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Bauernhof

T„Mein großer Traum“: Tadschikistan trifft auf Treckerliebe

Aus Tadschikistan nach Butjadingen: Shahrom Yunuszoda hat seine Ausbildung auf Hof Seeverns gemacht. Besonders liebt er das Treckerfahren - zum Beispiel auf dem Claas Arion 660.

Aus Tadschikistan nach Butjadingen: Shahrom Yunuszoda hat seine Ausbildung auf Hof Seeverns gemacht. Besonders liebt er das Treckerfahren - zum Beispiel auf dem Claas Arion 660. Foto: Overschmidt

Mähdrescher statt Jura-Titel, Kuhstall statt Gerichtssaal: Was für viele wie ein Abstieg klingt, ist für einen jungen Tadschiken die Erfüllung seines Kindheitstraums.

Von Andrea Vogt Samstag, 28.02.2026, 08:00 Uhr

Butjadingen. Deutschland, das Land der leistungsstarken Trecker und innovativen Landmaschinen - dieser Ruf ist bis ins ferne Tadschikistan gehallt. „Als kleiner Junge wollte ich schon nach Deutschland, um die neuen Trecker zu sehen - das war mein großer Traum“, sagt Shahrom Yunuszoda. „Als ich zum ersten Mal auf Hof Seeverns war, habe ich den Claas und den John Deere gesehen - da wusste ich: Das ist der richtige Betrieb für mich!“ Im vergangenen Jahr hat der 23-Jährige seine Ausbildung zum Landwirt auf dem Betrieb von Jan Dierk Harbers und seiner Frau Maike Harbers-Bahr in Butjadingen abgeschlossen.

Ursprünglich wollte er als Arbeiter auf dem Biohof mit Milchviehhaltung, Pensionspferden und einer Biogasanlage anfangen. Über eine Vermittlungsagentur war der Kontakt nach Seeverns zustande gekommen. „Wir konnten Shahrom aber davon überzeugen, die Ausbildung zum Landwirt bei uns zu machen“, sagt seine Chefin Maike Harbers-Bahr, „damit hat er einfach viel bessere Perspektiven.“ In Tadschikistan hätte er nach dem Abitur auch sein Jura-Studium fortsetzen können. 2022, nachdem sich die Corona-Lage entspannt hatte, zog es ihn aber nach Deutschland.

Fremde Sprache größte Hürde in Deutschland

Die fremde Sprache war für Shahrom die größte Hürde in seiner Anfangszeit auf Hof Seeverns. Um überhaupt ein Arbeitsvisum zu erhalten, hatte er bereits in seiner Heimat Deutschkurse belegt. Mit diesen Grundkenntnissen ist er im Alltag und vor allem in der Berufsschule aber nicht sehr weit gekommen. „Mein Vater hat mir dann gesagt, dass ich lieber nicht so oft anrufen soll, sondern nur noch mit Deutschen sprechen soll“, erinnert sich Shahrom. Auch von einem anderen Arbeitskollegen, der wie er aus Tadschikistan stammt, hat er sich eine Zeitlang lieber fern gehalten - bis er nach und nach Tritt gefasst hat.

Die Versorgung der 55 Pensionspferde und der 10 eigenen Pferde gehört zu den Aufgaben von Shahrom Yunuszoda auf Hof Seeverns. Seine Chefin Maike Harbers-Bahr schätzt ganz besonders seine Zuverlässigkeit und seine Freundlichkeit.

Die Versorgung der 55 Pensionspferde und der 10 eigenen Pferde gehört zu den Aufgaben von Shahrom Yunuszoda auf Hof Seeverns. Seine Chefin Maike Harbers-Bahr schätzt ganz besonders seine Zuverlässigkeit und seine Freundlichkeit. Foto: Overschmidt

Die Arbeiten auf dem Hof waren dem jungen Mann dagegen vertraut: Zu Hause in Tadschikistan hat seine Familie ebenfalls Landwirtschaft - zwei Hektar Land, vier Kühe, vier Kälber, 15 Schafe und einen kleinen Trecker. In Seeverns sind die Dimensionen mit 500 Hektar Grünland, rund 300 Milchkühen plus weiblicher Nachzucht, 65 Pferden und der Biogasanlage um einiges größer. Aber der Umgang mit den Tieren, das Füttern, Ausmisten, Melken und die zahlreichen anderen täglichen Aufgaben, die auf einem Bauernhof anfallen, sind ganz ähnlich. „Nur die Klauenpflege kannte ich noch nicht“, sagt Shahrom. „In Tadschikistan ist es sehr bergig. Da stoßen sich die Tiere die Klauen an den Felsen ab.“

Hof Seeverns ist zur zweiten Heimat geworden

In fließendem Deutsch erklärt er Besuchern, dass die Jersey-Kühe, die hier gehalten werden, kompakter sind und etwas weniger fressen als die Schwarz-Bunten, die in Butjadingen fest zum Landschaftsbild gehören. Dafür sei ihre Milch besonders fetthaltig. Seine Wissbegierde, seine Freundlichkeit, seine Zuverlässigkeit - dies alles schätzt seine Chefin Maike Harbers-Bahr an Shahrom. „Er ist auch der Übersetzer, wenn wir andere Mitarbeiter aus dem Ausland hier auf dem Hof haben“, nennt sie noch ein weiteres Talent. Sieben Sprachen spricht der 23-Jährige - neben Tadschikisch als Muttersprache auch Englisch, russisch, Ukrainisch, Türkisch, Persisch und eben Deutsch.

Mit Mitarbeitern aus dem Ausland haben Maike und Jan Dierk Harbers sehr gute Erfahrungen gemacht, daher suchen sie mittlerweile gezielt über eine Vermittlungsagentur nach Angestellten. Shahrom wurde von ihnen nach seiner Ausbildung übernommen und ist einer von neun Mitarbeitern des Betriebs. „Ich möchte noch einige Jahre hier arbeiten und Erfahrungen sammeln, und dann meinen Meister machen“, nennt er seine nächsten Ziele. Im Sommer wird er seine Freundin heiraten und nach Deutschland holen. Auch sie möchte in der Landwirtschaft arbeiten.

Shahroms Ziel ist ein eigener Hof in Tadschikistan

Irgendwann soll es aber zurück in die Heimat gehen, um dort einen eigenen Betrieb aufzubauen. Dort ist es viel trockener als in Deutschland, und es muss viel bewässert werden. Die fetten Marschweiden und den Regen wird er dann vermissen - und Jan Dierk und Maike mit ihren vier Kindern, die für ihn zu einer zweiten Familie geworden sind. „Sie haben mir sehr geholfen, vor allem mit der Sprache“, sagt Shahrom. „Dafür bin ich ihnen sehr, sehr dankbar.“

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