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Tradition

TStader Hansemahl der Brüderschaften: So gelingt das perfekte Spiegelei

Die Mitglieder von drei Stader Brüderschaften servierten am Samstag knapp 1300 Portionen Labskaus beim Hansemahl.

Die Mitglieder von drei Stader Brüderschaften servierten am Samstag knapp 1300 Portionen Labskaus beim Hansemahl. Foto: Stehr

Das Hansemahl lockte am Samstag viele Menschen an den Stader Fischmarkt. Am Rande des großen Labskausessens ging es auch um die Tricks beim Eierbraten.

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Von Lena Stehr
Samstag, 09.05.2026, 17:36 Uhr

Stade. „Warschau, es wird geglast“, ruft Werner Hecker am Samstag um 11 Uhr am Stader Fischmarkt, bevor er sechs Mal eine goldene Glocke läutet. Damit ist das 17. Hansemahl am alten Hansehafen eröffnet. 80 Mitglieder von drei Stader Brüderschaften servieren dabei Labskaus für den guten Zweck und informieren über ihr ehrenamtliches Engagement.

Was hat es mit der Glocke auf sich?

Bevor gegessen wird, drängt sich die Frage auf: Was genau bedeutet glasen und was hat es mit der Glocke auf sich? „Das ist Seemannssprache“, erklärt Werner Hecker von der St.-Pankratii-Brüderschaft. Schließlich geht es beim Hansemahl, wie der Name schon sagt, auch um die Hochzeit der Hanse.

Werner Hecker von der St.-Pankratii-Brüderschaft eröffnete das Hansemahl traditionell mit der Glocke.

Werner Hecker von der St.-Pankratii-Brüderschaft eröffnete das Hansemahl traditionell mit der Glocke. Foto: Stehr

Damals wurden Waren noch auf dem Seeweg von Stade aus gehandelt. Als es auf den Schiffen noch keine Uhren gab, wurde alle halbe Stunde an ein Glas geschlagen - also geglast - damit die Seemänner wussten, wie spät es ist. Das Glas wurde später durch eine Glocke ersetzt. Drei Doppelschläge ergeben genau 11 Uhr. Warschau bedeutet Achtung.

Beim Hansemahl servieren die Mitglieder von drei Stader Brüderschaften Labskaus für den guten Zweck.

Beim Hansemahl servieren die Mitglieder von drei Stader Brüderschaften Labskaus für den guten Zweck. Foto: Stehr

Um kurz nach 11 Uhr verteilen die Brüder die ersten von insgesamt 1300 Portionen Labskaus. Das traditionelle Seefahrergericht aus Kartoffeln und gepökeltem Rindfleisch wurde in der Stader Qualifizierungsküche vorgekocht. Allerdings nicht die Spiegeleier, die ebenfalls Teil des Gerichts sind - die kommen ganz frisch auf den Teller.

Das perfekte Ei darf nicht zu lange in der Pfanne bleiben

Mitarbeiter der Qualifizierungsküche brutzeln die Eier an drei Stationen und in großen Pfannen mit reichlich heißem Pflanzenöl. Zum Warmhalten ruhen die Eier in kleinen beheizten Schränken. „Bei 85 Grad bleibt das Gelbe schön weich“, sagt Anastasia Arndt. Für ein perfektes Spiegelei brauche man Erfahrung. Es dürfe auf jeden Fall nicht zu lange in der Pfanne bleiben.

Der gelernte Koch Sascha Romahn weiß, worauf es beim Eierbraten ankommt.

Der gelernte Koch Sascha Romahn weiß, worauf es beim Eierbraten ankommt. Foto: Stehr

Der gelernte Koch Sascha Romahn hat noch mehr gute Tipps parat und verrät: „Eigentlich sind die Pfannen hier viel zu heiß, die Eier schlagen dann leicht Blasen.“ Für ein perfektes Spiegelei sollte man Butter nehmen und das Ei darin wenige Minuten nicht zu stark erhitzen. Mit Rapsöl klappe es auch.

Anastasia Arndt (links) und Irina Braunschweig von der Qualifizierungsküche beim Eierbraten.

Anastasia Arndt (links) und Irina Braunschweig von der Qualifizierungsküche beim Eierbraten. Foto: Stehr

Streng genommen werden beim Hansemahl übrigens kaum echte Spiegeleier serviert, sondern nur ganz wenige auf ausdrücklichen Wunsch. „Ein Spiegelei wird in der Pfanne gewendet“, sagt Sascha Romahn. Wird das Ei nur von einer Seite gebraten, nennt man es Setzei. Viele sagen auch sunny side up, auf Deutsch: die sonnige Seite oben.

Apropos sonnige Seite. Mit dem Wetter hatten die Brüderschaften wieder viel Glück. Nur wenige Male musste das Hansemahl in den vergangenen Jahren wegen schlechten Wetters ins Rathaus verlegt werden.

Hanse und Brüderschaften im Fokus

Die Idee für das öffentliche Labskausessen entstand während der Amtszeit von Andreas Rieckhof als Bürgermeister und Dirk Kraska als Erstem Stadtrat. Es fand ursprünglich immer am Tag der internationalen Hanse statt.

„Damit soll unter anderem gezeigt werden, dass Stade als alte Hansestadt durch Unternehmungsgeist und kaufmännisches Geschick zu Bedeutung und Wohlstand gekommen ist“, sagt Frank Tinnemeyer von der Stade Marketing und Tourismus GmbH. Gleichzeitig dient das Hansemahl dazu, die Brüderschaften bekannter zu machen und Spenden zu sammeln. In diesem Jahr für die DLRG-Ortsgruppe Stade.

Jörn-Hinnerk Abbe von der Rosenkranz-Gotteshülfe-Brüderschaft verteilte Stoder Gotteshülp - eine Kräuterspirituose, die nur beim Hansemahl erhältlich ist.

Jörn-Hinnerk Abbe von der Rosenkranz-Gotteshülfe-Brüderschaft verteilte Stoder Gotteshülp - eine Kräuterspirituose, die nur beim Hansemahl erhältlich ist. Foto: Stehr

Gegründet wurden die Brüderschaften, um Hilfsbedürftige - insbesondere Witwen und Waisen - zu unterstützen. Heute spenden die Brüder hauptsächlich für Vereine wie die Tafel oder die Wärmestube.

Die Kaufleute- und Schifferbrüderschaft servierte Labskaus vor dem Schwedenspeichermuseum.

Die Kaufleute- und Schifferbrüderschaft servierte Labskaus vor dem Schwedenspeichermuseum. Foto: Stehr

In Stade gibt es vier Brüderschaften: die St.-Pankratii-Brüderschaft von 1414, die St.-Antonii-Brüderschaft von 1439, die Rosenkranz-Gotteshülfe-Brüderschaft von 1482 und die Kaufleute- und Schifferbrüderschaft von 1556. Die St.-Antonii-Brüderschaft agiert am zurückgezogensten und beteiligt sich nicht am Hansemahl.

Für das perfekte Spiegelei darf die Pfanne nicht zu heiß sein, weiß Sascha Romahn.

Für das perfekte Spiegelei darf die Pfanne nicht zu heiß sein, weiß Sascha Romahn.

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