TViel Medienrummel um einen möglichen Wolf in Assel
Ein europäischer Grauwolf in einem Gehege im Wolfcenter Dörverden. Foto: Sina Schuldt/dpa
Ein vermeintlicher Wolf sorgt in Assel für Aufregung: Eltern werden gewarnt, Medien berichten, doch ein Experte zweifelt an der Echtheit.
Assel. Kleine Meldung, große Wirkung: Am Dienstag, 8. September, wurde in Assel ein Tier fotografiert, das ein Wolf sein könnte. Die Grundschule vor Ort informierte die Eltern über die Sichtung. Medien wie Bild und RTL griffen das Thema auf und machten die in Niedersachsen fast alltägliche Szene publik.
„Wir möchten Sie vorsorglich darüber informieren, dass heute Morgen in der Jahnstraße ein Wolf gesichtet wurde“, hieß es in der Mitteilung an die Eltern. Die Polizei sei informiert, eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestehe nach ihrer Einschätzung nicht. Den Eltern stehe es frei, zu entscheiden, ob sie ihre Kinder wie gewohnt nach Hause gehen lassen oder persönlich abholen möchten.
Zeigen die Bilder aus Assel einen Wolf?
Dass die Nachricht der Grundschule nur eine Vorsichtsmaßnahme war, zeigt die Distanz zwischen Schule und Sichtungsort: mehr als ein Kilometer. Zwei Bilder sind öffentlich zugänglich. Auf einem sieht man das Tier von hinten in der Jahnstraße. Sein Fell wirkt dunkel, fast schwarz. Schwarze Wölfe gibt es in Nordamerika. Für Niedersachsen ist kein Fall bekannt. Auf dem zweiten Bild erscheint das Tier deutlich heller. Das Tier ist aber weit entfernt.
Wolfssichtungen kommen im Landkreis Stade immer wieder vor. Fotos oder Videos, mal besser, mal schlechter, gelangen regelmäßig an die Öffentlichkeit. Die Aufnahmen aus Assel gehören zu den schlechteren.
Der Weg des mutmaßlichen Wolfs durch Assel
„Wir gehen trotzdem davon aus, dass es ein Wolf ist“, sagt Julia Seefried, Jägerin und stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecherin der Kreisjägerschaft. „Der Wolf ist offenbar nur durch Assel gezogen.“
Die Jäger in der Umgebung hätten keine weiteren Sichtungen gemacht, und auch das Wild habe kein ungewöhnliches Verhalten gezeigt, so Seefried. Sie konnten den Weg des Tieres in Assel anhand von Hinweisen aus der Bevölkerung nachvollziehen: Es kam aus dem Bereich Asseler Außendeich, lief über die Hauptstraße in die Jahnstraße und verschwand Richtung Obsthöfe.
„Der Wolf ist ein Raubtier und deshalb potenziell nie ungefährlich“, sagt Julia Seefried. Dennoch teilt sie die Einschätzung der Polizei, dass keine unmittelbare Gefahr in Assel bestand.
Wie Wolfssichtungen bewertet werden
Das Wolfsmonitoring in Niedersachsen liegt in den Händen der Landesjägerschaft. Wolfsnachweise werden in drei Kategorien eingeteilt:
- C1: Eindeutiger Nachweis, etwa durch Genanalysen oder klare Fotos und Videos.
- C2: Bestätigter Hinweis, überprüft von Experten oder durch eindeutige Dokumentation, etwa Risse, Kot oder Trittsiegel.
- C3: Unbestätigter Hinweis, bei dem nicht zweifelsfrei feststeht, ob es sich um einen Wolf handelt – etwa bei vagen Spuren. Der mutmaßliche Wolf in Assel fällt in die Kategorie C3.
Stades Wolfsberater Michael Ohlhoff mahnt zur Vorsicht bei der Einstufung als Wolf nach Ansicht der Bilder: „In letzter Zeit wird mir jeder frei laufende Hund ohne Begleitung als Wolf gemeldet“, sagt er. Er kenne die Wölfe in der Region und gehe davon aus, dass das Bild einen Hund zeige. „Unsere Wölfe haben ihr Sommerfell. Das ist sehr dünn und eher hellbraun“, sagt Ohlhoff.
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