TUngewöhnlich übernachten: So schläft es sich auf einem Stader Hausboot
Das Hausboot liegt im Stader Holzhafen und ist für Touristen ein ungewöhnlicher Übernachtungsort. Foto: Haardt
Am Holzhafen liegen drei Hausboote. Eines davon steht aktuell zum Verkauf. Wie übernachtet man auf einer ehemaligen schwimmenden Arbeiterunterkunft?
Stade. Der Steg, an dem das Hausboot im Holzhafen vor Anker vertäut ist, liegt versteckt hinter Bäumen und Büschen am Salztorswall und knarrt leise beim Darübergehen. Hinter einer schweren Eingangstür aus Holz verbirgt sich das Innere des Bootes.
Drei wacklige Stufen führen an einer gemütlichen Koje mit Bullauge vorbei in den erstaunlich geräumigen Wohnraum, mitsamt Sofa, Esstisch und Küchenzeile. Die Holzdielen und das große, alte Steuerrad, das an der Rückwand hängt, verleihen dem Raum einen urigen, maritimen Charme. Ein wenig neigt sich das Boot nach backbord. Auf dieser Seite stehen die schweren Möbel, der Tisch mit Stühlen, die Küchenzeile und der Ofen.
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Seit drei Jahren gehört das Boot dem Stader Christopher Siems. Der Maschinenbauingenieur kaufte es über die Online-Plattform Ebay; ganze zehn Monate war das Boot seine richtige Wohnanschrift. Die Adresse lautet: Salztorswall 10, Adresszusatz Hausboot. Aktuell vermietet er seine ehemalige Wohnung an Touristen als ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit in Stade. Jetzt möchte er sein Hausboot verkaufen - aus verschiedenen Gründen.

Die Holzdielen und maritime Deko verleihen dem Wohnraum einen urigen Charme. Foto: Haardt
„Ich habe Lust auf etwas Neues. Selbst ein Hausboot wird irgendwann zur Gewohnheit“, sagt Siems. Außerdem möchte er sich nicht mehr bei jedem Sturm Gedanken um das Boot machen.
Altes DDR-Boot wird zur Touristenunterkunft
Wenn Tür und Fenster geschlossen sind, ist es ruhig auf dem Hausboot. Die Geräusche der Autos am Salztorswall und an der Salztorscontrescarpe sind kaum zu hören. Stattdessen dringt das Zwitschern der Vögel und das Kreischen der Möwen hinein. Ab und zu schnattert eine Ente. Abends beginnt es zu regnen; die Tropfen prasseln auf das Dach. Währenddessen fährt eine durchnässte und trotzdem gut gelaunte Gruppe von Kanuten am Boot vorbei und legt wenige Meter weiter beim SUP Club Stade an.
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Gebaut wurde das Hausboot in den 1960er Jahren auf einer Werft in der DDR. Es diente bis zu vier Arbeitern als Unterkunft während Bau- und Wartungsarbeiten am Wasserstraßennetz. Als sogenanntes Bauhüttenschiff wurde es ohne Motor konstruiert und immer dorthin geschleppt, wo gerade Arbeiten anfielen. Statt eines Namens hat das Boot eine Registrierungsnummer: 11 B 11-30.
In der Saison ist viel los
Nach dem abendlichen Regenschauer ist das Oberdeck nass, aber nicht rutschig. Für sonnige Tage stehen hier mehrere Liegen. In der einsetzenden Dämmerung flitzen Mücken über die Wasseroberfläche. Beim Blick Richtung Burggraben fallen die hellen Lichter des CineStar-Kinos ins Auge. Die grauen Wolken, durch die manchmal noch die untergehende Sonne blinzelt, spiegeln sich auf der fast regungslosen Wasseroberfläche.
Siems erzählt, dass sein Boot zu allen Jahreszeiten gerne gemietet wird. In der Sommersaison sei immer viel los im Holzhafen. Kanu- und SUP-Fahrer und andere Wassersportler kämen dann regelmäßig am Boot vorbei. „Einmal hat eine Schulklasse aus Spaß auf SUPs das Oberdeck geentert”, erzählt er. Im Winter hingegen sei die Unterkunft besonders gemütlich. Besonders wichtig für die kalte Jahreszeit: Das Boot ist gedämmt und gut beheizbar.

Für sonnige Tage liegen am Steg ein SUP-Board und ein Elektromotorboot bereit. Foto: Haardt
Ort zwischen City und Natur
Nachts verstummen die Vögel. Über der Koje befindet sich ein Bullauge, durch das die Bäume und Büsche am Ufer ihre Schatten an die Decke werfen. Ruhig liegt das Boot im Wasser, so dass das Einschlafen nicht schwerfällt. Am nächsten Morgen fallen die Strahlen der aufgehenden Sonne durch das Bullauge. Beim Frühstück (das muss man selbst mitbringen) kommt eine neugierige Ente nah ans offene Fenster. Das Hausboot liegt zwar nahe der Stader City, bietet aber viel Natur.

Eine neugierige Ente kommt dem offenen Fenster besonders nah. Foto: Haardt
Die Tür des Hausboots fällt ins Schloss. Die Geräuschkulisse des Salztorswalls dringt wieder an die Ohren. Über den Steg geht es zurück in den Alltag.
Hausboot kaufen
Interessenten wenden sich an die Stader Maklerin Marta Anna Schmidt. (0179/480 1731). Weitere Informationen zum Hausboot gibt es auf ihrer Website (www.marta-schmidt.immo).
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