TTSV Apensen sagt Danke: „Harald Zerwas war mehr als nur ein Trainer“
Harald Zerwas und Kapitänin Pia Teetz. Sie war in der Saison die rechte Hand des Trainers. Foto: privat
Harald Zerwas und der TSV Apensen haben eine besondere Verbindung. Die Fußballerinnen feierten gerade den Titel mit ihm, das Menschliche wiegt aber mehr als der sportliche Erfolg.
Apensen. Als die Fußballerinnen des TSV Apensen nach dem letzten Saisonspiel in Hedendorf ihrem Trainer Harald Zerwas eine besondere Überraschung übergaben, ahnte der 66-Jährige zunächst nicht, was auf ihn zukommt. Die Mannschaft hatte eine Anzeige im TAGEBLATT geschaltet, um sich bei ihrem scheidenden Trainer öffentlich zu bedanken. Erst am nächsten Tag las Zerwas die Worte in Ruhe. „Das hat mich unglaublich berührt. Mir standen die Tränen in den Augen.“
In der TAGEBLATT-Anzeige bedankte sich die Frauenmannschaft des TSV Apensen bei Harald Zerwas für die gemeinsame und prägende Zeit. Foto: privat
In der Anzeige bedankte sich die Mannschaft für die gemeinsame Zeit. Unter anderem stand da für jeden Leser zu lesen: „Vielen Dank für alles, was du uns auf und neben dem Feld beigebracht hast, du warst ein unfassbar fairer, ehrlicher und liebevoller Trainer, wir werden dich vermissen.“
Es war der emotionale Schlusspunkt einer Saison, mit der in Apensen kaum jemand gerechnet hatte. Der TSV Apensen wurde Meister der Landesliga und hätte somit den sportlichen Aufstieg in die Oberliga geschafft. Diesen Schritt geht der TSV Apensen jedoch nicht.
Eine bewusste Entscheidung gegen die Oberliga
Nach intensiven Gesprächen innerhalb der Mannschaft sei die Entscheidung gefallen, erklärt Sportvorstand Oliver Drechsel. Ausschlaggebend seien ausdrücklich keine finanziellen Gründe gewesen. Vielmehr habe man stattdessen realistisch auf die Lebenssituationen im Kader geschaut: Abitur, Studium und der Beruf machen den Aufwand in der Oberliga schwer planbar.
Der Verein wolle bodenständig bleiben. Eine Art Leistungszentrum zu werden, sei nie das Ziel gewesen. Beim TSV wurde vielmehr über Jahrzehnte eine eigene Struktur aufgebaut. Vor rund 20 Jahren begann in Apensen der Mädchenfußball – heute gibt es zwei Frauen- und sechs Mädchenmannschaften. Der Großteil des aktuellen Teams stammt aus der eigenen Jugend.
Die unerwartete Meisterschaft
Dass der TSV Apensen Meister wurde, war ohnehin überraschend. Die Mannschaft hatte sich am Anfang der Saison das Ziel gesetzt, einen einstelligen Tabellenplatz zu erkämpfen. Lange lief die Saison durchwachsen, erst im Winter entwickelte das Team eine Serie. Vier Wochen vor Saisonschluss standen die Apenserinnen ganz oben.
Für Kapitänin Pia Teetz lässt sich der sportliche Erfolg nicht an einer Person festmachen – Harald Zerwas habe dennoch großen Anteil daran gehabt, genauso das gesamte Trainerteam und alle Fans.
„Harald war für uns mehr als nur ein Trainer“, so Teetz. Er habe immer ein offenes Ohr gehabt, nicht nur für den Fußball. Viele Spielerinnen hätten sich verstanden und ernstgenommen gefühlt – auch außerhalb des Platzes. Zerwas habe Werte vermittelt, die über den Sport hinausgehen. Zweifel habe er in Selbstvertrauen verwandelt und immer neue Perspektiven eröffnet.
„60 Prozent Fußball, 40 Prozent Lebensinhalte“
Harald Zerwas beschreibt seine Arbeit ähnlich. Ihm sei wichtig gewesen, jede einzelne Spielerin zu erreichen – unabhängig ob Stammkraft oder Ergänzungsspielerin. „Menschlichkeit ist genauso wichtig wie Fachlichkeit“, sagt Zerwas stolz.
Besonders häufig verweist er auf Kapitänin Pia Teetz, die in der Rückrunde zunehmend auch Aufgaben neben dem Platz übernommen hatte und zeitweise die Rolle der Co-Trainerin einnahm. Sie habe die Mannschaft geführt und Verantwortung übernommen.
Seit 1978 steht Harald Zerwas an der Seitenlinie, mehr als 3000 Spiele hat er begleitet. Zum TSV Apensen ist seine Verbindung besonders eng: Er spielte hier selbst, mit 18 Jahren wurde er Trainer. Seine Vereinsverbundenheit sei durch die letzte Zeit nochmals deutlich gewachsen.

Harald Zerwas in der Rotenburger Trainergilde, wo er den Preis zum Trainer des Jahres bekommen hat. Foto: privat
Auch außerhalb des Vereins wurde Zerwas zuletzt gewürdigt. Nach 35 Jahren Mitgliedschaft in der Rotenburger Trainergilde wurde er zum Trainer des Jahres gewählt. „Ohne mein Trainerteam und der Mannschaft hätte ich das nicht erreichen können“, sagt er.
Meisterschaft ist ein Erfolg der Gemeinschaft
Mannschaft und Trainer betonen, dass die Meisterschaft keine Einzelgeschichte sei. Betreuer Peter Steffens, Torwarttrainer Ronald Bade und Sportvorstand Oliver Drechsel, frühere Trainer und das gesamte Umfeld hätten ihren Anteil gehabt. Am letzten Spieltag unterstützten rund 180 Vereinsmitglieder die Mannschaft in Hedendorf.
Für Drechsel ist genau das die Stärke des TSV Apensen: das Gemeinschaftsgefühl. „Es ist ein Wir-Gefühl.“
Ein Abschied - ganz weg ist Zerwas trotzdem nicht
Trotz des Abschieds bleibt Harald Zerwas dem TSV erhalten. Sein Nachfolger Maik Ratje übernimmt zur neuen Saison, die ersten Wochen wird Zerwas ihn noch begleiten. „Aber alle Trainerentscheidungen liegen bei Maik“, betont er.
„Dem TSV werde ich immer treu sein“. Zerwas hatte sich auch schon 2024 nach der Bezirksmeisterschaft und dem Landesliga-Aufstieg verabschiedet. Nun übergibt er nach einer weiteren Meisterschaft aber guten Gewissens an den erfahrenen Ratje, den er selbst ins Spiel gebracht hat.
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