TNeues Leben in Peru: Arzt wagt mit Familie das Abenteuer
Für drei Jahre nach Peru: Vitali und Agnesa Diskavets ziehen mit ihren vier Kindern Maria, Eliah, Joshua und Vitalia aus Schiffdorf fort, um in Peru in einem Krankenhaus zu arbeiten. Foto: privat
Vom Stader Nachbarkreis nach Peru: Die Familie Diskavets will dort ehrenamtlich anderen Menschen helfen. Am 7. Oktober geht die Reise los.
Schiffdorf. Der Abschied aus Schiffdorf rückt immer näher: Am Mittwoch, 7. Oktober, wird um 6 Uhr der Flieger in Bremen abheben, der die Familie über Amsterdam nach Südamerika bringen wird. Eine 20-stündige Flugreise steht der sechsköpfigen Familie mit kleinen Kindern bevor.
Es ist ein Aufbruch in ein neues Leben. Mindestens drei Jahre wird Vitali Diskavets in Südperu im Missionskrankenhaus Diospi Suyana auf 2600 Metern Höhe tätig sein. Das Hospital ist ein besonderes: Die Ärzte engagieren sich dort nach dem christlichen Leitbild unentgeltlich, um Menschen in Armut und Not zu helfen, vor allem den indigenen Quechua. Die Menschen in der entlegenen Region sind dringend auf die medizinische Hilfe angewiesen.
Medizinische Hilfe wird in Peru dringend benötigt
Das Klinikum wurde vom deutschen Ärzteehepaar Klaus-Dieter und Martina John mit dem Trägerverein „Diospi Suyana“ ins Leben gerufen. „Der Standard - vom MRT über den OP-Saal bis zum Personal - entspricht einem deutschen Krankenhaus“, sagt der Arzt Diskavets.
Die Familie hat Wurzeln in der Ukraine und Weißrussland, ihre Heimat ist in den vergangenen Jahren allerdings Schiffdorf geworden. „Wir sind hier sehr gut angekommen und haben viele Freunde gefunden“, sagt Agnesa Diskavets. Vater Vitali Diskavets arbeitete als Urologe in einem Bremerhavener Krankenhaus, die vier Kinder sind hier geboren und besuchen Kita und Grundschule in Schiffdorf.
Sie alle haben schwierige Abschiede von den Freunden hinter sich. „Wie es im Deutschen so schön heißt: Wir nehmen Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Vitali Diskavets.
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Die Familie hatte in Schiffdorf ein Haus gebaut. Als jetzt Stück für Stück der Hausstand vom Sofa bis zum Klavier durch die Tür verkauft und weggetragen wurde, das Haus plötzlich leer war, musste Agnesa Diskavets sich immer fest daran erinnern, warum es die richtige Entscheidung ist: „Wir haben ein Ziel.“
Für die Christenfamilie steht fest, dass sie von Gott berufen ist. „Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken“, zitiert Vitali Diskavets aus der Bibel.
Mit elf Koffern reisen sie deswegen nach Peru, zu den Menschen, die sie brauchen. Im Gepäck alles, was sie zum Neustart in der Stadt Curahuasi benötigen.
In Peru beginnt das Schuljahr im März, bis dahin bleibt der Auswandererfamilie ein bisschen Zeit, um sich einzugewöhnen. Ob Agnesa Diskavets mit ihrer medizinischen Ausbildung auch im Krankenhaus arbeiten wird, ist noch nicht klar. Vielleicht, wenn die vier Kinder etwas größer sind.
So hat sich die Familie aus Schiffdorf vorbereitet
Für Vitali Diskavets schließt sich nun gewissermaßen ein Kreis. „Als ich acht Jahre alt war, bin ich mit meinem Vater aus Belarus in die USA ausgewandert“, erzählt Vitali Diskavets. Jetzt ist sein ältester Sohn ebenfalls acht Jahre alt.
Und auch jetzt geht es ans andere Ende der Welt: aus dem beschaulichen Schiffdorf in der norddeutschen Tiefebene ins peruanische Hochland. In eine kleine Stadt mit rund 7000 Einwohnern, die umringt von Bergen ist. Wo der Himmel meistens strahlend blau wirkt und in der dreirädrige Autorikschas durch die Straßen fahren und die Menschen Andenhüte tragen.
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Knapp ein Jahr lang hat sich die Familie auf diesen großen Schritt vorbereitet. Hat alle Papiere beantragt, Spanisch an der Volkshochschule gelernt, Gespräche mit Sponsoren geführt. Schließlich muss sie drei Jahre ohne Einkommen auskommen, denn die Arbeit dort ist ehrenamtlich. Auch Miete müssen die Diskavets zahlen. Wer die Familie unterstützen möchte, kann dies unter www.vdm.org/in-verbindung-bleiben/AC660000 tun. „Wir haben einen Newsletter, für den man sich anmelden kann“, sagt Vitali Diskavets.
Der Abschied ist erst einmal auf Zeit: Momentan planen sie, drei Jahre dortzubleiben. Ihr Haus in Schiffdorf haben sie daher auch vermietet und nicht verkauft. Womöglich werden aus den drei Jahren aber auch sechs. Oder es wird vielleicht sogar ein „Für immer“ daraus. Schiffdorf sagt der Familie jedenfalls „Tschüss“, das peruanische Curahuasi sagt „¡Hola“. Ungefähr 10.000 Kilometer entfernt beginnt jetzt ein neues Leben.
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