Vom HSV aufs Boot: Psychologe tauscht Ball- gegen Segeljob
Der Sportpsychologe Frank Weiland vom deutschen SailGP-Team. Foto: Handout / Berlin/Germany SailGP Team/dpa
Fast ein Jahrzehnt lang betreut Sportpsychologe Frank Weiland die HSV-Fußballer. Dann lockt ihn ein Angebot aus dem Segel-Team um den viermaligen Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel.
Sassnitz. Krasser könnte der Disziplinwechsel kaum sein: Es geht vom Ball- zum Segelsport. Vom Volksparkstadion in Weltmetropolen wie Sydney, Rio oder New York. Sportpsychologe Frank Weiland wagte die berufliche Wende und wechselte vom Fußball-Traditionsclub HSV zu einem weltweit operierenden Segelrennstall. Er ist der neue Sportpsychologe im Germany SailGP Team.
Seit Juli ist Weiland Teil des Segelrennstalls, der Unternehmer Thomas Riedel, dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und weiteren Teilhabern gehört. Nach dem Einstieg 2023 in den SailGP bestreiten Fahrer Erik Kosegarten-Heil und seine Crew Rennsportevents rund um die Welt.
Jetzt naht das Heimspiel in Sassnitz auf Rügen am 22. und 23. August. Das Team ringt in SailGP-Saison sechs um seinen Aufstieg in der Profiliga, ist erst im dritten Jahr dabei.
Der 42-jährige Weiland ist Vater von drei Kindern, lebt in Hamburg und studierte Wirtschaftswissenschaften und Psychologie. Er hält einen Master of Science der Sportpsychologie und einen in Klinischer Psychologie, promoviert an der Deutschen Sporthochschule zum Thema Leistungssport-Coaching.
In 18 Berufsjahren betreute Weiland auch die U19-Fußballer von Tennis Borussia Berlin, die Füchse Berlin im Handball oder den Club an der Alster in der Hockey-Bundesliga. Fast zehn Jahre war er für den HSV tätig, um Fußballern mit Rat zur Seite zu stehen. In seiner Privatpraxis suchen auch Einzelsportler seinen Rat. Das alles ist vertrautes Terrain. Nicht so der Segelsport.
Weiland nach Mediathek-Besuch angefixt
Weiland kam, weil ihn das neue Revier reizt, das er vor seinem Wechsel eher indirekt als Stand-Up-Paddler, Windsurfer oder aus dem Fernsehen kannte. Er sagt: „Ich hatte den SailGP mal in der ZDF-Mediathek entdeckt, war sofort angefixt. Dann habe ich mir bei Youtube Clips angesehen. Da war für mich klar, dass ich dieses Team gerne kennenlernen würde.“
Der Zufall sorgte dafür: Über einen segelnden Praktikanten beim HSV lernte Weiland SailGP-Coach Lennart Briesenick kennen. Vom Erstgespräch bis zur beruflichen Wende Weilands dauerte es nur Tage. „Das Team hat eine enorme Lernkurve hinter sich. Jetzt geht es darum, die mentale Stärke aufs Wasser zu bringen.“
Wie er das macht, bleibt weitgehend sein Geheimnis. Auf die Frage, was er etwa gegen die unbeständigen Starts seines Teams tun könne, lächelt er und sagt: „Nehmen wir an, ich hätte dazu schon eine Idee gehabt und wir würden daran arbeiten, käme es doch ein wenig der Industriespionage gleich, wenn ich jetzt schon davon erzähle.“
Weilands neues Team liegt auf Tabellenplatz acht unter 13 Teams. Platz sechs hatten sie sich als ehrgeiziges Saisonziel gesteckt. Dabei treten sie gegen Teams mit vielfacher Erfahrung und Stars an, die ihr Können beim America‘s Cup unter Beweis gestellt haben.
Fünf Events bleiben noch zum Vorrücken. Weiland soll die Segler dafür mental stärken. „Mit Frank Weiland haben wir uns die Expertise ins Boot geholt, die über den Tellerrand hinausblickt. Seine Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen im Profifußball wird uns helfen, entscheidende Prozentpunkte auf dem Wasser zu finden“, sagt CEO Tim Krieglstein.
Was in einer SailGP-Crew anders ist als bei einer Fußball-Elf? „Es können sich beim Segeln nicht immer alle in jeder Situation den Allerwertesten retten“, sagt Weiland. Im Fußball könne ein Außenstürmer auch in der Verteidigung helfen. Ein Fahrer im SailGP könne nicht mal eben anderswo auf dem Boot sein.
SailGP-Strategin: Weiland mit „coolen Ideen“
SailGP-Strategin Anna Barth attestiert Frank Weiland „coole Ideen“, beschreibt ihn als „guten Menschen“ mit „sehr viel Erfahrung“. Ein bisschen bereut Weiland, nicht selbst schon als Kind „die erfüllende Erfahrung“ des Segelns gemacht zu haben, erklärt: „Wenn alles zusammenkommt - die Elemente, das Werkzeug, also das Boot, und das Team - erzeugt das richtige Glücksmomente.“
Aktuell herrscht im Team Vorfreude auf das Heimspiel in Sassnitz. Weiland sagt: „Es ist das Highlight der Saison in eigenen Gefilden mit Familien, Freunden und den Fans im Rücken. Das ist eine super Ausgangsposition, wenn auch kein Selbstläufer.“ Weiland wird das Team vor Rügens Ostseeküste vom Begleitboot aus beobachten und unterstützen. Auch das ist anders als in einer Fußballkabine.
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