TSonderanfertigung: So modern ist der neue Harsefelder Bürgerbus
Jutta Nuske ist seit Anfang an als Fahrerin in Harsefeld dabei. Der neue Bürgerbus hat ihren Sitztest schon mal bestanden. Foto: P. Meyer
Bequem ist er, jetzt muss der neue Harsefelder Bürgerbus nur noch von den Fahrgästen eingeweiht werden. Was neu ist und warum es trotz hoher Spritpreise kein Elektrofahrzeug wurde.
Harsefeld. Knapp 300.000 Kilometer ist der alte Bürgerbus in seinen sechs Dienstjahren durch die Samtgemeinde Harsefeld gefahren - jetzt geht es quasi in den wohlverdienten Bus-Ruhestand. Denn der Jüngste ist er auch nicht mehr.
Das ehrenamtliche Team des Bürgerbusses freut sich über das neue Fahrzeug. Foto: P. Meyer
„Das hat sich langsam auch in den Reparaturen bemerkbar gemacht“, sagt der 1. Vorsitzende des Vereins, Dr. Jan Boris Ingerowski, bei der Übergabe des neuen Fahrzeugs auf dem Hof des Werkstattpartners Autohaus Heinz Tietjen. Geblieben ist es bei einem VW Crafter mit ähnlicher Optik und Ausstattung - nur ein Stück weit moderner ist es geworden.
Kaufpreis fast vollständig gefördert
„Wir hatten gute Erfahrungen mit dem Modell“, so der Vorsitzende. Um den VW Crafter in einen Bürgerbus zu verwandeln, wurden in den vergangenen Wochen verschiedene Umbauten vorgenommen - schließlich gibt es ein solches Fahrzeug nicht von der Stange.
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110.000 Euro kostet der Bus samt Anpassungen. Nach fünf Jahren und mehr als 250.000 Kilometern auf dem Tacho des alten Fahrzeugs habe es für den Verein allerdings die Möglichkeit gegeben, Förderanträge zu stellen. 75 Prozent der Kosten, also rund 80.000 Euro, wurden von den Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) übernommen. Der Landkreis Stade stellte 25.000 Euro zur Verfügung. „Damit konnten wir den Anschaffungspreis fast vollständig decken“, freut sich Ingerowski.

Im Vordergrund der neue, im Hintergrund der alte Bürgerbus. Foto: P. Meyer
Über eine Fahrzeugrampe ist der Bürgerbus auch für Rollstuhlfahrer nutzbar. Er bietet weiterhin acht Fahrgast-Sitzplätze, plus einen für den Fahrer. „Wichtig war uns vor allem ein guter Sitz für unsere Fahrer“, betont Ingerowski. Schließlich schieben die rund 22 Ehrenamtlichen regelmäßig ihre Schichten im Sitzen.
Aus Freude am Ehrenamt: Jutta Nuske ist seit Anfang an dabei
Den Sitz mit Luftfederung durfte Jutta Nuske bei der offiziellen Übergabe testen. Die 71-Jährige ist seit Anfang an als Bürgerbus-Fahrerin in Harsefeld dabei. „Ich habe 2013 angefangen, weil ich mich ehrenamtlich engagieren wollte“, sagt sie. „Und weil ich gerne Auto fahre.“ Dabei geblieben sei sie, wegen der tollen Gemeinschaft und den netten Fahrgästen.

Der neue Bürgerbus von innen. Foto: P. Meyer
Ein technisches Upgrade gab es nicht nur beim ergodynamischen Fahrersitz. Neu sind auch ein großer Touchscreen, Lenkradschaltung sowie LED-Scheinwerfer. Warum es trotz der aktuell explodierenden Benzinpreise kein E-Fahrzeug geworden ist, hat verschiedene Gründe, so Ingerowski.
Warum es kein E-Fahrzeug wurde
Zum einen gebe es kaum Angebote in der Größenordnung, die den Anforderungen entsprechen. Verbrenner können die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer noch ohne zusätzlichen Führerschein fahren. Das gilt bei Führerscheinklasse B bei Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen. E-Autos seien durch die Batterie per se deutlich schwerer als Verbrenner. „Damit würden wir schon an dieser Grenze kratzen“, so Ingerowski.

Nico Tietjen (links) übergibt den Schlüssel an den 1. Vorsitzenden des Bürgerbusvereins Jan Boris Ingerowski. Foto: P. Meyer
Und auch die Platzierung des Akkus spiele eine Rolle und würde das Raumkonzept beeinträchtigen, ebenso wie die Akkuladedauer. Grundsätzlich stehe der Verein der Nutzung eines E-Mobils in der Zukunft aber offen gegenüber.
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Was die steigenden Benzinpreise angeht, engagiert sich der Dachverband der Bürgerbusse bereits dafür, mögliche Zuwendungen über das Land zu sichern, erklärt Ingerowski. Schließlich sei das etwas, was die ehrenamtliche Arbeit der Vereine direkt betrifft.
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