TTinkerbell hat ein neues Zuhause: Großes Interesse an beschlagnahmten Pferden
Auch die beiden Shettys Mirianda und Masha finden ein neues Zuhause. Foto: Tom Kreib
26 Pferde, Ponys und Esel hatte der Landkreis Rotenburg beschlagnahmen lassen. Hunderte Zuschauer verfolgten jetzt, wie die Tiere versteigert wurden. Auch Drochtersen wird zur neuen Heimat.
Landkreis Rotenburg/Drochtersen. Tinkerbell wird ein Therapiepferd auf einem Reiterhof in der Nähe von Cloppenburg. „Größe und Charakter des Tinkers gefallen mir“, sagt die Hofbesitzerin. Sie bot 1.700 Euro und bekam den Zuschlag. Das Pony wurde zusammen mit 24 anderen Pferden, Eseln, Ponys und Mulis in Hamersen auf dem Leischhof im Auftrag des Veterinäramts des Landkreises Rotenburg gegen das höchste Gebot versteigert. Zuvor waren die insgesamt 26 Tiere vom Amt beschlagnahmt worden. Das Interesse an dieser Auktion war groß. Mehrere Hundert Menschen standen dicht gedrängt in der Reithalle. Viele waren aus Interesse gekommen und gaben kein Angebot ab. Dennoch fanden alle Tiere ein neues Zuhause.
Es war eine bunte Mischung aus Pferdefreunden, Händlern und Reiterhofbesitzern, die mitunter weite Wege gefahren sind. Dort, wo sonst die Pferde des Leischhofs grasen, standen viele Transporter und Pferdehänger. Die pensionierte Kinderärztin Dr. Petra Keller war mit ihrer Tochter Vera Gaul-Schultze aus Gifhorn angereist. Ihr Interesse galt ausschließlich Højgaards Severin, einem 2018 geborenen Fjordpferd. „Bei uns würde der ein tolles Zuhause finden.“ Ihre Tochter ergänzte: „Wenn es nicht klappt, ist das auch in Ordnung. Hauptsache, die Tiere kommen in gute Hände.“ Ein Satz, der an diesem Nachmittag oft zu hören war. Denn das war schließlich keine normale Pferdeauktion, sondern ein Tierschutzfall.
Jeder Kaufinteressent musste sich vor der Versteigerung registrieren lassen. Dabei wurde auch eine Selbstauskunft unterzeichnet, in der der deutliche Hinweis stand, dass sich das Veterinäramt vorbehält, die Haltungsbedingungen der versteigerten Tiere zu überprüfen. Darüber wurde in den sozialen Medien im Vorfeld emotional diskutiert. Die Schlange für die Registrierung wuchs und wuchs. Dort hatte sich auch Rolf Albers vom Rosenhof in Bispingen angestellt. „Ich suche einen Esel.“ Auf seinem Reit- und Ferienhof in der Lüneburger Heide war gerade ein Esel gestorben. „Die dürfen auf keinen Fall allein gehalten werden“, begründete Albers sein Interesse.
„Eigentlich ein trauriger Anlass“
Auf den Hintergrund der Beschlagnahmung ging auch Jörg-Wilhelm Wegener ein, der die Versteigerung leitete: „Eigentlich ein trauriger Anlass“, sagte er zu Beginn, bevor jedes Tier einzeln oder in Kleingruppen in die Reithalle geführt wurde. Auf Showelemente werde er verzichten, kündigte der Auktionator und Sachverständige für Pferde an. Zuerst wurde Wanda, ein 20 Jahre altes Warmblut, vorgestellt. Vater und Muttervater sind unbekannt, ein Ersatz-Equidenpass ist beantragt. Der Hammer für die Stute, bei der die Rippen deutlich zu sehen waren, fiel bei 350 Euro. Schlag auf Schlag ging es weiter und es zeichnete sich von Beginn an ab, dass die Pferdefreunde in der Reithalle gewillt waren, jedem einzelnen Tier ein neues Zuhause zu bieten.
Das Fjordpferd Højgaards Severin gehörte zu den wenigen Ponys und Pferden, bei denen die Angebote schnell nach oben stiegen und im vierstelligen Bereich landeten. Der Zuschlag fiel bei 2.500 Euro. Mit 2.800 Euro war die Isländerstute Teddy das teuerste Pferd der Auktion. Mit einem Schlussgebot von 2.000 Euro wurde ein echter Hingucker, die Scheckstute Valesca, in neue Hände gegeben.
Auch die Esel und Mulis fanden ein neues Zuhause
Die Eselstute Vera, das letzte Tier der Auktion mit der Nummer 26, zieht nach Drochtersen auf den Eselschutzhof von Yvonne und Thorsten Neumann. „Vera wird es in unserer Eselherde gut haben“, sagte Yvonne Neumann, die seit Jahren im Tierschutz im Landkreis Stade aktiv ist. Bei 700 Euro bekam sie den Zuschlag.
Aus Sicht des Rotenburger Veterinäramts, das mit drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort war, dürfte die Auktion als Erfolg verbucht werden. Von den insgesamt 26 beschlagnahmten Tieren sind 25 versteigert worden. Nur ein Muli wurde aus gesundheitlichen Gründen aus der Auktion herausgenommen. „Dem Tier geht es gut, es befindet sich aber noch in tierärztlicher Behandlung“, sagte Wegener.

Tinkerbell soll ein Therapiepferd werden. Foto: Tom Kreib
„Insgesamt sind zwischen 300 und 400 Personen für die Auktion angereist und knapp 80 Menschen haben sich als potenzielle Käufer registrieren lassen. Die Besichtigung und die Auktion verliefen in einer guten Atmosphäre. Das Team des Veterinäramtes dankt allen Helfern und Beteiligten für den professionellen und gut organisierten Ablauf“, zieht der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Markus Wendt, Bilanz.
Ob für das Rotenburger Veterinäramt mit dem Ende der Versteigerung ein Schlussstrich gezogen wird, ist offen. Die Entscheidung zur Beschlagnahme kann von der ehemaligen Besitzerin beklagt werden. „Alle angeordneten Maßnahmen unterliegen im Fall einer Klage der gerichtlichen Prüfung“, heißt es vom Landkreis, der aus diesem Grund wegen des laufenden Verfahrens mit Informationen zu dem Fall zurückhaltend ist. Unterm Strich bleibt aber auch festzuhalten: Der Erlös vom Verkauf der 25 Pferde, Esel, Ponys und Mulis, der an den Landkreis fließt, dürfte die Kosten, die entstanden sind, bei weitem nicht decken. Transport, Unterbringung, Hufschmied oder Hufpfleger und Tierärzte haben sehr viel mehr gekostet. (RK)
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