen auf den Wochenmarkt gekommen wie Anne-Katrin und ihre zehnjährige Tochter Angelina aus Neugraben. Doch die Möglichkeit, zum ersten Mal eine Sonnenfinsternis zu beobachten, ließen sie sich nicht entgehen. Heidrun Ohrloff hatte auf dem Schafmarktplatz einen sogenannten Soft-Beobachter aus Pappe und Folie erhalten, so dass sie das Geschehen damit gut verfolgen konnte.

Blick auf die Sonnenfinsternis: Bernd Menzel (hockend) und Manfred Mrotzek (rechts) begeistern in Buxtehude. Foto: Laudien
Die partielle Sonnenfinsternis zog Passanten jeden Alters in den Bann. „Ich habe schon früher mal eine Sonnenfinsternis gesehen“, sagte Rainer Sprenger aus Gevelsberg, der momentan bei Freunden in Buxtehude zu Besuch ist. Er war beeindruckt von dem Anblick, als der Mond sichelförmig die Sonne verdunkelte.
Bernd Menzel, ebenfalls Mitglied der Astronomie-AG, war 25 Jahre Physik-Lehrer an der Buxtehuder Halapaghen-Schule und hat früher dort sowie später am Schulzentrum Süd die Astronomie-AG geleitet. „Am beeindruckendsten fand ich die totale Sonnenfinsternis, die ich 1999 in Venedig gesehen habe.“ Die habe er damals noch mit einer normalen Kamera fotografiert.

Bernd Menzel (links), ehemaliger Physik-Lehrer an der Halepaghen-Schule, richtet das Teleskop aus. Foto: Laudien
Das war diesmal in Buxtehude aufgrund der partiellen Sonnenfinsternis mit hoher Einstrahlung nicht ganz so einfach. Einige Interessierte zückten ihre Handys und konnten über das aufgebaute Teleskop schließlich Bilder der Sonnenfinsternis einfangen.
Teleskop-Modell zum erschwinglichen Preis
„Ich habe mit meinem Sohn in der Corona-Zeit bei einer Sonnenfinsternis 2022 eine Loch-Kamera gebastelt“, erzählte eine Mutter, während Sohn Emil jetzt mit großer Begeisterung durch das professionelle Teleskop blickte. Das war bestimmt teuer, fragte einer der Passanten zu dem Fernrohr. „Das ist eine einfache Ausführung und hat lediglich um die 70 Euro bei einem Discounter gekostet“, erklärte Manfred Mrotzek, der sich in seinem Garten eine eigene Sternwarte aufgebaut hat, mit der er noch ganz andere Phänomene wie etwa eine Supernova und die Milchstraße genau beobachten kann.
Unter den etlichen Himmelsguckern, die sich um die Mittagszeit, dem Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis, verstärkt um das Teleskop scharten, war auch Anja Gerken, einst Schülerin von Bernd Menzel. „Ich schaue gerne in den Himmel. Das verändert unsere eigene Perspektive und hilft mir bei den derzeit großen Problemen auf dieser Welt. Wir sind alle Sternstaubwesen mit Bewusstsein“, erklärte die Buxtehuderin.
Andere Betrachter der Sonnenfinsternis äußerten allerdings irdische Sorgen über Dinge im Weltall wie Satelliten, Raketenteile und Weltraumschrott. „Wir sind nicht mehr im Zeitalter von Star Trek“, sagte Astronomie-Experte Menzel. „Wir brauchen dafür unbedingt konkrete Regeln.“
Nächste partielle Sonnenfinsternis im August 2026
Übrigens: Wer das Himmelsspektakel ganz verpasst hat, hat in Deutschland am 12. August 2026 eine erneute Chance auf eine partielle Sonnenfinsternis. Dann sind sogar über 80 Prozent der Sonne bedeckt. Die nächste totale Sonnenfinsternis, die man von Deutschland aus sehen kann, ereignet sich erst im Jahr 2081.

Die zehnjährige Angelina blickt durch das Teleskop. Foto: Laudien