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TSieg gegen Internetriesen Google: Beverstedt erhält Straße zurück

Google Street View: Am Straßenrand steht das Straßenschild „Adolf-Butenandt-Straße“, doch die Straße wird bis heute als „Zum Piepenbrink“ markiert.

Google Street View: Am Straßenrand steht das Straßenschild „Adolf-Butenandt-Straße“, doch die Straße wird bis heute als „Zum Piepenbrink“ markiert. Foto: Google Street View ©2024 Google/Screenshot

Kurioses im Stader Nachbarkreis: Eine Straße verschwindet plötzlich bei Google Maps. Das führt sogar zu Problemen mit der Post. An der Aufklärung ist dann auch ein Wolf beteiligt.

Von Jan Iven 10.02.2024, 00:22 Uhr

Beverstedt. Straßen verschwinden in der Regel nicht einfach so. Sollte man meinen. Doch beim beliebten Online-Service Google-Maps war die Adolf-Butenandt-Straße in Beverstedt offenbar ziemlich lange nicht auffindbar. Der Internet-Konzern hatte die Straße, die dem Bremerhavener Biochemiker und Nobelpreisträger von 1939 gewidmet ist, einfach umbenannt: „Zum Piepenholz“ war auf der Internet-Karte möglicherweise schon seit Jahren zu lesen, ohne dass es irgendjemandem aufgefallen wäre. Bis jetzt.

Deckte der Wolf den falschen Straßennamen auf?

Unter anderem war die „Nordsee-Zeitung“ zuletzt über diese Merkwürdigkeit gestolpert, als sie Mitte Januar eine Anfrage zum Auftauchen des Wolfs in der Straße „Zum Piepenholz“ an die Gemeinde stellte. Die Spur des Wolfes war mit Hilfe von Google-Maps rekonstruiert worden, inklusive des falschen Straßennamens. Auch das TAGEBLATT berichtete.

Mitte Januar war ein Wolf von der Stubbener Landstraße in die Adolf-Butenandt-Straße in Beverstedt abgebogen.

Mitte Januar war ein Wolf von der Stubbener Landstraße in die Adolf-Butenandt-Straße in Beverstedt abgebogen. Foto: Privat

Doch Bürgermeister Guido Dieckmann (parteilos) korrigierte damals: „Das ist nicht am Piepenholz.“ So beginne „Zum Piepenholz“ erst südlich der Beverstedt Mühlenstraße als Verlängerung der Adolf-Butenandt-Straße. Offenbar hat Google den Namen übersehen und „Zum Piepenholz“ von der Beversteder Mühlenstraße bis zur Stubbener Landstraße verlängert.

Beim Auftauchen des Wolfs wurde der Fehler in der Online-Karte zunächst ohne Folgen hingenommen. Die Aufregung über das Raubtier am Ortseingang war größer als jene über den falschen Straßennamen im Internet.

Was die Gemeinde Beverstedt sagt

Doch in der vergangenen Woche teilte Beverstedts Pressesprecherin Sarah von Salzen mit: „Bei der Gemeinde haben sich mehrere Einwohnerinnen und Einwohner gemeldet, weil die Adolf-Butenandt-Straße im Flecken Beverstedt aktuell nicht mehr auf Google Maps zu finden ist.“

An deren Stelle werde die Straße „Zum Piepenholz“ angezeigt, die eigentlich zum Neubaugebiet „Beverstedtermühlen“ gehört. Dieser Umstand soll bereits zu Problemen bei der Zustellung von Paketen geführt haben. Offenbar nutzen auch Paketboten Google-Maps.

Dieter Allers, Leiter des Geschäftsbereichs Bauservice, sah sich sogar genötigt zu betonen: „Wir haben die Adolf-Butenandt-Straße nicht umbenannt. So etaws passiert auch nur aus einem sehr wichtigen Grund.“ Die Gemeinde hat sich an den Konzern gewandt: „Wir haben die fehlerhafte Straßenbezeichnung an Google Maps gemeldet und hoffen nun auf eine schnelle Korrektur.“

Und tatsächlich: Am Dienstag, 6. Februar, hat Google den Fehler korrigiert: Nun ist die Adolf-Butenandt-Straße auf der Internet-Karte markiert - inklusive sauberer Abtrennung von der Straße „Zum Piepenholz“ ab der Beverstedter Mühlenstraße.

Zufriedenheit bei der Gemeinde. „Das ist sehr erfreulich“, sagte Sprecherin Sarah von Salzen. Die Verwaltung habe die Straße am Donnerstag. 1. Februar, zur Korrektur ausgewählt. Die Fehlerbeseitigung hat also weniger als eine Woche gedauert. „Damit ging es doch recht schnell“, so die Sprecherin.

Google hat bisher nicht alle Fehler korrigiert

Aber wieso wurde dem Wissenschaftler aus Bremerhaven überhaupt eine Straße in Beverstedt gewidmet? „Die Mutter von Adolf Butenandt stammte aus Beverstedt“, teilte von Salzen mit. Auch die Oberschule in Beverstedt hieß früher Adolf-Butenandt-Schule, als sie noch Haupt- und Realschule war. Die Straße trug hingegen nie einen anderen Namen und heißt seit ihrer Ausweisung als Baugebiet 1978 so.

Aber: Die Adresse des Seniorenquartiers wurde von Google bisher nicht korrigiert. Auch bei Google-Street-View ist noch der falsche Name auf der Straße markiert.

Google benennt Straße in Beverstedt um: Wer war Adolf Butenandt?

Als Wissenschaftler in der NS-Zeit ist Adolf Butenandt bis heute umstritten. In seiner Heimatstadt Bremerhaven wäre eine ihm gewidmete Straße fast umbenannt worden. Dort wurde ein Hinweis am Straßenschild angebracht, um über die Historie aufzuklären. Wer war der umstrittene Wissenschaftler?

Der Biochemiker Adolf Butenandt wurde 1903 in Bremerhaven-Lehe geboren. Seine Mutter stammte aus Beverstedt.

Der Biochemiker Adolf Butenandt wurde 1903 in Bremerhaven-Lehe geboren. Seine Mutter stammte aus Beverstedt. Foto: dpa/Erk_Wirgenings

Auf der Tafel am Straßenschild in Bremerhaven steht: „Prof. Dr. Adolf Butenandt (1903-1995): In Lehe geborener Biochemiker auf dem Gebiet der Steroid-Hormone. Nobelpreisträger. In der NS-Zeit beteiligte er sich aber auch an kriegswichtigen Forschungsprojekten im Bereich der Virus-Forschung.“

Prof. Dr. Butenandt arbeitete an Hochschulen in Göttingen, Danzig, Berlin, Tübingen und München. 1929 isolierte er erstmals das weibliche Hormon Östrogen. Für seine Arbeiten wurde er 1939 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Butenandts Rolle im Dritten Reich gilt als umstritten. So unterzeichnete er 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Hitler. Er soll Überlegungen angestellt haben, antibiotische Wirkung von Schimmelpilzen an menschlichen Lebern zu testen. Zudem wird er in Verbindung mit der Herstellung von klinischer Lepra in Tierversuchen für das Militär gebracht.

Die Aufklärung nach dem Krieg gestaltete sich aber schwierig, da Butenandt zahlreiche geheime Unterlagen vernichtet haben soll. Einerseits soll er mehreren Juden geholfen haben. Andererseits wird ihm vorgeworfen, dass er nach dem Krieg die Aufklärung von NS-Verbrechen in der Wissenschaft behindert habe.

Dennoch schrieb der „Der Spiegel“ unter dem Titel „Freispruch für Butenandt“ am 2. April 2006: „Der Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1939, Adolf Butenandt, war in keine Nazi-Gräuel verstrickt; er verdrängte weder jüdische Professoren aus ihrem Amt, noch betrieb er während des Zweiten Weltkriegs Menschenexperimente.“

Dabei berief sich das Magazin auf den Chemiker Norbert Hilschmann, der alte Unterlagen ausgewertet hatte. Möglicherweise wurde erst später bekannt, dass umfangreiches Material zerstört worden war.

„Adolf-Butenandt-Schule“ wurde umbenannt

In Beverstedt hatte der Name der früheren „Adolf-Butenandt-Schule“ schon in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt. Die Tageszeitung „taz“ aus Berlin schrieb unter dem Titel „Ein Name mit braunen Schönheitsflecken“ am 18. April 2000 über die Schule: „Der Auftrag für den Namens-Schriftzug wurde eilends gestoppt, als Verbindungen Butenandts zu Nazi-Wissenschaftlern ruchbar wurden.“ Dass der Name überhaupt seinen Weg nach Beverstedt fand, lag daran, dass seine Mutter aus dem Flecken stammte.

Die Zeitung zitierte auch einen 14-jährigen Schüler mit den Worten: „Wie sieht denn das aus, wenn wir uns bewerben und da steht Adolf-Butenandt-Schule.“ Mittlerweile trägt die Einrichtung längst den Namen Oberschule Beverstedt.

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