TVerbotene Liebe: Andreas Dankert und die Bützflether Feuerwehr
Andreas Dankert lehnt am TLF16: Bützfleths Bürgermeister Nico Dreyer taufte es 1971 auf den Namen "Jan Dankert" - zu Ehren von Dankerts Großvater, der 26 Jahre lang Gemeindebrandmeister von Bützfleth war. Foto: Richter
Kaum konnte er sitzen, saß er im Feuerwehrauto auf Papas Schoß: Bützfleths neuer Ortsbrandmeister liebt die Feuerwehr seit Kindesbeinen. Doch mitmachen durfte er lange nicht.
Stade. „Ich wollte damals definitiv und hundertprozentig Feuerwehrmann werden“, erinnert sich Andreas Dankert. Als er 1967 zur Welt kommt, erwartete ihn eine große Familie: Er ist das Nesthäkchen mit fünf älteren Geschwistern, von denen einige damals schon Feuerwehr-Fans waren. Wann er selbst dazu wurde, weiß er nicht mehr genau.
Die legendäre Pumpen-AG
Doch eine seiner frühesten Erinnerungen gilt der legendären Pumpen-AG. 1971 verlegte die frisch angesiedelte Dow eine Rohrleitung von Bützflethersand nach Ohrensen. Die Rohre sollten 36 Stunden lang mit 1400 Litern Elbwasser pro Minute befüllt werden. Aber von wem? Die Freiwillige Feuerwehr Stade lehnte ab. Die Bützflether nahmen an – und gründeten die „Pumpen-AG“.
Mit drei Tragkraftspritzen und begeisterten Kindern im Schlepptau rückten sie an und verdienten gutes Geld. „Davon konnten wir ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug und eine neue Standarte bezahlen“, berichtet Dankert. Eineinhalb Jahre lang befüllte die Pumpen-AG danach an den Wochenenden Großtanks mit Ballastwasser.
Die Mutter war froh, wenn ihre Kinder gerne mit zu Feuerwehrveranstaltungen gingen - und den Papa dann früher als sonst mit nach Hause brachten. Ihr Jüngster lernte mit zehn Jahren Schreibmaschine und übernahm nach und nach immer mehr Schriftverkehr für seinen Vater, der bei der Feuerwehr bis zum Kreisbrandmeister aufstieg. Der kleine Andreas wuchs mit seinen Aufgaben.
Erster Eintrittsversuch mit 16 Jahren scheitert
„Mit 16 wollte ich in die Feuerwehr eintreten, aber der Ortsbrandmeister wollte mich nicht“, berichtet er. Er hatte offenbar Bedenken, dass der Vater ihn über seinen Sohn intern kontrollieren könnte. Andreas Dankert resignierte, übernahm aber weiter den kompletten Schriftverkehr seines Vaters - auch, als er schon Medizin studierte.
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Das erste Staatsexamen hielt er noch durch. Dann entschied er sich doch anders und wurde Werbekaufmann. Das Medizinische bringt er heute bei der Feuerwehr zur Anwendung: mit dem automatischen externen Defibrillator und in der First-Responder-Gruppe (AED-Gruppe).
Bevor eine Reanimation abgebrochen wird, frage der Notarzt die Beteiligten, ob sie damit einverstanden seien, aufzuhören, erzählt Dankert. Wie verarbeitet er diese Momente, in denen es um Leben und Tod geht?
„Die Bilder gehen nicht weg“, sagt er. Wichtig sei, dass das Fass nie überlaufe. Ihm helfe ein Gedanke: „Wie auch immer es ausgeht: Wenn wir nicht da wären, hätten die Menschen gar keine Chance.“
Homeoffice macht die Rückkehr möglich
1996 zog Dankert nach Hamburg und arbeitete bei RTL im Marketing. Das tut er bis heute, aber seit 2021 oft im Homeoffice und mit flexiblen Arbeitszeiten. Seitdem wohnt er wieder in Bützfleth und kann, wie er sagt, endlich dem Helfer-Syndrom nachgeben, das in der Familie liegt: Opa, Vater, Brüder, Neffen, Nichten – alle sind bei der Feuerwehr.
In den fünf Jahren hat er einige Lehrgänge absolviert: Führerschein, Maschinistenschein, Truppführer. Einige fehlen zum Ortsbrandmeister noch, weshalb er zunächst kommissarisch ernannt wurde.

104 Jahre Feuerwehrerfahrung blicken in die Kamera: Harry Rathjens (Mitte) ist seit 50 Jahren bei der Bützflether Feuerwehr, Ronald Rieger (rechts) seit 54 Jahren. Foto: Richter
„Ich habe mich um kein Amt beworben“, betont Dankert. Trotzdem ist er seit 2023 auch Vorsitzender des Bürgervereins Bützfleth. Wie bei der Feuerwehr sprach ihn auch hier sein Vorgänger an. Neben Schützenfest, Weihnachtsmarkt in Grauerort, Ausfahrten, DRK-Klönschnack oder Kulturveranstaltungen geht es bei den monatlichen Vorstandstreffen auch darum, jenseits der Parteipolitik für den Ort etwas zu bewegen.
Geht es um Letzteres, ist Dankert für deutliche Worte bekannt. „Ich bin harmoniebedürftig, aber ich möchte auf unsere Fragen Antworten und keinen Politiker-Sprech“, erklärt er. In einer Ortschaft, die sich so stark verändere, sei es wichtig, die Menschen vor Ort ernst zu nehmen und zu hören. Als Beispiele nennt er das Freibad, dessen Schließung vor zwei Jahren im Raum stand, oder den geplanten Bau eines Holzkraftwerks.
Auch Schiffsbrände gehören zum Aufgabenspektrum
„Zum Glück arbeiten viele Kameraden auf Bützflethersand“, sagt Dankert. In einem Ort mit Industriehafen die Feuerwehr zu sein, sei anspruchsvoll. So verfügt Bützfleth über eine Schiffsbrandbekämpfungseinheit und einen Löschschlepper. Früher, in den 70er-Jahren, waren Schadstoffe das große Thema. Heute gehe es eher um Lärm und verwehten Bauxitstaub der AOS-Produktion.
Dabei verhalte AOS sich gegenüber der Feuerwehr großzügig und unterstützend, und die Zusammenarbeit mit der Dow-Werksfeuerwehr klappe super. Dass der Leiter der Werksfeuerwehr Feuerwehrkamerad ist, dürfte dazu beitragen. Unterm Strich hätten Industrie und Einwohner in den letzten 50 Jahren größtenteils in friedlicher Nachbarschaft gelebt, sagt Dankert.
Sein Ziel für die nächsten acht Jahre: „Im Idealfall bemerken mich die Kameraden in der Zeit gar nicht großartig. Aber es wäre toll, wenn wir uns so gut aufstellen, dass ich mein Amt dann in jüngere Hände übergeben kann.“
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