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TTiertafel Buxtehude schlägt Alarm: „Wir schaffen das nicht mehr“

Liona Plorin nimmt oft Hunde in ihren privaten Räumen auf, weil es an Unterbringungsmöglichkeiten fehlt.

Liona Plorin nimmt oft Hunde in ihren privaten Räumen auf, weil es an Unterbringungsmöglichkeiten fehlt. Foto: Felsch

Die Tiertafel Buxtehude ist künftig telefonisch nicht mehr erreichbar. Das teilte die gemeinnützige Organisation auf ihrer Facebook-Seite mit und nennt auch den Grund.

Von Franziska Felsch 09.09.2026, 16:05 Uhr

Buxtehude. Die Tiertafel ist ursprünglich angetreten, um finanzschwache Tierhalter zu unterstützen. Dafür sammelt der Verein Futterspenden, Zubehör oder Geld. Mittlerweile widmen sich die Ehrenamtlichen ganz anderen Aufgaben - Aufgaben, für die sie nicht zuständig sind und die sie an ihre Grenzen bringen.

Tag und Nacht erhält Familie Plorin Anrufe, wenn ein Tier in Not ist. Mal geht es um 25 Kitten, mal um einen herrenlosen Hund, einen verletzten Igel, eine lahmende Ente oder ein krankes Eichhörnchenbaby. Den Leuten, die sie anrufen, macht Sonja Plorin keinen Vorwurf, im Gegenteil, die erste Vorsitzende der Tiertafel Buxtehude lobt das Verhalten der Menschen, die nicht wegschauen und helfen wollen. „Aber wir schaffen das nicht mehr, weder physisch noch psychisch.“

Weil sie es aber nicht übers Herz bringen, die Tiere ihrem Schicksal zu überlassen, fahren sie am Ende doch immer wieder los. Was dazu führt, dass in dem eigenen Reihenhaus zusätzlich zu den eigenen Haustieren mehrere Findlinge einziehen oder Katzenbabys in der Drei-Zimmer-Wohnung von Tochter Liona.

Im schlimmsten Fall erschießen

Die 30-Jährige, eine vom Veterinäramt geprüfte Hundeverhaltenstrainerin, liebt Tiere über alles. Selbst „gefährliche“ Hunde bekommt die zierliche junge Frau in den Griff. So wie kürzlich den aufgegriffenen Hund, der in einem Rathaus die Mitarbeiter in Angst versetzte.

Transportbehälter haben die Plorins auf eigene Kosten angeschafft, damit sie Fundtiere zum Tierarzt bringen können.

Transportbehälter haben die Plorins auf eigene Kosten angeschafft, damit sie Fundtiere zum Tierarzt bringen können. Foto: Felsch

„Was da passierte, zeigt, wie schnell eine Situation eskalieren kann, wenn es für solche Fälle keine funktionierenden Strukturen und klaren Zuständigkeiten gibt“, meint ihre Mutter.

Es fehlt eine zuständige Stelle

Die Polizei meldete sich in diesem Fall bei ihr, weil es in der Region keine Tierrettung oder vergleichbare Stelle gebe, die man hinzuziehen könne. Gleichzeitig habe der Beamte deutlich gemacht, dass sie das Tier im allerschlimmsten Fall erschießen müssten, was sie nicht wollten. Liona Plorin setzte sich mit dem Ordnungsamt in Verbindung und fuhr zum Rathaus.

Da sich niemand fand, der bereit oder zuständig war, den Hund ins Tierheim zu bringen, hat die junge Frau ihren Termin verschoben und das Tier im eigenen Auto nach Stade gebracht. Nach ihrer fachlichen Einschätzung war der Hund nicht grundsätzlich aggressiv, sondern in der für ihn völlig fremden Situation stark überfordert. Im Tierheim habe es zunächst Schwierigkeiten gegeben, weil keine schriftliche Kostenübernahme der Gemeinde vorgelegen habe.

Unerträgliche Zustände

„Das sind nur einige der üblichen Probleme, kein Chip und somit Schwierigkeiten den Besitzer zu ermitteln“, weiß Sonja Plorin und fragt: „Wer übernimmt den Transport zum Tierheim oder Tierarzt, wer trägt die Kosten für die Fahrten, für medizinische Behandlungen? Was ist, wenn im Tierheim kein Platz mehr ist und was wäre passiert, wenn Liona nicht hätte helfen können?“

Deshalb hat sie sich Ende April an Landrat Kai Seefried gewandt und ihm ein Konzept unterbreitet. Im Kern geht es um eine regionale Koordinationsstelle für Fundtiere und Tierschutzfälle, an die sich jeder jederzeit wenden kann. Diese Schnittstelle leitet die weiteren Maßnahmen ein. Außerdem plädiert das Projekt für eine flächendeckende Katzenschutzverordnung und Kontrolle des Gesetzes, um die Population nicht überhand nehmen zu lassen.

Kater Kuddi wohnt jetzt bei Sonja Plorin.

Kater Kuddi wohnt jetzt bei Sonja Plorin. Foto: Felsch

Probleme wie Unterbringung und Erstversorgung der Tiere müssten geregelt werden. Ideal fände Liona Plorin einen Resthof. „Dort könnten Kinder oder Erwachsene mithelfen, was bekanntlich beiden Seiten gut tut“, sagt die Sozialarbeit-Studentin.

Landrat um Hilfe gebeten

„Wie zugesagt, ist der Landrat im Austausch mit den hauptamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und drängt darauf, dass die Aufgaben in den Rathäusern ordnungsgemäß abgearbeitet werden“, erklärt Pressesprecher Daniel Beneke und verweist darauf, dass die Zuständigkeit für Fundtiere bei den Städten und Gemeinden liegt.

Auf der Internetseite des Landwirtschaftsministeriums heißt es: „Der Finder oder die Finderin hat den Fund unverzüglich bei der zuständigen Fundbehörde (der Gemeinde) anzuzeigen und ist verpflichtet, das Fundtier bei der zuständigen Gemeinde oder auf Anordnung der Gemeinde bei einer von ihr bestimmten Stelle abzugeben.“

In der Praxis funktioniere das selten, weiß Plorin. „Wir haben erlebt, dass die Polizei eine Notfallnummer angerufen hat, als das Ordnungsamt geschlossen war, aber häufig sieht das anders aus.“ Erst neulich bekam sie zu hören: „Lassen Sie die Katze sitzen, in Buxtehude gibt es am Wochenende keine Möglichkeit der Unterbringung.“ Als sie einmal abgewimmelt wurde, hat sie mehrere Katzen direkt ins Rathaus gebracht. „Wir engagieren uns gern, aber es kann nicht als selbstverständlich angesehen werden, dass Ehrenamtliche sich ständig kümmern und Zeit sowie Geld investieren müssen“, sagt sie.

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