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Gastgewerbe

TTraditionshotel nach 200 Jahren vor dem Aus? Bösehof meldet Insolvenz an

Dem Hotel Bösehof in Bad Bederkesa stehen wirtschaftlich schwierige Zeiten bevor. Foto: Hartmann

Dem Hotel Bösehof in Bad Bederkesa stehen wirtschaftlich schwierige Zeiten bevor. Foto: Hartmann Foto: Arnd Hartmann

Das Romantikhotel Bösehof kämpft im Jahr seines 200-jährigen Jubiläums mit wirtschaftlichen Problemen. Wie es für Gäste und Angestellte weitergeht, erklärt die Geschäftsführerin.

Von Mareike Blumenthal Dienstag, 27.01.2026, 05:50 Uhr

Landkreis Cuxhaven. Böse Überraschung zum Jahresbeginn: Das Romantikhotel Bösehof in Bad Bederkesa hat Insolvenz angemeldet. In dem Antragsverfahren ist die vorläufige Verwaltung des Vermögens angeordnet worden, heißt es in einer Bekanntmachung des Amtsgerichts Cuxhaven. Die knapp 70 Mitarbeiter des Hotels wurden am Montag in einer Betriebsversammlung über den Insolvenzantrag informiert.

Insolvenzantrag soll drohende Zahlungsunfähigkeit abwenden

Der Antrag sei keiner bestehenden Zahlungsunfähigkeit geschuldet, sagt Bösehof-Geschäftsführerin Natascha Grotjohann, sondern einer drohenden. „Ich habe den Antrag bewusst gestellt, um frühzeitig gegenzusteuern und eine finanzielle Sanierung des Unternehmens zu ermöglichen.“ Die wirtschaftliche Schieflage sei nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. „Dazu zählen unter anderem gestiegene Energie- und Personalkosten sowie veränderte Marktbedingungen“, so Grotjohann.

Geschäftsführerin Natascha Grotjohann (links) und Veranstaltungsmanagerin Andrea Roming.

Geschäftsführerin Natascha Grotjohann (links) und Veranstaltungsmanagerin Andrea Roming. Foto: Dührkop

Straßensanierung in Bad Bederkesa kostet Hotel Bösehof viele Gäste

Ein weiterer Faktor sei die Sanierung der Hauptmann-Böse-Straße und die damit verbundene Baustelle vor dem Hotel, die das Unternehmen im vergangenen Jahr viele Gäste und Geld gekostet habe. Zwar wurden in dieser Zeit die Zimmerpreise um 25 bis 30 Prozent gesenkt, trotzdem habe das Hotel einen Gästerückgang von 20 Prozent und damit Umsatzeinbußen von mehr als 100.000 Euro gehabt.

Auch die Rückzahlung der Corona-Hilfen habe mit mehr als 200.000 Euro ein großes Loch in die Kasse gerissen.

Als bekannt wurde, dass Eigentümer Klaus Manke die Immobilie verkaufen will, gingen auch die Gutscheinverkäufe zurück. Dass das Hotel schließen muss, will Grotjohann auf jeden Fall verhindern - auch mit Hilfe des Insolvenzverwalters.

Hotelbetrieb soll weiterlaufen – jetzt zählt die Treue der Gäste

Grotjohann hofft weiterhin auf die Treue der Gäste, um das Hotel finanziell zu stabilisieren. „Wir sind bester Hoffnung, dass wir das hinbekommen. Aber es geht eben nur mit Unterstützung. Wir werden nicht an unserer Qualität sparen und den Gästen weiterhin den gewohnten Komfort und Service bieten.“

Die Hamburger Kanzlei Weiland kümmert sich nun um die Vermögensverwaltung. „Der Betrieb wird erst mal normal weiterlaufen, und die Mitarbeiter erhalten ihr Geld durch die Insolvenzgeldvorfinanzierung“, sagt Anwalt Matthias Beck. „Wir streben eine Gesamtlösung an“, so Beck.

Rund ein Jahr lang wurde die Hauptmann-Böse-Straße am Bösehof in Bad Bederkesa saniert - auf Staub und Lärm hatten viele Gäste keine Lust.

Rund ein Jahr lang wurde die Hauptmann-Böse-Straße am Bösehof in Bad Bederkesa saniert - auf Staub und Lärm hatten viele Gäste keine Lust. Foto: Camin

Immobilie in Bad Bederkesa steht bereits seit November zum Verkauf

Das Objekt steht bereits seit November zum Verkauf. Der Hotelimmobilienspezialist „Christie & Co“ ist dafür beauftragt. „Der Verkauf ist keiner Notsituation geschuldet“, sagte Grotjohann im vergangenen Jahr. Die Absicht sei seit Längerem bekannt und wurde „strategisch geplant“. Besitzer Klaus Manke, der das Hotel bis 2024 führte, wolle sich von der Immobilie trennen. „Es fehlt die Unternehmensnachfolge“, sagte Grotjohann damals zu den Gründen. Die Kinder von Klaus Manke und Andrea Roming seien noch zu jung, um in Betracht zu kommen. Während Roming als Veranstaltungsmanagerin im Bösehof arbeitet, ist Manke erkrankt und nicht mehr dort tätig.

Der Insolvenzantrag kommt überraschend. Grotjohann resümierte noch im November vergangenen Jahres, dass die Auslastung des Hotels auf fast 70 Prozent angestiegen sei, dazu ein Boom an Hochzeitsgesellschaften und anderen Feierlichkeiten. Der Bösehof würdigt in diesem Jahr sein 200. Bestehen, Veranstaltungen rund um das Jubiläum sind bis in den Oktober hinein geplant. Daran soll sich auch trotz Insolvenzantrag vorerst nichts ändern, stellt Grotjohann klar.

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